Reizüberflutete Frau Anders Teil V (vestibulär/propriozeptiv)

Nun kommen wir zu den weniger bekannten Sinnessystemen, mit denen einige Autisten anscheinend auch große Schwierigkeiten haben. Ich versuchs mal zu erklären. Die vestibuläre Wahnehmung betrifft vor allem das Gespür für Gleichgewichtsreize, Lage des Körpers im Raum zB. bei Bewegungen und ist wichtig, um den Körper darauf passend auszurichten. Funktioniert dieser Sinn nicht so gut, wirken Bewegungen oft tappsig und tollpatschig. Viele Dinge wie laufen, radfahren und so können nur mit hohem Aufwand erlernt werden weil der Körper einfach nicht gut genug spürt wie er sich grade im Raum befindet um schnell darauf mit der passenden Gleichgewichtsreaktion oder abgestimmt geschmeidigen Muskelaktion reagieren zu können. Dieses Sinnessystem kann normal funktionieren oder über- als auch untersensibel sein.

Meines ist eher übersensibel, läßt also alle Reize in Massen auf mich los. Oft überfordert mich das sehr. Das zeigt sich darin daß mir überaus schnell schwindelig wird, sobald mein Körper sich bewegt. Mir wird beim Autofahren schlecht, ich bin absolut nicht seetauglich, und eine einzige Drehung um meine eigene Achse reicht aus damit mir kotzspeiübel wird. Ich habe vermutlich auch wegen der Stärken in diesem Sinnessystem sehr früh laufen und radfahren gelernt, allerdings führt es auch dazu daß Bewegungen oft unangenehm sind und eher vermieden werden. Wer nun im Umkehrschluß zu einer vestibulären Untersensibilität denkt, ich bin ein elegantes, sportliches, sich wohlbewegendes Wesen der irrt absolut. Das wäre ich vielleicht sogar der Fall, wäre da nicht noch das propriozeptive System was bei mir sogut wie überhaupt nicht zu funktionieren scheint. Das propriozeptive System erkennt zB. die Stellung von Muskeln, Sehen und Gelenken zueinander und schickt Infos zum Gehirn wie es zu reagieren hat. (das ist das System was euch, wenn ihr mit geschlossenen Augen einen Arm hochstreckt daß der Arm oben ist) Es macht zum großen Teil mit dem verstibulären System das aus was man oft Körpergefühl nennt. Bei mir versagt dieses System völlig. Was ich in manchen Sinnesbereichen zuviel habe, fehlt mir dort massiv. Ich spüre mich innerlich einfach total schlecht. Ich bin daher in der Außenwirkung ein grobmotorisches Trampeltier, das nicht in der Lage ist elegant zu gehen, zu tanzen oder mich sonstwie zu bewegen. Ich stoße mich oft, mir fallen Dinge herunter und manchmal falle auch ich. Ich habe mein Leben lang versucht dies zu trainieren und bin kläglich gescheitert. Ich wäre so gerne eine elegant und schön tänzelnde Elfe und bin schwer neidisch auf Menschen die sich toll bewegen können. Zumal einige meiner liebsten Hobbys wie zB. das Firepoispielen in der Öffentlichkeit echt nicht gut ankommen, wenn man sich nicht gut bewegen kann und ich mich daher nicht nach draußen damit traue. Naja, vielleicht gibts ja irgendwann mal was elefantastisches zum darstellen, wo man Leute wie mich braucht

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4 Kommentare

  1. Ich versuch mal zu verstehen………………

    ich kann mich im dunklen besser in meiner Wohnung zurechtfinden, als bei Helligkeit. Im hellen „springen“ mich immer Türrahmen, Möbel und andere Dinge an. Im „Ecken rund laufen“ bin ich „unschlagbar“.

    gehört das dazu? Oder wird das anderswo eingeordnet.

    Wie steht es denn da mit sensorischer Integration? Wie kann man lernen, dies alles besser einzuordnen.

    Bei unserem Jüngsten stelle ich immer häufiger fest, dass er sich weder in seinem Körper zurechtfindet noch in seiner Umwelt.

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    • Keine Ahnung, ich kenne dich ja nicht. Vielleicht bist du im Dunklen einfach generell konzentrierter, weil einige Reize die auf dich einprasseln weniger sind?! Im dunkeln sieht man oft weniger, wird weniger geblendet und manchmal ist es einfach nur ruhiger drumrum. Was sie sensorische Integration angeht (bin selber auch SI Therapeut) könnte ich stundenlang drüber reden und es gibt 1000 Theorien dazu wie man all das schulen kann und wie auch nicht. Ich würde sagen die allerbeste Methode ist es erstmal zu erkennen wo man wie funktioniert in den einzelnen Sinnesbereichen und zu was das führt (da helfen die Ergotherapeuten sicher gerne weiter), das dann für sich annimmt und im Alltag damit umgeht indem man kreative Lösungen findet. Man kann Untersensibilitäten zB. gezielt verstärktem Input aussetzen damit man doch mal was spürt und das Gehirn in manchen Bereichen dann dazulernen kann und Übersensibilitäten versuchen gezielt im Schach zu halten.

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      • Das

        Zitat: „Vielleicht bist du im Dunklen einfach generell konzentrierter, weil einige Reize die auf dich einprasseln weniger sind?! Im dunkeln sieht man oft weniger, wird weniger geblendet und manchmal ist es einfach nur ruhiger drumrum.“

        trifft unbedingt zu. Am besten daran ist die Ruhe! Als ob ich die Möbel / Türrahmen dann „hören“ könnte.

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