Alexithymie

Leben mit Alexithymie ist ein bisschen wie alleine Wandern im Land der Gefühle. Und zwar ohne Karte und Kompass.
Wie viele andere Menschen im Autismus- Spektrum bin ich alexithym- also gefühlsblind.
Bei der Alexithymie (Gefühlsblindheit) handelt es sich nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um ein Persönlichkeitsmerkmal, das etwa 10% der Bevölkerung betrifft und in den letzten Jahren besonders verstärkt bei weiblichen Autisten bemerkt wurde.

Den Begriff Alexithymie prägte der amerikanische Psychiater Peter Sifneos in den 70er Jahren.
Er setzte ihn aus den griechischen Teilen a, lexis und thymos (»kein Wort für Gefühl«) zusammen.
In der Emotionsforschung wird dieses Phänomen als emotionales Analphabetentum oder Gefühlsblindheit bezeichnet. Allerdings muss man sagen, dass „Kein Wort für Gefühl“ viel treffender ist als „Gefühlsblindheit“
Vieles spricht dafür, dass in den Gehirnen von Menschen mit alexithymen Symptomen das limbische System nicht richtig mit dem präfrontalen Cortex vernetzt ist.
Betroffene empfinden zumeist weder Trauer noch Freude, was für das soziale Umfeld unter Umständen sehr schwer zu ertragen ist. Ebenso können Betroffene z.B. Gefühle von Hilflosigkeit und seelischem Schmerz nicht bei sich wahrnehmen oder beschreiben ihre Empfindungen lediglich als „schlecht drauf sein“.
Viele der Betroffenen (vor allem Frauen) verspüren überhaupt keine Gefühle sondern erleben anstelle dessen lediglich Missempfindungen oder Schmerzen im Körper.
Erschöpfung, chronische Schmerzen, Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems oder im Magen-Darm-Bereich werden besonders bei Frauen mit Alexithymie häufig beobachtet. Mein Körper zum Beispiel wandelt zum Beispiel seelische Probleme, die ich nicht identifizieren kann, sofort in Schmerzen um, und so sagt mir mein Schmerzmittelverbrauch oftmals mehr über meinen Gefühlszustand aus als ich zu der Frage:“ Wie geht es dir?“ sagen könnte

Als Persönlichkeitsmerkmal tritt die Alexithymie meist in der frühen Kindheit auf, bleibt über die Lebensdauer meist stabil und hat starken Einfluss auf das soziale Verhalten. Ein Mensch, der alexithyme Symptome aufweist, hat als Kind vermutlich nicht alle dafür notwendigen Entwicklungsschritte durchlaufen, was zumeist auf eine Fehlentwicklung oder Vernachlässigung der sozialen Interaktionen zwischen dem Kind und seiner Umgebung/ Primärfamilie zurück zu führen ist.
In diesem Fall spricht man von der primären Alexithymie.

Eine weiter Form ist die sekundäre Alexithymie, die häufig infolge von Traumata entsteht und im Gegensatz zur primären Alexithymie therapierbar ist.

Alexithyme Menschen sind nicht gefühllos, die Betroffenen haben lediglich weniger oder keinen Zugang zu ihren Gefühlen, grundsätzlich jedoch nicht weniger Gefühle als andere.
Körperlichen Reaktionen auf Gefühle werden von alexithymen Menschen häufig falsch verstanden beziehungsweise können nicht richtig eingeordnet werden, was zu Verwirrung führen kann. Weil Alexithyme ihre körperlichen Reaktionen auf Gefühle zwar nicht gut zuordnen, aber sehr wohl spüren können, wird von Alexithymen beispielsweise Herzrasen nicht als Signal von Angst, sondern als Symptom einer Herzerkrankung, und Grummeln im Bauch nicht als Nervosität, sondern eben als Bauchschmerz gedeutet.

In zahlreichen Studien wurden Zusammenhänge von Alexithymie mit psychischen Problemen wie Essstörungen, Drogenmissbrauch, Depressionen und Angststörungen nachweisen.

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2 Kommentare

  1. hm….. mir eröffnen sich da ein paar begriffswidersprüche.
    ich bin asperger autistin und habe mit den meisten diagnös’chen (im sinne von: begleiterscheinungen), die ich hier und häufig so höre zu tun oder kämpfen, je nach ausprägung. für manche kenne ich den namen nicht, bzw weiss noch nicht einmal, dass sie existieren. sodass ich mir dann erst gedanken und beobachtungen machen muss, ob es auf mich zutrifft. so auch hier.

    also, meine irritation:
    1. „kein wort für gefühl“, das IST MEIN riesen-hauptproblem. ich fühle, in farben, in formen, in der vierten dimension, in fraktalen, weiss der geier (RW)!! aber WORTE? stumpfe, schiefe krücken, an die meie arme nicht mal reichen, wenn ich sie brauche (sinnbildlich).
    im selben satz oben steht man habe also keine worte für gefühle, HABE SIE ABER, bzw SPÜRE SIE ABER.
    2. per definitionem aber dann weiter drunter:
    „Betroffene empfinden zumeist weder Trauer noch Freude, was für das soziale Umfeld unter Umständen sehr schwer zu ertragen ist. Ebenso können Betroffene z.B. Gefühle von Hilflosigkeit und seelischem Schmerz nicht bei sich wahrnehmen oder beschreiben ihre Empfindungen lediglich als “schlecht drauf sein”.
    Viele der Betroffenen (vor allem Frauen) verspüren überhaupt keine Gefühle sondern erleben anstelle dessen lediglich Missempfindungen oder Schmerzen im Körper.[…]“.

    für mich passen 1. und 2. nicht zusammen. kannst du mir erklären, wie sie es doch können? ich denke so lange einfach mal, dass „1.“ nicht die definition von alexithymie ist und sie deshalb auch auf mich nicht zutrifft. macht nix, ich hab ja noch genug andere diagnös’chen, an denen ich mich „erfreuen“ darf 😛 🙂

    liebe grüsse!

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  2. Das größte Problem, das mir die ( per Test selbstdiagnostizierte) Alexithymie bereitet, ist die häufige Unterstellung, das alles berühre mich nicht. Das ist vielleicht auch deshalb der Fall, weil die jahrzehntelange Praxis von buddhistischer Meditation mir eine äußerliche Ruhe verleiht, die aber lebensnotwendig ist, um nicht von den körperlichen Reaktionen überwältigt zu werden.
    Es wäre schon schön, wenn es sich herumspräche, dass emotionale Krisen sich nicht immer durch Heulkrämpfe und laute Szenen ausweisen müssen, sondern dass sie auch mit leisen Zusammenbrüchen einhergehen können.

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