Lohengrin (@Anomaspe)

Mein Name tut nichts zur Sache. Ich veröffentliche unter dem Pseudonym Lohengrin. Ich bin 40 Jahre alt und von Beruf Journalist. Schon seit 6 bis 7 Jahren habe ich den Verdacht, dass ich Asperger-Autist bin. Seit diesem Jahr 2015 habe ich auch eine Verdachtsdiagnose einer Psychiatrie (Verdacht auf Autistische Spektrumsstörung). Derzeit warte ich auf meinen Diagnosetermin im Oktober.

Wie kam ich auf meinen Verdacht? Dass ich anders war, wusste ich schon immer. Nur glaubte ich, diese Andersartigkeit hätte multiple Ursachen. Ich war sportlich und handwerklich total unbegabt, bei den Schulkameraden absolut unbeliebt, hatte kaum Freunde, meine erste Freundin erst mit 23, mein erstes Date nur wenige Monate zuvor, und wenn ich unter Leuten war, musste ich meine ganze Konzentration darauf verwenden, nicht irgendwie merkwürdig zu erscheinen – was allerdings meist misslang, da ich nicht wusste, was eigentlich mein Problem war. Das Ergebnis waren starke Minderwertigkeitsgefühle, dann im Teenager-Alter der Eindruck, das Leben ginge an mir vorbei, und manchmal ging sogar der Wunsch zu sterben damit einher.

Im Studium besserte sich alles, und ich hatte den Eindruck, die Probleme meiner Jugend seien endgültig überwunden. Ich fand sogar einen Freundeskreis und fühlte mich wohl. Allerdings: Mit Frauen hatte ich immer noch meine Probleme. Während andere mühelos Partnerinnen fanden, war es bei mir jedesmal ein Kampf, der spätestens nach einem Monat beendet war.

Während meines Volontariats brachen meine Probleme wieder aus: Ich fand keinen Anschluss, schaffte es nicht, mich in die Gruppe meiner Kollegen zu integrieren – und merkte zunächst nicht einmal, dass da was nicht stimmte. Ich bekam es nicht mit, wenn sich ein Großteil der Redaktion auch abends traf. Mich lud niemand ein.

Das ganze wurde noch verschärft durch Probleme mit den Vorgesetzten. Sie betrafen weniger meine Arbeit – die wurde vom Anfang bis zum heutigen Tag immer als hervorragend eingestuft – sondern vielmehr mein Verhalten. Ich merkte, dass ich feste Routinen brauchte, die aber im Journalismus fehl am Platz waren, und dass ich manchmal ungemütlich wurde, wenn ich diese Routinen nicht einhalten konnte.

Es waren genau diese Routinen, die mich an etwas erinnerten: an den Film Rain Man. Ich wusste damals nicht viel über Autismus, und noch weniger ahnte ich, dass es etwas mit mir selbst zu tun haben könnte. Mein Autismus-Bild war vollkommen vom Kanner-Syndrom geprägt.

Aber Ähnlichkeiten mit Rain Man waren bei mir vorhanden: Große Anpassungsschwierigkeiten bei gleichzeitig bemerkenswerten geistigen Leistungen. Klar, beides war bei mir bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie bei Raymond, aber konnte es sein, dass es eine weniger stark ausgeprägte Form des Autismus gab? Eine, bei der die Betroffenen fast normal wirkten und sogar ein vordergründig mehr oder weniger normales Leben führen konnten?

Ich recherchierte im Internet, stieß auf das Asperger-Syndrom, las und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Denn was dort geschrieben wurde, passte so gut auf mich, dass für mich damals kein Zweifel bestand. Ich war Autist – das also war der Grund meiner jahrelangen Probleme, meinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Die Frage war nur: Wie ging ich mit dieser Erkenntnis um? Was folgte waren zwei Diagnoseversuche, viel Recherche im Internet und in Büchern und etliche Kontakte zu Autistinnen und Autisten. Aber das ist eine lange Geschichte voller Zweifel und Irrwege.

Ob ich wirklich Autist bin, weiß ich immer noch nicht. Aber irgendwas an mir ist komplett anders als an den meisten anderen Menschen. Und was das ist, das werde ich in diesem Blog schreiben.

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1 Kommentar

  1. Lieber Lohengrin,
    die wenigsten, die selbst Asperger bei sich festgestellt haben, hätten im Endeffekt damit Unrecht (siehe „Aspergirls“, Simone, R.). Ich denke, dass deine berechtigten Zweifel dennoch unbegründet sind und spätestens mit der Diagnostik in einigen Monaten beseitigt werden.

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