Dating: Odyssee mit Happy End

Dating ist für mich eine Herausforderung. Das habe ich immer wieder feststellen müssen. Warum das so ist, das war mir jahrelang ein Rätsel. In der Schule fragte ich einst einen Klassenkameraden, wie das geht mit den Frauen. Er meinte daraufhin: „Du musst einfach nur deinen Gefühlen folgen.“ Den Gefühlen folgen. Tolle Sache. Nur irgendwie bekam ich es nicht hin.

Ich wurde achtzehn, ohne je eine Freundin gehabt zu haben. Ich wurde 22, ohne je eine Freundin gehabt zu haben. Und dann trat das Internet in mein Leben. Alle Frauen, die ich gedatet habe, habe ich – von drei Ausnahmen einmal abgesehen – im Internet kennen gelernt. Auch mit allen sechs Frauen, mit denen ich jemals zusammen war (und bin), hatte ich online den ersten Kontakt geknüpft.

Damals, im Jahr 1997, meldete ich mich in einem Chat mit Namen Metropolis an. Ich lernte auch gleich jemanden kennen – eine junge Frau, die mich faszinierte. Sie schickte mir ein Bild von sich – damals, als Scanner und Digitalkameras noch nicht so weit verbreitet waren, noch per Post. Ich fand sie faszinierend und wollte sie näher kennen lernen. Auch sie war mir und meinem Foto nicht abgeneigt. Also trafen wir uns auf neutralem Boden – bei einem der damals üblichen Chattertreffen.

Ich holte sie am Bahnhof ab, wir gingen in ein Café. Und dann: Absolute Ratlosigkeit. Sie lächelte mir zu, aber ich wusste nicht, was ich mit ihr anfangen sollte. Liebe kannte ich damals vor allem aus Hollywood-Filmen. Irgendwann kommt man sich näher, irgendwann küsst man sich – aber davon war überhaupt nichts zu spüren. Wartete sie auf etwas? Wollte sie, dass ich die Initiative übernehme? Nur wie macht man das? Ich war hoffnungslos überfordert.

Das Drama war ja: Ich hatte bei ihr durchaus Chancen. Zum ersten Mal in meinem Leben interessierte sich eine Frau für mich – zumindest war es das erste Mal, dass ich es wusste. Aber trotzdem kamen wir nicht zusammen.

Am letzten Abend dann sagte ich ihr, dass ich mich in sie verliebt hatte und dass ich gerne eine Beziehung mit ihr anfangen wollte. Das war der Abturner schlechthin. Auf eine Beziehung war sie nicht aus, sondern auf Sex, und meine Chance war vorbei. Ich hatte meine erste Erfahrung mit einer Frau hinter mir – und es sollten noch viele weitere kommen. Schaffte ich es dann doch, eine Frau zu erobern (was durchaus vorkam), dann war es mehr dem Zufall zu verdanken als meinem Geschick. Wie es wirklich geht, habe ich nie begriffen.

Daten, das war für mich ein Ratespiel. Steht sie auf mich? Langweile ich sie? Will sie, dass ich jetzt die Initiative ergreife? Oder wäre genau das ein großer Fehler? So erschien ich den Frauen entweder als zu schüchtern, oder als zu aufdringlich. Aber den genau richtigen Zeitpunkt für die genau richtige Aktion, das bekam ich einfach nicht hin.

Und dann änderte sich plötzlich alles. Bei einem Date Anfang dieses Jahres spürte ich von Anfang an, dass ich bei dieser Frau Chancen hatte. Plötzlich war da etwas, das ich bei allen – naja, den meisten – Dates zuvor vermisst hatte: Empathie. Von dieser Frau kam etwas bei mir an. Als ich auch beim dritten Date meinte, ihre Gefühle spüren zu können, küsste ich sie. Jetzt bin ich mit ihr glücklich zusammen.

Doch an meinem Autismus-Verdacht habe ich starke Zweifel bekommen. Unsere Partnerschaft ist alles andere als das, was ich über Partnerschaften zwischen Autisten und Nichtautisten gelesen habe. Ich genieße ihre Nähe, spüre die Zärtlichkeiten sehr intensiv, koste jede Minute aus, die wir zusammen verbringen, und habe kaum das Bedürfnis nach Rückzug. Ich bin glücklich verliebt. Nicht zum ersten Mal – aber in dieser Intensität ist es neu für mich.

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5 Kommentare

  1. Wenn die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt, dann ist ein etwaiger Autismus kein Problem.

    Nach vielen kurzfristigen Partnerschaften habe ich meinen Mann vor 19 Jahren kennengelernt. Der Verdacht, dass wir beide Autisten sind, wurde durch die Therapeuten unserers Sohnes geäußert. Wir haben ja auch 4 autistische Kinder.

    Ich denke nicht, dass Autismus und Partnerschaft / der Wunsch nach Nähe sich ausschließen. Sondern eher, dass es schwieriger ist ein „passendes“ Pendant zu finden.

    Ich kann Nähe bei meinem Partner ertragen. Aber lange nicht bei jedem anderen Menschen. Da fehlte immer was in der gegenseitigen Kommunikation (verbal und nonverbal). Die gegenseitige Verständnisebene war nie gleichwertig (also bei den vorherigen „Partnerschaften“).

    Gefällt 1 Person

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