Die Sache mit dem Essen

Die Sache mit dem Essen ist bei mir höchst unspektakulär und dient eigentlich in erster Linie dem Zweck, meinem Alltag Struktur zu geben.
Meistens ist es so, dass ich irgendwann am Nachmittag merke, dass ich noch nichts gegessen habe. Und da ich mir angewöhnt hab, mindestens einmal am Tag was zu essen und das auch auf meinem Tagesplan abzuhaken, weiß mein Gehirn dann, dass es langsam Zeit wird, was zu essen. Auf meine Körperwahrnehmung kann ich mich da nicht verlassen, denn meine Körperwahrnehmung ist so gestört, dass es schon mal locker eineinhalb Tage dauern kann, bis ich von mir selbst aus merke, dass ich Hunger hab und stattdessen nur darüber verwundert bin, warum ich so runtergefahren bin. Oder mir fällt noch nicht mal was auf- kann auch passieren.
Deswegen habe ich mir angewöhnt, den Punkt Essen jeden Tag auf meiner Liste abzuhaken. Dann weiß ich, ich hab das erledigt und sehe das schwarz auf weiß und brauche mich da nicht weiter mit befassen. Und ich habe einen stabilen Punkt in meinem Tagesablauf.
Schwierig wird es bei mir, wenn ich bestimmen muss, ob und wann ich satt bin. Das ist eine Sache, die ich überhaupt nicht erkennen kann und deshalb muss ich immer darauf Acht geben, dass ich mich nicht total überfresse. Sowas merke ich denn wirklich meistens erst, wenn es mir schon langsam schlecht wird. Von meinem Körperwahrnehmung her gibt es für mich eigentlich keinen Unterschied, ob ich nun eine Portion esse oder drei.
Mit dem, was ich esse, läuft es immer seriell ab. Viel Auswahl gibt es nicht auf meinem Speiseplan. Im Moment hab ich ne Serie, die seit Februar 2014 läuft und in der ich abwechselnd einen Tag Kartoffeln mit Tzaziki und am nächsten Tag Bratkartoffeln esse. Das fühlt sich für mich okay an und kann auch durchaus noch ein paar Monate so weitergehen. Ab und zu gibt es dann mal Gemüse dazu…aber das war es dann auch schon mit dem, was ich esse. Ich käme auch vermutlich nicht auf die Idee, mal etwas anderes auf den Speiseplan zu setzen, denn durch die tägliche Wiederholung des Kartoffelthemas habe ich jeden Arbeitsschritt so verinnerlicht, dass die Koch- und Essensaktion eine Routine geworden ist.
Zwischendurch esse ich überhaupt nichts und denke auch nicht an Essen. Die einzige Ausnahme ist da Lakritz. Ich krieg so regelmäßig alle 2 Wochen nen Lakritzanfall. Dann ess ich 1 oder 2 Tüten auf Ex und dann ist es wieder gut.
Waage und sowas besitze ich nicht. Ich wiege eigentlich immer so ziemlich das Gleiche und brauch da nicht drauf achten. Ausnahme ist dabei nur, wenn ich irgendwas an meinen Antidepressiva ändere, dann schwankt das Gewicht schon mal ein bisschen- aber selten mehr als 5 Kilo.
Früher hab ich das Essen manchmal als lästige Unterbrechung meiner Beschäftigungen angesehen und mir oft gewünscht, dass es einfach Essenspillen gäbe die man schluckt und damit wäre dann das Thema erledigt. Heute sehe ich das ein bisschen anders und denke über sowas nicht mehr nach, und es ist für mich ganz normal geworden, den Punkt Essen jeden Tag in meinen Ablauf mit einzubeziehen. Aber es ist für mich kein Thema, über das ich großartig nachdenke.

Essende Menschen hingegen haben auf mich was total Verwirrendes und ich bin immer froh, wenn ich keine sehe. Direkt neben meinem Haus ist eine Metzgerei mit Mittagstisch. Und wenn ich meine Runde mit dem Hund mache, sitzen da hinter der Glasscheibe immer irgendwelche kauenden Menschen und ständig kommen dort Leute heraus, die sich für die Pause ein Frikadellenbrötchen oder sowas geholt haben und das dann einfach draußen essen.
Bei sowas muss ich immer höllisch aufpassen, dass ich möglichst nicht dahin gucke und mein Gehirn nicht irgendwas aufschnappt- wie zum Beispiel eine komische Kaubewegung oder Krümel im Gesicht oder so. Solche Bilder springen mich quasi mit Zoom an und bleiben dann- wenn ich Pech hab- erst mal ne ganze Weile in dem Bilderkarussell in meinem Kopf hängen.
Deswegen versuche ich, den Anblick von essendenden Menschen so weit es geht zu vermeiden.

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5 Kommentare

  1. Essenpillen fänd ich auch großartig. Ich esse auch nur weil man das halt so tut und weil mein Körper es braucht damit er leben kann. Ich habe dabei durchaus Sinn für leckeres Essen, koche jeden Abend lecker und frisch für meine Liebsten so als Familienmutti, aber mir selber bedeutet essen einfach nichts. Mich stört es nur im Alltag, denn ich habe kein Hungergefühl. Ich achte daher einfach nur aus rein praktischen gesundheitlichen Gründen darauf daß es gesund, abwechslungsreich und so ist.

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  2. Oh man, du sprichst mir aus der Seele.
    Ich denke einfach nicht ans Essen. Und mal ist es so, dass ich dann tagelang kaum oder zu wenig esse.
    Dann gibt es Phasen, wo quasi Kochen mein „Spezialinteresse“ wird und ich mampfe durchgängig.
    Der Hauptgrund, warum ich überhaupt esse ist, dass mein Kopf mir irgendwann sagt, jetzt wird es dann aber mal Zeit. Hunger und/oder Sättigungsgefühl kenne ich kaum.
    Ich kann essen bis ich platze.
    Habe deshalb auch mal in einem Jahr 30 Kilo zu oder abgenommen.
    Irgendwann habe ich angefangen alles was ich koche zu wiegen und mich streng zu strukturieren. Dann ging es.
    Aber auf Dauer ist das ziemlich anstrengend.
    Auch dieses „immer“ das gleiche Essen. Ja. Wenn es nach mir geht gerne.

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  3. Ich steh einfach auf den Geschmack von bestimmten Sachen. Außerdem krieg ich leicht Hunger, so alle 5 Stunden. Da bin ich auch drauf trainiert, das so zu kriegen. Ich ess gerne, während ich dazu ein Video gucke oder einen Film, dadurch ist es einbezogen in meine Freizeitaktivität. Kochen kann ich allerdings und daher sind es oft Fertiggerichte.

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  4. Wenn du z.B. Mal essen gehst, fühlst du dich danach gut oder schlecht, weil du nicht das essen konntest, was du immer isst? War es mal besonders lecker beim Essengehen? Ich finde nicht, dass Essen für jeden eine gleich hohe Wertigkeit haben muss. Aber es stimmt, dass es sich auf die Befindlichkeit/Energielevel/Stimmung auswirkt und man da schon was dran ausprobieren könnte, ob es einem durch Veränderung besser geht.

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  5. Liebst Du Dich selber genug? Wir haben doch ein Recht, uns selber zu verwöhnen. Das Essen soll schön aussehen, mit ein bisschen Liebe zu uns selber zusammengestellt sein und alles enthalten, was wir brauchen. Optimal wäre es, wenn ein großer Teil eines Getreides da ist, also Vollkorn-Nudeln, Reis oder Brot; dann ein wenig Eiweiß; viele Autisten sind Veganer oder Vegetarier, also spreche ich vielleicht eher von Champignons oder Haselnüssen. Kichererbsen liefern ganz viel pflanzliches Eiweiß und sehr wenig Fett. Es gibt aber auch keinen Grund, sich vor Fett zu fürchten, etwas gutes Öl (Oliven- oder Sesamöl) darf auch dabei sein. Gemüse sollte gegart sein, nicht roh. Es erleichtert das Aufspalten, und Wenig- oder Seltenesser haben ein Energieproblem und sollten daher Heißes trinken und essen. Vor dem ständigen Gebrauch von Kartoffeln muss gewarnt werden. Sie dehydrieren und belasten daher auch die Nieren. Das können Menschen, die das Essen sowieso vergessen, auch nicht brauchen.
    Wenn Du ein Problem mit dem regelmäßigen Essen hast, muss das Essen besonders liebevoll gemacht und verlockend dargeboten sein. Wenn Du ein Problem mit fehlendem Sättigungsgefühl hast, muss die Portion von Anfang an klar definiert sein und auf einem Teller angeordnet sein. Da darf dann weder aus dem großen Salat-Topf gegessen werden noch vor dem Kühlschrank hier und da einzelne Bissen genommen werden. Ästhetische Zusammenstellung, Garnierung mit Feldsalat oder Rucola, ein kleiner Klecks Meerrettichsahne hier, einer mit Kaviarcreme dort: Das ist kein Luxus, sondern eine Hilfe.
    Alle Organe brauchen Nahrung. Eine verstopfte Gallenblase macht aggressiv, eine schwache Leber erzeugt ein Gefühl von Sinnlosigkeit und Trauer. Eine durch Hunger geschwächte Lunge erzeugt depressive Stimmungen, das durch Hunger geschwächte Herz erzeugt finstere Visionen. Durch zuviel oder zu wenig Trinken geschwäche Nieren erzeugen Angst.
    Um mit den Herausforderungen unseres besonderen Lebens klarzukommen, brauchen wir eine optimale Unterstützung, und was immer auch eine innere Stimme uns ins Ohr sagt, wir verdienen das.

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