Reizüberflutung

Das Thema Reizüberflutung spielt in meinem Leben eine sehr große Rolle. Um genau zu sein, bin ich „da draußen“ eigentlich immer nur einen Schritt weit vom Overload entfernt. Es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass man mich „einfach so- zum Spaß“ außerhalb meiner Wohnung antrifft. Die Wege, die ich zu erledigen habe, führe ich ausschließlich mit dem Fahrrad durch, abgesehen von dem täglichen „Gassi- Gang“ mit meinem kleinen, alten Hund. Dabei fokussiere ich mich- bis wir im Park sind- auf die Kennzeichen der vorbeifahrenden Autos und bilde assoziativ zu den Städteabkürzungen Namen von realen Personen, lebend oder tot ist egal. Sonntags, oder wenn wenig Verkehr ist, lese ich Straßenschilder, Werbungen, etc.- von hinten nach vorne- und sage sie mir so lange auf, bis ich sie auswendig kenne .Blöderweise merke ich oft nicht, wenn ich anstatt zu denken Selbstgespräche führe und merke das dann erst an den verstörten Blicken irgendwelcher Passanten. Als Kind habe ich mir immer, wenn ich draußen sein musste, die Kennzeichen von Autos aufgeschrieben und sie dann zuhause nach Städten geordnet. Ich nannte das damals Autonummer sammeln. Und ich habe es geliebt. Ich erkenne auch sofort, wenn ich ein Kennzeichen von einem auswärtigen Auto bereits einmal gesehen habe.

Ein Aufenthalt draußen muss bei mir ganz klar zeitlich begrenzt sein zumal ich auch sehr lichtempfindlich bin. Sobald ich draußen bin und ein anderes Wetter als Regen oder Tristesse herrscht, fangen meine Augen auf der Stelle an zu tränen. Also nicht nur im Sommer, sondern auch an Wintersonnentagen, besonders wenn Schnee liegt. Hut, Ohrenstöpsel und Sonnenbrille sind für mich ein absolutes MUSS. Am wohlsten fühle ich mich in meiner Wohnung . Und da bin ich auch immer- wenn ich nicht arbeite, einkaufe, oder den Hund ausführe. Ich habe eine recht große Wohnung mitten in der Stadt. Sowohl von meinen Wohnzimmerfenstern als auch von den Fenstern meines Arbeitszimmers schaue ich direkt auf eine belebte Kreuzung. Ich nenne das Stassen- TV. Dort sehe ich den ganzen Tag Menschen. Ich guck sie mir von hier oben aus an. In den zehn Jahren, die ich in meiner Wohnung wohne, bin ich zu so einer Art Hobby- Anthroposoph auf der Erde geworden. Aber das Treiben da unten bleibt hinter Glas. Ich denke, das ist besser für alle. Das ganze Chaos da draußen versetzt mich in einen Zustand der Unruhe und bringt mich davon ab, meine Fähigkeiten zu nutzen. Anders als ein neurotypischer Mensch nehmen wir Asperger alle visuellen und akustischen Reize ungefiltert auf , was unter Umständen sehr schnell zu einem Overload führen kann. Und dann entstehen diese Situationen, in denen neurotypische Menschen nur noch mit dem Kopf schütteln können, weil sie unser Verhalten nicht verstehen und nachvollziehen können. “. Also ich sag es mal so: Ich habe keine Angst vor Menschen, das ist es nicht. Aber wenn es irgendwie möglich ist, möchte ich alleine sein. Dann bin ich auch am ausgeglichensten und produktivsten. Menschen strengen mich unwahrscheinlich an. An meiner Wohnungstür ist von innen ein Schild mit der Aufschrift „Notausgang“. Mehr braucht man dazu wohl nicht sagen. . Ich könnte mir z.B. niemals vorstellen zu verreisen oder so etwas. Das ist für mich absolut undenkbar. Allein der Gedanke daran, dass ich irgendwo anders schlafen müsste als in meinem Bett ist der blanke Horror. Nicht, weil mein Bett besser ist oder so- sondern weil das der einzige Platz ist, wo ich vermutlich überhaupt schlafen will und kann. Wenn ich ein paar Stunden außer Haus bin, brauche ich mindestens eineinhalb bis zwei Stunden, bis ich einigermaßen „runtergekommen bin“.

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