Reizüberflutete Frau Anders Teil IV (taktil)

Im Gegensatz zu den meisten Autisten hab ich in dem taktilen Wahrnehmungsbereich, also dem des Fühlens die wenigsten Probleme. Ich kenne das Phänomen der gehassten kratzigen Pullover in der Kindheit zwar auch, aber es war nie so massiv störend wie manch andere Dinge. Heute achte ich dennoch auf angenehme Stoffe und bequeme Kleidung, weil ich jegliche Störungen in irgendeinem Wahrnehmungsbereich vermeiden möchte. Drückendes Schuhwerk, geschweige denn das laufen auf High Heels bei schmerzenden Füßen ist ein no go für mich. Ich mag auch spontane und ungeplante Berührungen von anderen nicht, Händeschütteln ist mir ein Graus und am allerschlimmsten ist ein wohlwollendes Schultergetätschel oder anstupsen. Dennoch mag ich Berührungen von Menschen die mir nahestehen und die mich berühren dürfen sehr gerne. Das darf durchaus nicht jeder, und ohne diese Erlaubnis empfinde ich Berührungen eher als ekelig. Aber ich mag Berührungen. Nein, ich genieße sie sogar extremst. Ich könnte mich den ganzen Tag beknuddeln und bekuscheln lassen. Hier mal in der Armbeuge krabbeln, da mal den Rücken krabbeln, stundenlang den Kopf kraulen…dann fühle ich mich wohl, geliebt und angenommen.

Was das Schmerzempfinden angeht, bin ich mir nicht so ganz sicher und ich bin grade dabei für mich herauszufinden wie ich da ticke. Mal bin ich überempfindlich, mal gar nicht. Noch verstehe ich es nicht. Oberflächlich, also auf taktiler Ebene bin ich manchmal extremst sensibel und kann an einem kleinen Buchseitenschnitt im Finger förmlich sterben. Dagegen kann man mir aber andererseits ohne Probleme Spritzen geben und ich habe mir als Kind immer Nadeln völlig schmerzfrei durch die Haut gezogen. In der Tiefenwahrnehmung bin ich eher untersensibel. Da brauchts schon viel input damit ich überhaupt was spüre.

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3 Kommentare

  1. Ich kann von meiner jüngeren Tochter berichten, dass sie bei Kleinstberührungen es als starken Schmerz wahrnimmt.

    Der Jüngste allerdings scheint wirkt eher abgestumpft. Wie oft ist er schon wo gegen gerannt und es hat sogar richtig Krach gemacht und er hat es überhaupt nicht wahrgenommen.

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      • Ne, auch eher schlecht.

        Die Kleidung, die sie trägt muss übrigens sehr eng sein, damit diese sich möglichst überhaupt nicht bewegt. Wirkt eher, wie eine zweite Haut.

        Am schlimmsten war, als sie klein war, wenn man sie duschen oder baden musste.

        Noch heute ist „Wasser in den Augen“ das schlimmste, was man ihr antun kann.

        Ich bin gespannt, wie das wird, wenn sie demnächst ihre Klammer bekommt. Die muss sein, weil sie sich mittlerweile selber in den Oberkiefer beißen kann. Aber ich denke, dass werden anstrengende Jahre.

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