MELTDOWN IST EIN ARSCHLOCH

Wenn es irgendwo im Körper- und nicht im Gehirn- eine Stelle gäbe, wo der „Schalter“ zum Meltdown liegt, würde ich mir auf der Stelle ein scharfes Messer nehmen, Kerzen anzünden und feierlich und genüsslich diesen Teil von mir rausschneiden und das würde mich mit absoluter, tiefster Befriedigung erfüllen. Ehrlich! Ich hasse Meltdown zutiefst. Wenn ich hier in diesem Blog darüber schreibe, dann kann ich eigentlich in Worten gar nicht auch nur annähernd ausdrücken, WIE SEHR ich diesen Teil in mir hasse, ablehne, verachte und wie gerne ich ihn aus mir rausreißen würde. Anzuerkennen, dass ich diesen Aspekt tief in mir beherberge und dass ich keine Gewähr dafür leisten kann, dass er nicht in irgendeiner Situation aus mir hervorbricht ist für mich eine der schwersten Aufgaben, die mir „mein“ Autismus stellt. Und ich werde mich NIEMALS IM LEBEN damit anfreunden können, einfach so zu tun, als wäre das okay .Denn SO will wirklich niemand sein. Kein Mensch. Es gibt einfach auf der Welt kein Loch im Boden, das auch nur annähernd tief genug ist um sich da hinein zu verkriechen und sich zu schämen, wenn man im Nachhinein so peu a peu realisiert, was man da schon wieder für eine Scheiße veranstaltet hat. (Ich bitte hier, die Wortwahl zu entschuldigen…normalerweise drück ich mich ja schon etwas gepflegter aus…aber das kann ich jetzt gerade nicht, während ich darüber schreibe.) Meltdown ist wirklich der treffendste Ausdruck für das, was da passiert. Es ist wirklich die „Kernschmelze im Kopf“. In dem Moment, in dem sich bei mir der Schalter umlegt, gibt es keine Melanie mehr, die halbwegs Verstand und Bildung hat. Nichts davon ist in diesen Momenten mehr übrig. Kurz bevor der Meltdown wie eine Lawine auf mich einbricht, kommt diese enorme Hitze, der riesige Kloß im Hals und das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Die Handinnenflächen und die Fußsohlen beginnen zu brennen wie unter tausenden von Nadelstichen und dann wird man förmlich überrollt und es gibt keine bewussten Meldungen mehr von Gehirn an Körper. Es gibt nur noch diesen wild gewordenen Leib, der agiert und von außen nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen ist. Und von innen ebenfalls nicht, solange ich nicht endlich alleine und in Ruhe gelassen werde. Das Gehirn bleibt während der ganzen Aktion komplett „außen vor“ und kommt eigentlich erst wieder nach der Shutdown- Phase so langsam einigermaßen in Gang. Vielleicht kann man das am ehesten mit einem epileptischen Anfall vergleichen, nur dass man sich nicht krampfend auf dem Boden windet, sondern Gift und Galle spuckend tobt wie ein Orkan. Derjenige, der sich im Meltdown befindet, kann sich ebenso wenig an Dauer und Einzelheiten des Ausbruchs erinnern wie ein Epileptiker an Dauer und Einzelheiten seines Anfalls. Ich denke, für neurotypische Menschen ist es unwahrscheinlich schwer, sich so etwas überhaupt vorstellen zu können da sie ja zum Vergleich meist nicht mehr haben als einen „schweren Wutanfall“, der jedoch von einem Meltdown meist Welten entfernt ist. Ein Meltdown ist zerstörerisch, vernichtend und hört einfach nicht auf, bevor man entweder allein gelassen wird und sich langsam wieder „runterschaukeln“ kann oder aber komplett in den Shutdown fällt, weil selbst das allerletzte Akku gnadenlos leergefahren ist . Schlimmstenfalls endet es damit, dass man körperlich zusammenbricht, weil man sich während des Meltdowns so verausgabt hat, dass gar nix mehr geht. Und dann findet man sich in der Notaufnahme wieder. Das ist mir bisher glücklicherweise im Laufe von fast 50 Jahren erst 3 Mal passiert, aber auch die anderen Meltdowns, die ich in früheren Jahren hatte, waren von so massiver zerstörerischer Energie, dass ich danach immer für etliche Tage komplett ausgeschaltet war.Ich habe auch keine Ahnung, woher diese enorme Kraft, die ich während des Meltdown habe, kommt. Noch Stunden nach einem Meltdown kann ich keinen Lichtschalter anfassen, ohne dass die Glühbirne platzt oder es eine Sicherung raushaut. Zu erkennen, wie viel Aggressionspotenzial in einem steckt, ist schon erschreckend und von daher bin ich auch sehr froh darüber, dass der Mensch als Solches nur einen geringen Teil seiner Kapazitäten nutzt- und zwar in jeder Beziehung. Seit ich über meinen Autismus Bescheid weiß und dieses Monster in mir einen Namen hat, nämlich Meltdown, kann ich adäquat daran arbeiten und bin dem nicht mehr hilflos ausgeliefert. Diese Möglichkeit hatte ich in den Jahrzehnten vor der Diagnose nicht und ich habe damit deshalb schon auf meinem Lebensweg für viel Betroffenheit und Entsetzen gesorgt. So hart es sich vielleicht anhören mag- wenn man zu der Gruppe der Autisten gehört, die eine starke Tendenz zum Meltdown haben, dann ist wirklich die einzig zuverlässige Methode dies zu umgehen, wenn man sich erst gar nicht in Situationen begibt, in denen einem so etwas passieren kann. Und dazu gehört eben auch eine entsprechende Dosierung der Interaktion mit anderen Menschen und das sofortige „Sich- entziehen“ aus Situationen, die Einem verhängnisvoll werden könnten. Früher dachte ich, ich müsste solche Situationen auch durchstehen können, weil der größte Teil der Menschen das eben kann. Seit dem Wissen um meinen Autismus und allem, was dazu gehört, lebe ich bewusst sehr zurück gezogen. Seitdem- also seit mehreren Jahren- ist es auch nicht mehr zu einem Meltdown gekommen, jedenfalls nicht zu einem Spektakulären. Wenn ich hier für mich alleine bin, komme ich überhaupt nicht mehr in so eine Situation, wo mir komplett die Sicherungen durchknallen und ich für nichts mehr garantieren kann, sondern ich gehe in den Shutdown und irgendwann rappel ich mich von selbst wieder auf- egal, ob nach Stunden, Tagen oder Wochen. So kommt jedenfalls keiner zu Schaden wie beim Meltdown- denn Meltdown ist einfach ein widerliches Arschloch, das die Welt nicht braucht.

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Warum guckst du so böse?

Ich glaube, eine der Fragen, die ich bisher in meinem Leben am Meisten bezüglich meiner Mimik gehört habe sobald ich in Interaktion mit anderen Menschen trete ist: „Warum guckst du so böse?“ Zur Familie dieser Frage gehören noch weiterhin Sätze wie- „Hab ich dir was getan?!“ „Bist du sauer?“ „Hast du irgendwas?!“ „Lach doch mal!“ -und Ähnliches. Jeder, der nur über eine reduzierte Mimik verfügt, kennt so etwas wahrscheinlich auch aus eigener Erfahrung. Nein- ich habe nichts. Ich bin weder böse, noch sauer oder sonst irgendwas. Ich gucke ganz einfach so. Das ist quasi „mein Gesicht“. Eigentlich bin ich höflich und habe gute Umgangsformen. Ich sage „Bitte“ und „Danke“, „Guten Appetit“ und „Gesundheit“ , halte für andere Leute mit die Türe auf und trage auch gerne mal den Omis aus der Nachbarschaft die Tasche nach Hause. Aber in der Interaktion mit Menschen passiert es mir auch sehr oft, dass ich aufgrund meines Gesichtsausdrucks für böse, arrogant, abweisend, überheblich, desinteressiert oder sonst irgendwas gehalten werde. Gut- ich gebe zu, ich bin nicht gerade ein Hedonist, der freudenstrahlend durchs Leben läuft und ständig jedermann mit guter Laune überschüttet, aber selbst dann, wenn ich innerlich völlig ausgeglichen bin und in Gedanken über meine mentale Blumenwiese hüpfe, wird diese Meldung offenbar nicht an meine Gesichtsmuskulatur weitergegeben und so kommt es immer wieder dazu, dass mein Gesichtsausdruck von meinen Mitmenschen vollkommen verkehrt eingeordnet wird. Meine Worte und Taten reichen in solchen Momenten offenbar für meine neurotypischen Mitmenschen als Nachweis für einen zufriedenen Gefühlszustand nicht aus- es fehlt wohl als wichtige Information das passende Gesicht. Ich für meinen Teil wäre echt froh, wenn die Menschen ein paar weniger Gesichtsausdrücke hätten. Das Deuten von Gesichtsausdrücken und Blicken ist für mich- wie für viele andere Autisten auch- ein Buch mit sieben Siegeln. Gut- ein paar besonders wichtige Gesichtsausdrücke und Blicke habe ich im Laufe der Jahre zu deuten gelernt. Zu erkennen, ob jemand sich freut, ist relativ einfach und ob jemand traurig ist oder Schmerzen hat auch. Ebenso Angst und ob jemand angestrengt nachdenkt (denn dann ist er meistens still). Vielleicht hab ich jetzt gerade noch einen oder zwei von den existenziellen Gesichtsausdrücken vergessen. Aber das war´s aber dann auch so ziemlich. Wenn es um irgendwelche Feinheiten im Blick geht, bin ich ziemlich schnell aus dem Rennen. Ob jemand nun neckisch, irritiert, gelangweilt oder sonst wie guckt, kann ich höchstens raten. So war bei mir auch der Augenpartietest jedes Mal eine absolute Katastrophe. Ab dem 3. oder 4. Bild konnte ich mich zwischen den ganzen Möglichkeiten überhaupt nicht mehr entscheiden, irgendwann sah alles gleich bekloppt aus, ich wusste gar nichts mehr und hab nur noch A genommen. Für mich funktioniert Kommunikation am besten mit klaren Ansagen. Dann weiß ich, worum es geht. Und möglichst ohne irgendwelches verwirrendes Drumherum wie Blicke, Mimiken und Bewegungen, die man noch deuten soll um zu verstehen, worum es geht. Das macht die Interaktion und Kommunikation mit den meisten Mitmenschen unheimlich kompliziert für mich. Ich denke, wenn einfach mehr Klartext gesprochen würde, gäbe es viel weniger Missverständnisse unter den Menschen . Und das wäre echt eine Erleichterung für all die Menschen, die es mit dem Deuten von Blicken und Erfassen von zwischen den Zeilen Gesprochenem nicht so drauf haben. Darauf braucht man aber vermutlich nicht hoffen, weil da draußen die neurotypischen Menschen ganz klar in der Überzahl sind, die diese verwirrende Art der Kommunikation beherrschen und für das Normalste der Welt halten. Und deshalb wie selbstverständlich davon ausgehen, dass alle anderen das auch tun. Am besten finde ich Schreiben. Wenn ich etwas lese, dann habe ich die größten Chancen, es auch richtig zu verstehen. Und kann so lange darüber nachdenken, wie ich will, bevor ich mich äußere. Aber im Alltag kommt man halt auch immer wieder zu persönlichem Kontakt mit Menschen und da ist man halt ganz klar im Nachteil, wenn man die „Sprache jenseits der Sprache“, die von den meisten anderen benutzt wird, nicht versteht und deshalb auch nicht benutzen kann. Ich habe immer wieder im Leben die Erfahrung gemacht, dass es bei der neurotypischen Welt als barsch, hart oder unfreundlich ankommt, wenn man diese Sprache und die ganzen Blicke und Mimiken nicht beherrscht, sondern einfach sagt, was man meint- ohne irgendein spezielles Gesicht dazu zu machen. Ich hatte zum Beispiel an der Arbeit (Altenpflege) das undankbare Amt der Hygienebeauftragten des Wohnbereichs. Und wir bekamen eine Praktikantin, die unter den Armen stank. In den kommenden Tagen kamen nach und nach alle möglichen Kollegen inklusive Stationsleitung auf mich zu und nervten, dass ich etwas unternehmen soll, weil ich ja Hygienebeauftrage war. Und jeder betonte, dass die Frau unter den Armen stank. Also bin ich zu der Frau gegangen, hab ihr Duschzeug, Deo, frische Arbeitsklamotten und meinen Schlüssel zum Umkleide- und Duschraum gegeben und hab gesagt:“ Hör mal zu, du stinkst unter den Armen. Geh dich mal bitte duschen!“ Ich dachte, das wäre der Auftrag gewesen. Am Ende vom Dienst musste ich zu einem „Gespräch“ zur Pflegedienstleitung, weil man „so was nicht sagen darf“ und „das anders verpacken muss“. Sowas habe ich einfach nicht drauf. Irgendwie sind das Diplomaten- Gen, das „nette Gesicht“ und die geheime Sprache, in der man Dinge sagt, ohne sie beim Namen zu nennen bei mir nicht angelegt. Das macht die Kommunikation und Interaktion mit anderen oft sehr schwer und sorgt immer wieder für Mißverständnisse und Probleme im Umgang mit den Mitmenschen. Wir bedienen uns der gleichen Worte- aber wir sprechen nicht wirklich die gleiche Sprache. Also- es bleibt schwierig …

AUS, AUS, AUS…!!! …ZU,ZU, ZU…!!! (über Zwang)

Zwanghaft zu sein, ist einfach nur ätzend, nervig und gehört zu den Dingen, die wirklich kein Mensch braucht. Aber da der liebe Gott nen großen Zoo hat und bei der Schöpfung auch nicht mit Spezial- Effekten gegeizt hat, gibt es eben auch so was. Und zwar gar nicht so selten. Man geht davon aus, dass etwa 2% der Bevölkerung von Zwangsstörungen betroffen sind. Ich würde aber mal behaupten, es sind bestimmt mehr als 2%.
Wie alle anderen Persönlichkeitsstörungen auch sind Zwangsstörungen im Kern Störungen des Aufbaus eines stabilen Selbstbildes. Das kann nur durch regelmäßige und stabile soziale Interaktion aufgebaut werden. Somit ist es also nicht gerade ein Wunder, dass viele Menschen aus dem Autismus- Spektrum von Zwangsstörungen als Komorbidität betroffen sind.
In einer Zeit, in der sich noch niemand mit Asperger auskannte und niemand einem den Grund für das ANDERS sein erklären konnte, war es (jedenfalls für mich) nicht wirklich möglich, ein stabiles Selbstbild zu entwickeln.
Wenn ich mich selber gemacht hätte, wäre ich ganz sicher nicht zwanghaft- so viel steht fest, denn Zwangsstörungen sind nervenaufreibend und unwahrscheinlich zeitraubend. Je nachdem, wie stark der Zwang gerade ausgeprägt ist, kann es wirklich dazu führen, dass der komplette Tagesablauf zusammenbricht und dass man durch den Zwang nicht mehr in der Lage ist, ein halbwegs normales Leben zu führen.
Wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, dann möchte ich wirklich nicht wissen, wie viel Lebenszeit ich mit dem Ausführen von mehr oder weniger sinnlosen Zwangshandlungen verbracht habe. Das Schlimme daran ist, dass einem selbst völlig klar ist, wie unsinnig die Zwangshandlungen sind, man jedoch nicht davon ablassen kann, sie auszuführen.
Meine Zwanghaftigkeit begleitet mich eigentlich schon seit der Kindheit- oder ich sage mal besser so, die Grenzen zwischen Ritual und Zwang sind bei mir schon immer fließend. Ich habe viele ritualisierte Handlungsweisen, die von außen betrachtet wahrscheinlich wie Zwangshandlungen wirken, für mich aber eben völlig normal sind und die ich auch brauche, damit es sich für mich richtig anfühlt. Das sind Handlungen, die ich nicht als belastend empfinde, und die einfach dazugehören, wie zum Beispiel das 3 malige Kontrollieren aller Zimmer, wenn ich rausgeh und das laute Aufsagen von AUS! AUS! AUS! bei allem, was ich ausmache und ZU! ZU! ZU! bei allem, was ich zumache. Für manche Menschen ist das wohl schon Zwang. Für mich ist es Ritual. Zwanghafte Phasen sehen bei mir ganz anders aus.
Schon als Kind mussten bei mir die Kuscheltiere immer wie die Soldaten in einer bestimmten Reihenfolge auf dem Bett sitzen, Handlungen mussten immer in genau der gleichen Reihenfolge erledigt werden und wenn irgendetwas meine Ordnung zerstörte, rastete ich für gewöhnlich komplett aus. Wenn ich es tatsächlich mal zuließ, dass meine Mutter mit mir spielte, dann musste sie mit mir und meinen Puppen immer genau das gleiche Szenario spielen, mit immer wieder exakt der gleichen Handlung und dem gleichen Text. Minimalste Abweichungen brachten mich derart aus der Fassung, dass ich entweder anfing zu heulen oder zu toben- meist das Letztere.
Um mich dann wieder einigermaßen zu beruhigen, ordnete ich stundenlang die Dinge in meinem Zimmer. Ich fing an, Markierungen auf die Regalböden zu machen, auf denen ganz exakt Puppen, Teddys und Co zu stehen hatten.
Irgendwann bekam ich ein Jugendzimmer und fing an, die Schränke zu kontrollieren, ob da alles „ in Ordnung ist“, bevor ich ins Bett ging. Obwohl ich genau wusste, dass da nicht irgendjemand oder irgendwas in den Schränken lauerte, musste ich immer wieder die Schranktüren in einer bestimmten Reihenfolge öffnen, um zu sehen, dass da wirklich alles „in Ordnung“ war. Das uferte derart aus, dass ich abends mindesten ne Stunde damit beschäftigt war, immer wieder die Schranktüren aufzumachen, reinzusehen und wieder zuzumachen. Immer wieder und wieder. Wenn ich im Bett lag, konnte ich oft ewig lange nicht einschlafen und hatte erst Ruhe, wenn ich noch ein paar Mal aufgestanden war und erneut alles kontrolliert hatte.
Dann kriegte ich nen Wohnungsschlüssel, weil meine Mutter wieder arbeiten ging. Mit dem Schlüssel kam die Verantwortung, dass in der Wohnung alles „in Ordnung“ war und die Katze nicht abhaute, wenn man raus ging.
Ich habe Stunden meines Lebens damit verbracht, die Wohnungstür abzuschließen, an dem Griff zu rütteln wie eine Irre um zu überprüfen, ob die Türe auch WIRKLICH zu ist, nur um sie gleich darauf wieder aufzuschließen, um zu überprüfen, ob die Katze auch WIRKLICH noch in der Wohnung ist. Erschwerend kam nach einiger Zeit hinzu, dass der Schlüssel beim Rumdrehen immer ein bestimmtes Geräusch machen musste, damit es für mich als richtig und „in Ordnung“ durchging. Irgendwie war mir zwar bereits damals klar, dass diese Kontroll- Exzesse alles andere als normal waren, was jedoch nichts an der Tatsache änderte, dass ich diese Handlungen wieder und wieder ausführen musste. Je nach Tagesverfassung unterschiedlich oft.
Damals hatte ich noch nicht die geringste Ahnung davon, wie sehr meine Zwanghaftigkeit mit meiner seelischen Stabilität zusammenhängt. Mein einziges Interesse war eigentlich, dass niemand etwas von meinen Zwängen mitbekam. Im Grunde genommen wusste ich damals noch gar nichts über den Menschen, der mich da aus dem Spiegel anschaut. Den habe ich erst viel später kennen gelernt und habe selbst heute noch viel über mich zu lernen. Damals wusste ich einfach nicht darüber Bescheid, was das zu bedeuten hatte, was ich da tat und dass es wohl besser wäre, wenn niemand was davon mitbekommen würde. Denn aufgrund der Tatsache, dass ich in meinem Elternhaus durch mein Verhalten sowieso ständig für Palaver sorgte, hatte ich von meinen Eltern auch schon oft genug Vorträge darüber gehört, wo „so was wie ich“ eigentlich hingehört, wobei besonders gerne (der Zeit entsprechend eben) die Ausdrücke „Irrenhaus, Klapsmühle, und Anstalt“ benutzt wurden.
Und da ich vor meinem geistigen Auge immer das Bild meines Cousins Klaus  hatte, das in der hintersten Wohnzimmerecke meiner Tante hing und diesen verstrubbelten Jungen zeigte, der an den Handgelenken fixiert war und von dem ich wusste, dass er in einer „Anstalt“ lebt, hatte ich irgendwie panische Angst davor, auch dorthin zu kommen, auch wenn das Irrenhaus- Gerede meiner Eltern immer nur aus der Wut über mein Verhalten resultiere und kein ernstgemeinter Plan von ihnen war.
Irgendwann gegen Ende der Pubertät ließ dann die Zwanghaftigkeit von selbst ein bisschen nach und kam über Jahre nur in Zeiten zum Vorschein, in denen in meinem Leben wirklich einschneidende Erlebnisse geschahen. Natürlich habe ich damals wie heute schon alle möglichen ritualisierten Handlungen betrieben. Aber wie gesagt- der Unterschied zwischen solchen Handlungen und Zwangshandlungen besteht darin, dass diese ritualisierten Handlungen sich „gut anfühlen“ und auch nur bestimmt oft wiederholt werden. Und das ist bei mir eben 3 mal.
Irgendwann im jungen Erwachsenenalter fing ich dann an, mit Methyphenidat (Ritalin) und Amphetamin, das damals an jeder Ecke angeboten wurde, herum zu experimentieren. Zunächst war ich davon total begeistert, weil ich unglaublich produktiv und kreativ war, ständig malte, schrieb und in jeder Arbeit völlig versinken konnte. Alle Umstände, die mich sonst zwangen, eine Arbeit zu unterbrechen (essen, schlafen usw.) waren wie ausgeschaltet und ich hatte dadurch die Möglichkeit, mich über lange Zeiträume so intensiv mit einer Sache zu  befassen wie nie zuvor. Was ich allerdings nicht so richtig merkte war, dass ich 1. beim Herunterkommen von diesen Substanzen immer in einer gereizten bis aggressiven Stimmung war und dass sich 2. meine Zwanghaftigkeit wieder einschlich. Mein Fokus war zu der Zeit einzig und allein auf die vordergründig positiven Eigenschaften der Substanzen ausgerichtet. Alles andere konnte oder wollte ich damals nicht sehen. Ich wollte nur produktiv sein und schaffen- von mir aus rund um die Uhr. Und dabei möglichst in Ruhe gelassen werden. Wurde ich angesprochen und aus meinem Film gerissen, explodierte ich förmlich. Ich habe zwar schon mein ganzes Leben die Tendenz zu aggressivem, impulsiven Verhalten, aber unter Einfluss von Amphetamin und später von Ritalin war ich so was wie eine Zeitbombe, die jeden Moment explodieren konnte. Daneben standen auch die Zwanghaftigkeiten wieder in voller Blüte und konnten nicht mehr von mir vor mir selbst weggelogen werden. Aufgrund des hohen Suchtpotenzials hat es jedoch sehr lange gedauert, bis ich diese Phase in meinem Leben hinter mir gelassen habe und dadurch auch die Zwanghaftigkeit auf ein erträgliches Maß absank.
Je mehr ich im Laufe meines Lebens Klarheit über mich selber bekommen habe und mich mit mir selbst auseinander setze, umso klarer sehe ich, dass die zwanghaften Phasen in meinem Leben immer dann vorherrschten, wenn ich den Boden unter den Füßen verloren habe und im Grund wohl nichts anderes sind, als ein Schrei nach Sicherheit in dieser Welt, in diesem Leben, in dem ganzen Chaos da draußen.
Im Laufe eines von Zwangshandlungen begleiteten Lebens hat man unterschiedliche Möglichkeiten, damit umzugehen. Man kann zum Beispiel aus dem Fenster springen, weil man es einfach nicht mehr aushält. Man kann es aber auch lassen. Man kann sich vom Zwang total beherrschen lassen…oder man lässt es bleiben. Es besteht nämlich auch die Möglichkeit, sich mit seinen Zwängen so zu arrangieren, dass sie nicht die meiste Zeit des Lebens fressen sondern in Schranken bleiben, in die man sie verweist und wo sie auch hingehören..
Das erfordert aber aktives Arbeiten an sich selbst. Und das Erkennen seiner selbst. In den Spiegel zu gucken und sich zu sagen „Ja- ich bin das- ICH BIN“, und mich so anzunehmen wie ich bin ist für mich viel leichter geworden, seit ich über mein Anders- Sein Bescheid weiß. Seit ich weiß, warum ich nicht so sein kann wie die meisten anderen und dass das okay ist, ist ein großer Druck von mir gefallen. Und im Laufe der Zeit hab ich für mich persönlich auch gute Strategien entwickelt, wie ich meinen Zwang im Keim ersticken kann- ihm sozusagen „das Maul stopfe“.
Es erfüllt mich zum Beispiel mit großer Befriedigung, wenn ich- nachdem ich das Haus verlassen habe- unten auf dem Bürgersteig stehe und mir auf der Kamera die Bilder, die ich eben zuvor von den ausgeschalteten Sicherungen, dem brandfrei deponierten Aschenbecher und der abgeschlossenen Wohnungstüre gemacht habe, ansehe. Mit so etwas zeige ich meiner Zwanghaftigkeit, wer hier heutzutage zu sagen hat.
Die zwanghaften Teile in meiner Persönlichkeit werden wohl immer irgendwie da sein und in mir schlummern. Schon alleine deshalb, weil mein großes Bedürfnis nach ritualisierten Handlungen im Grunde so was ähnliches ist wie die „kleine nette Schwester“ vom Zwang.
Aber ich habe heutzutage durch mein Wissen und meine Erfahrungen die Möglichkeit, ganz anders mit dem Thema Zwang umzugehen und es gar nicht erst dazu kommen zu lassen, dass Zwänge ausarten.
Und das fühlt sich gut an.

Spezialinteressen der Frau Anders

Oh ja, die lieben Spezialinteressen. Die wechseln bei mir irgendwie stetig. Ich arbeite mich solange in ein Thema ein bis ich fast alles weiß und dann wird es mir schrecklich langweilig damit. Um mich mal an frühere  und längst vergessene Spezialinteressen zu erinnern, versuche ich mal ein paar hier aufzuschreiben.

Ich habe schon immer gerne gelesen. Selbst als kleines Kind das noch nicht lesen konnte. Phantasiewelten waren schon immer meine. Ich las gerne Geschichten, Bücher und sog alles Geschriebene was ich in die Finger bekam förmlich auf. Ich bin als kleines Kind trotz Ostzeiten mit Mickey Mouse und Donald Duck sozialisiert worden. Mein Vater war damals Lehrer und mußte den Schülern die heimlich mitgebrachten Hefte abnehmen. Naja und die bekam dann halt ich 😉 Ich hab die Dinger geliebt. Ich weiß wirklich alles über Entenhausen und kenne jedes lustige Taschenbuch bis heute komplett auswendig.

Als kleines Mädchen liebte ich natürlich auch Tiere. Insbesondere liebte ich Hunde und Pferde. Ich lernte schon früh alles über verschiedene Pferderassen, las mich in medizinisches Fachwissen ein und was weiß ich nicht noch alles. Natürlich konnte ich damals auch perfekt Pferde zeichnen, was ich fast täglich machte. Ich machte sämtliche Reitausbildungen in sämtlichen Klassen mit und habe viele Jahre lang intensiv Springreiten betrieben weil mir das am meisten Spaß gemacht hat. Ich gewann die dollsten Turniere, hatte irgendwann ein eigenes Pflegepferd usw. Irgendwann verlor ich dann mein „eigenes“ Pferd und trat notgedrungen in einen neuen Verein ein, in dem ich mit all diesen pferdebegeisterten Mädchen die sich permanent miteinander messen mußten nicht klarkam. Das war die Hölle für mich. Also hörte ich irgendwann komplett mit allem was Pferde angeht auf und saß seither nie wieder auf einem Pferd, was ich bis heute sehr bedaure.

Autos waren auch mal mein Spezialinteresse als kleines Mädchen. Ich kannte wirklich jedes Auto und habe sogar als ganz kleiner Stöpsel mit meinem Vater unter unserem Auto gelegen und geschraubt. Ich habe Matchbox gesammelt, mein Zimmer hing voller Autoposter und ich habe geübt Autos am Geräusch identifizieren zu können. Wer mich heute kennt würde das kaum glauben, denn Autos interessieren mich jetzt nur noch zum fahren und alles was Autos angeht ist inzwischen Spezialsache meines Mannes.

Neben den genannten Sachen ist natürlich auch Fußball meine große Liebe gewesen. Ich sammelte alles von meiner Mannschaft, ging zu jedem Spiel ins Stadion, reiste zu Auswärtsspielen und fing an auch selber irgendwann begeistert Fußball zu spielen. Leider war ich nicht besonders gut und da waren ja wieder all die anderen Mädels in der Mannschaft die nicht so cool waren wie ich es erwartet hätte daß ich auch damit irgendwann frustriert aufhörte. Heute bin ich immer noch für Fußball zu begeistern, ich pflege dieses Hobby allerdings nicht mehr besonders intensiv mangels Zeit.

Was gab es denn da noch? Ich interessierte mich schon immer für Schmetterlinge, Käfer und Vögel. Ständig sah man mich mit meinem Bestimmungsbuch rumrennen. Irgendwann wurden aus den Tieren Pflanzen und auch da war ich als Kind ständig unterwegs irgendwas zu bestimmen.

In meiner Pubertät beschäftigte ich mich dann stark mit Religionen und speziell auch dem Satanismus und dem Wiccakult. Alles okkulte faszinierte mich extrem und auch da verschlang ich alles was ich darüber zu lesen bekam. Ich fühlte mich zwischen allen Weltanschauungen stehend und las wirklich alles vom Paranormalem bis hin zur hexenmäßigen Heilkunde. Ich lernte alles über Rituale, Wildkräuter, Heilkunde usw. Letzteres ging dann zusammen mit meinem bisher angehäuftem Wissen über Pflanzen soweit daß ich sogar ein möglichst schlau aufgebautes Lexikon geschrieben habe über Kräuter und deren Anwendung bei verschiedensten Erkrankungen. Auch heute hege ich noch eine große Liebe zum Thema Medizin und lerne alles was man darüber nur lernen kann. Ich bin nur inzwischen wenig „esoterisch“ drauf und deutlich bodenständiger. Ich wäre glaub ich ein toller Mediziner mit einem umfassenden Wissen geworden. Ich ärgere mich noch heute darüber daß ich mir mein Medizinstudium hab ausreden lassen und heute wär mir ein Studium zuviel unbezahlte Leerlaufzeit mit Dingen die ich eh schon weiß. Arzt wollte ich allerdings arbeitstechnisch eh nie sein. Ich wollte wirklich nur das Wissen anhäufen und für mich nutzen. Insofern geht das schon okay. Das kann man ja auch ohne Studium tun und so das Feld ist so groß, daß ich es auch heute noch fleißig tue.

Musik war eigentlich schon immer meine Leidenschaft. Hören wie auch selber machen. Ich vergötterte damals gewisse Bands, ich lernte alles über die Musik die mir gefiel auswendig und versuchte mich auch immer wieder darin die verschiedensten Instrumente zu spielen. Ich habe ein Faible für außergewöhnliche Instrumente und lernte neben Gitarre, Bass und Geige alles was auch nur ansatzweise irgendwie verrückt klang. Inzwischen kann ich etliche Instrumente grundlegend spielen aber keines so richtig. Ich war einfach zu schlecht oder verlor zu schnell das Interesse sobald ich es einigermaßen konnte. Oft fragte ich mich auch, wozu ich das eigentlich lernen sollte. Wir reden hier übrigens von weit über 20 Instrumenten.  Durch meine Liebe ganz besonders zum Irish Folk versuchte ich irgendwann Gälisch zu lernen.

Damit geht es weiter zum Thema Sprachen. Ich muß sie aufzählen um zu wissen wieviele ich mal beherrschte und mir selber angeeignet habe. Das waren neben Deutsch und als norddeutscher natürlich Plattdütsch die Fremdsprachen Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Italienisch, Schwedisch, Griechisch, Arabisch, Latein und bestimmt noch welche die ich vergessen habe. Das natürlich alles inclusive den verschiedenen Dialekten und so. Inzwischen bringe ich sie durch den mangelnden Abruf im Alltag alle komplett durcheinander und habe daher aufgehört es überhaupt zu probieren außerhalb von Englisch. Aber ich könnte sie sicher schnell wieder abrufbar machen, falls es nötig sein sollte.

Ich kann einfach alles supergut und schnell auswendig lernen. Das fliegt mir förmlich zu ohne daß ich mich besonders anstrengen müßte. Gedichte, Liedtexte, Geschichten oder was auch immer. Oft lernte ich die klassischen und berühmten Balladen gleich mal in meinen ganzen Sprachen weil ich es cool fand es einfach nur zu können. Ich hab mal den kompletten Faust auswendig gelernt. Einfach nur so. Ich glaub den kann ich heute sogar noch abrufen. Aber wehe ich will mich mal an meinen vergessenen Einkaufszettel erinnern. Daran scheitere ich kläglich.

Ich habe mich dann auch schon immer sehr für Kunst und Architektur interessiert. Ich war in der Schule im Kunst Leistungskurs und war dort voll in meinem Element. Ich wollte am liebsten Kunst und Architektur studieren und hab keine Ahnung mehr warum das damals als es soweit war keine Option mehr war. Zeichnen kann ich glaub ich halbwegs gut, aber die theoretischen Dinge sind einfach mehr die meinen gewesen.

Tja, was gibts noch. Jonglage und Zirkus. Ich habe einige Jahre die Sommer in einem Behindertenfreizeitverein gearbeitet, der einen richtigen Zirkus betrieb. Ich wohnte mehrere Sommer in einem Zirkuswagen und lernte vor allem jonglieren. Speziell die Feuerjonglage ist mein geliebtes Steckenpferd. Ich liebe das Zirkusleben, ich liebe Feuer und genausosehr liebe ich Mittelaltermärkte und Co. Ich bin mal einige Jahre mit einem Slawenmarkt mitgezogen. Ich habe viele alte Handwerkstechniken gelernt und habe dort zB. Filzkram und Bändchenweberei angeboten. Ja, Handwerkstechniken sind ein weiteres Interessengebiet von mir. Ich komme ja aus einer Selbermachfamilie. Das wurde zum Glück dann auch in meiner Ausbildung als Ergotherapeutin sehr gefördert. Ich liebe spinnen, weben, töpfern und Körbe flechten und lerne alles was mir noch so in die Finger kommt. Hauptsache es ist außergewöhnlich genug. All das fällt mir einfach so zu. Ich bin unwahrscheinlich kreativ und lerne handwerkliches superschnell. Ich sauge jede noch so neue Handwerkstechnik in mich auf. Auch heute noch. Aktuell arbeite ich mich in das Thema Reetdachdecken, Fachwerk und Lehmofenbau ein. Das kann aber morgen schon wieder ganz anders sein…

Aber ein Spezialinteresse war schon immer da und wird wohl auch auf ewig bleiben: der Mensch mit seinem Innenleben, psychisch wie physisch sowie Interaktion zwischen Menschen.

Über Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis

Über den Erwerb und Konsum von Cannabis zu schreiben, ist natürlich hier bei uns in Deutschland- alleine schon aufgrund der Gesetzeslage- so eine Sache für sich, vor allem, wenn man in einem Gemeinschaftsblog schreibt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ganz ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei meinem Beitrag einzig und alleine um meine persönliche Ansicht und meine Erfahrungen handelt. Da ich nicht weiß, wer diesen Blog so alles liest betone ich auch ganz ausdrücklich, dass ich bei meinen Schilderungen nicht von irgendwelchen illegalen Handlungen spreche, sondern über den legalen Erwerb und Konsum von Medizinal-Cannabis aus der Apotheke. Davon abgesehen betone ich hier auch ganz klar, dass ich niemanden zum Cannabis- Konsum animieren möchte. Jeder weiß selbst am Besten, was gut für ihn ist. Ich schildere lediglich meine Sichtweise. Außerdem möchte ich diesen Blogbeitrag nutzen, um auf die großen Leistungen der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin hinzuweisen, die stark an der Aufklärung über Medizinal- Cannabis arbeiten und auch im Internet die Anträge als Download zur Verfügung stellen. Und nicht zuletzt will ich auch ein bisschen mit den Märchen aufzuräumen, die sich um das                           Thema „ Sondergenehmigung für Medizinal-Cannabis“ ranken. Dehalb schildere ich hier, wie das Antragsverfahren und der Verkehr mit Medizinal- Cannabis tatsächlich abläuft. Ich persönlich denke, dass der intelligente übergeordnete Schöpfer sich sicher schon etwas dabei gedacht hat, als er diese einzigartige Pflanze schuf. Und in meinem Weltbild steht der intelligente übergeordnete Schöpfer schon „ein bisschen“ höher als die Pharma- Industrie. „Tja. Aber Pech, wenn man in Deutschland lebt“,…. denken die Meisten und schlucken weiter Pillen. Ich möchte echt nicht wissen, wie viele Medikamente ich in meinem Leben schon geschluckt hab. Ich habe zwar schon sehr früh gemerkt, dass Pillen meisten bei mir entweder gar nicht, oder völlig anders wirken, als sie sollen. Aber was anderes als Pillen kriegt man halt für gewöhnlich nicht vom Doc. Da ich schon in jungen Jahren angefangen hab, allen seelischen Müll zu somatisieren und außerdem jetzt allmählich in das Alter komme, wo „der Lack abgeht“ (48), habe ich halt seit Jahren chronisches Schmerzsyndrom (Fibromyalgie). Irgendwelche Schmerzen habe ich eigentlich fast immer – vor allem Rücken und Gelenke. Ob die jetzt psychosomatischer Natur sind, oder ob es sich um Verschleißerscheinungen aufgrund von ALT handelt, spielt dabei eigentlich nicht wirklich ne Rolle. Egal, woher die Schmerzen rühren, sie sind nun mal da. Im letzten Jahr war ich (damals mit 47) auf einem Level, auf dem ich jeden Tag IBUS und Novamin geschluckt habe bis zum Abwinken, außerdem hatte ich wegen Depris Höchstdosis Laif 900 und Opipram. Eines Tages saß ich im Wartezimmer meines Arztes und kam mit einem Mann, der neben mir saß, ins Gespräch. Wir fingen an, uns über unsere Gebrechen zu unterhalten und er erzählte mir, dass er eine ärztlich begleitete Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis zur Linderung seiner Schmerzen und seiner Tic- Störungen machte. Er war völlig begeistert und riet mir, ebenfalls einen Antrag zu stellen. Zuhause habe ich dann lange darüber nachgedacht. Natürlich hatte ich auch schon davon gehört, dass es die Möglichkeit einer Sondergenehmigung gibt, aber ich dachte eigentlich, dass nur Schwerstkranke (z.B. Krebs oder so) eine solche Genehmigung bekommen würden. In den nächsten Tagen schwirrte mir das Gespräch mit dem Mann aber immer wieder im Kopf herum und ich beschloss, es einfach mal zu probieren- bzw. mal mit meinem Arzt darüber zu sprechen. Ich habe mir dann im Internet auf http://www.cannabis-med.org/german/bfarm_hilfe.pdf das 30- seitige PDF der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin heruntergeladen. Darin sind unter Anderem beinhaltet: Formular für den Antrag, Vorschläge für den Arztbrief, Erklärung für Arzt und Apotheke und jede Menge Info rund ums Thema. Dann habe ich mit Unterstützung meines Arztes einen Antrag gestellt. Im Vorfeld habe ich schon eine Weile herum überlegt, weil es mir schon irgendwie ein bisschen „peinlich“ (oder zumindest so etwas in der Art- ich kann das Gefühl nicht genau benennen)war, den Arzt überhaupt darauf anzusprechen. Der war jedoch sehr aufgeschlossen und ich war ja auch nicht der erste Patient, der diesen Antrag gestellt hat. In dem Arztbrief lag der Schwerpunkt auf den Schmerzen. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass sich meine früheren Erfahrungen mit Cannabis immer positiv auf meine Depressionen und meine Zwanghaftigkeit ausgewirkt haben. Das ich ASS hab, wurde zwar auch erwähnt, aber darauf lag nicht die Betonung. Aber da sowohl viele Menschen aus dem Spektrum als auch viele HSP die Neigung zum Somatisieren haben, gehe ich mal davon aus, dass (vor allem bei den Älteren) viele Asperger und HSP von Schmerzstörungen betroffen sind. In dem Arztbrief wurden noch sämtliche Schmerzmittel , die der Arzt in den letzten Jahren verschrieben hatte aufgelistet, plus das Zeug, was ich mir selbst besorgt habe- z.B. Tilidin Trofen. Dann wurde noch darauf hingewiesen, dass die dauerhafte Einnahme von Medikamenten zu Magenschleimhautentzündung führt und dass ich regelmäßig Magenschmerzen von den Medikamenten habe. In dem Arztbrief wird außerdem noch die Einzeldosis und der Wochen/ Monatsbedarf festgelegt. Außerdem muss man sich noch eine Zuliefer- Apotheke suchen. Dafür reicht es meistens, einfach den Arzt zu fragen. Der weiß in der Regel eine entsprechende Apotheke. Bei den Antragsformularen ist auch ein Formular dabei, das von der Zulieferer- Apotheke ausgefüllt werden muss. Ferner muss man eine schriftliche Erklärung verfassen, in der man erklärt, wie man zuhause das Cannabis vor unbefugtem Zugriff schützt . Die Antragsgebühr beträgt 70 Euro. Ist man finanziell nicht so betucht, kann man einen formlosen Antrag auf Erlass der Gebühren stellen, wenn man seine Einkünfte offen legt. Etwa 5 Wochen später kam ein Brief von der Bundesopiumstelle. Man teilte mir mit, dass ich eine Genehmigung erst dann erhalten könne, wenn ich zuvor einen formlosen Antrag bei der Krankenkasse gestellt hätte, in dem ich um die Kostenübernahme für das Medikament DRONABINOL bitte. (Diesen Antrag kann jeder Schmerzpatient ganz formlos stellen, aber die Krankenkassen lehnen in der Regel die Kostenübernehme ab). Das hab ich dann auch getan und den Antrag gleich persönlich bei einem Kundenberater der Krankenkasse abgegeben, der ihn in meinem Beisein an die zuständige Abteilung gefaxt hat. Nach kurzer Zeit (ca. 2 Wochen) kam dann auch die Ablehnung der Krankenkasse- sogar mit nem Bericht vom MDK. Ich habe dann das Ablehnungsschreiben (ohne den MDK- Bericht- der wird nicht benötigt) an die Bundesopiumstelle geschickt und 3 oder 4 Wochen später kam meine Erlaubnis. Für mich war das irgendwie schon so ein bisschen ein historischer bedeutsamer Tag. Auf dem Weg zur Apotheke mußte ich immer wieder an Wolf Biermann denken, der vor über 20 Jahren mal gesagt hatte, er würde nicht mehr aus dem Haus gehen, bis Cannabis in Deutschland legalisiert sei. Hihi. Weit entfernt sind wir jedenfalls nicht mehr davon. Dass man Medizinal- Cannabis auf Rezept bekommt, stimmt übrigens nicht. Man erhält von der Bundesopiumstelle eine Erlaubnisurkunde und bekommt den Arztbrief mitgeschickt, in dem die Dosierung und die empfohlene Wochen/ Monatsration steht. In der Regel sind das 5 Gramm pro Woche- also eine Dose. Damit geht man in die Apotheke, wo beide Dokumente kopiert werden und man ein BTM- Kundenkonto angelegt bekommt. Beim ersten Mal dauert es in der Apotkeke ziemlich lange, bis das Kundenkonto angelegt und so. Apotheken sind ja auch so ne Welt für sich. Vor allem, wenn man Betäubungsmittel will. Das ist- zumindest in meiner Apotheke Chefsache. Der Chef muss auch immer den Lieferschein für mich gegenzeichnen. Und ich muss auch die Lieferscheine alle zuhause abheften. Ein Töpfchen Cannabis enthält 5 Gramm und kostet derzeit in Deutschland 83 Euro, im Moment wird aber daran gearbeitet, dass der Preis (möglicherweise schon in diesem Jahr) sinkt. Derzeit stehen in Deutschland 4 verschiedene Sorten Cannabis in der Erlaubnis, und zwar die Sorten a) Bedrocan – THC- Gehalt ca 18%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 1% b) Bedica – THC- Gehalt ca14%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 1% c) Bedrobinol- THC- Gehalt ca11%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 1% d) Bediol – THC- Gehalt ca 6%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 7,5% Bei der Antragsstellung werden im Arztbrief immer alle 4 Sorten angekreuzt, da es aus Holland derzeit nur 2 Vertragsplantagen gibt und es so in seltenen Fällen zu Lieferschwierigkeiten kommt. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass zumeist von den Apotheken die Sorte Bedrocan bestellt wird, und zwar wegen des hohen THC- Gehalts, den natürlich die meisten Schmerzpatienten besonders zu schätzen wissen. Außerdem ist die Sorte Bedrocan besonders ertragreich und wird deshalb zu guten Konditionen angeboten. Darüber freuen sich natürlich dann die Apotheker. Kann man ja schon verstehen…die wollen ja auch daran verdienen. Ich bin mit der Sorte Bedrocan absolut zufrieden. Seit ich die ärztlich betreute Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis mache, geht es mir besser als irgendwann anders in den letzten 20 Jahren. Weniger Schmerzen, weniger Depris, weniger Zwanghaftigkeit. An manchen Tagen geht’s mir sogar so gut, dass ich irgendwann nachmittags feststelle, dass ich ja noch gar nicht die Antidepressiva von morgens genommen habe. Und mein Schmerzmittelverbrauch ist durch die Therapie auf ein Minimum gesunken (zumindest im Vergleich zu vorher). Aus meiner Sicht betrachtet ist auf jeden Fall was Wahres dran an dem Spruch:“ Am Morgen ein Joint, und der Tag ist dein Freund.“ Aber das heißt nicht, dass es bei Anderen auch so sein muss- wie gesagt, ich schildere einfach nur meine Erfahrungen, sonst nix. Zu erwähnen gäbe es vielleicht noch, dass man während einer ärztlich betreuten Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabisblüten nicht den Arzt wechseln darf. Das steht ausdrücklich so in der Erlaubnisurkunde. In dem Moment, wo man seinen Arzt wechselt, erlischt automatisch die Erlaubnis. Außerdem muss man zusammen mit seinem Arzt halbjährlich Rückmeldung an die Bundesopiumstelle geben, ob die Therapie weiter andauert( das Formular schicken die Einem zu).  Die Bundesopiumstelle weist ausdrücklich darauf hin, dass von dort aus nicht die Polizei über eine Sondererlaubnis unterrichtet wird. Das muss man selber tun, wenn man es für nötig hält (wenn man z.B. Angst hat, dass irgendjemand die Polizei benachrichtigt, wenn es nach Gras riecht oder so). Dann sollte man auch nicht vergessen, dass man unter Einfluss von Cannabis nicht am Kraftverkehr teilnehmen darf und dass Cannabis- auch wenn es als Medizin eingesetzt wird die Substanz ist, die sowohl im Schnelltest als auch im Blut am längsten nachweisbar ist. Wer sehr an seinem „Lappen“ hängt, sollte darüber auch unbedingt nachdenken, bevor er einen Antrag stellt. Wie man letztendlich der Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis gegenübersteht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich will mit diesem Betrag nur aufzeigen, dass diese Möglichkeit besteht. Ich hoffe, ich konnte etwas zur Aufklärung beitragen.

Diagnosen über Diagnosen

Traveler Digital Camera

Wenn man anders tickt als Andere, dann bekommt man es unter Umständen schon recht früh mit Diagnosen zu tun. Meine erste Diagnose habe ich kurz vor meinem 16. Geburtstag bekommen. Und zwar Borderline Persönlichkeitsstörung. Das war 1982.
Die Sache war so:
Eines Tages kam zuhause keiner mehr mit mir zurecht. Mehr dazu schreib ich in dem Beitrag: „MELTDOWN IST EIN ARSCHLOCH“. Es sei jetzt erst mal nur dazu gesagt, dass ich schon mein ganzes Leben lang extrem verhaltensauffällig, zu laut, zu schrill, zu impulsiv war und vom Typ her ganz klar eher in Richtung Meltdown tendiere als zu Shutdown. Und wenn ich früher ausgerastet bin, konnte ich wirklich für nichts garantieren. Ich hab immer erst hinterher registriert, was ich alles gemacht hab, wenn´s vorbei war. Und zu der Zeit war es noch so, dass man als Kind/ Heranwachsende nicht wirklich eine Privatsphäre hatte. Es gab für mich keine Rückzugsmöglichkeit. Und so bin ich immer komplett durchgedreht und konnte das absolut nicht steuern. Im Meltdown hab ich immer mit allem um mich geschmissen, was mir in die Finger gekommen ist. Meine Eltern ( Nachkriegsgeneration) hatten von Psychologie und Co. noch nicht die geringste Ahnung und benutzten noch Ausdrücke wie „Veitstanz“ und „Besessenheit“, wenn sie über mein „Durchdrehen“ redeten.
Irgendwann spitzte sich die Situation zuhause immer mehr zu und meine Mutter bekam Schiss vor mir.
Jedenfalls kam ich dann ins Internat. In ein 6- Bett- Zimmer ,irgendwo in Unterfranken, im Jahre des Herrn 1982.
Mit 6 Mädchen in einem Zimmer lässt der nächste Meltdown nicht lange auf sich warten.
Direkt am nächsten Tag ging die Ausraterei los und nach ein paar Tagen saß ich vor dem Schulpsychologen weil ich schon nicht mehr tragbar für die Schule war.
Um Borderline gab es damals nen Riesen- Hype. Ich weiß das noch genau, weil ich damals nach der Diagnose angefangen habe, mich mit Psychologie zu beschäftigen. Zumindest in der Form, wie man sich als Jugendliche damals informieren konnte, ohne Internet usw. (heute unvorstellbar). Ich las halt alles, was die Bücherei so hergab.
Borderline war bei mir schnell diagnostiziert und klebt irgendwie seitdem an mir wie die Pest.
Egal wie oft ich sage, dass ich mit meinem heutigen Wissen die Diagnose Borderline für eine Fehldiagnose halte- sie taucht immer wieder in meinen Unterlagen auf.

Aus heutiger Sicht betrachtet würde ich sagen, man war halt damals einfach froh, eine Schublade gefunden zu haben, in die man alle „schrägen Vögel“ stecken konnte, mit denen man ansonsten nichts anzufangen wusste.
In den folgenden Jahren gab es immer mehr Buchmaterial über Borderline und mir wurde immer klarer, dass ich mich in der Diagnose nicht wiederfinde und dass es irgendetwas anderes sein muss, dass mein „Sein, wie ich bin“ erklärt.

Irgendwann so um 1998 herum bekam ich ein Buch von Edward M. Hallowell und John Ratey in die Hände. Das Buch hieß “Zwanghaft zerstreut oder die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein“ und war eins der ersten Bücher zum Thema ADD- die damalige Bezeichnung für das heutige ADS/ ADHS.
Dort fand ich mich jedenfalls erheblich mehr wieder als in der Diagnose Borderline. Deshalb dachte ich, ich red mal mit meinem Arzt darüber.
Und so kam es, dass ich plötzlich die Diagnose ADD hatte.
Irgendwie war das zu der Zeit auch ein bisschen so, dass die Ärzte damals sehr diagnostizierfreudig waren (so habe ich es jedenfalls empfunden) und so gab es gleich zum ADD noch Zwangsstörungen und ein „bisschen MD (heute Bipolar) obendrauf“.
Mit den Diagnosen ADD und MD war es dann bei mir genau so wie damals bei der Borderline . Je mehr sich die Regale in den Psychologieabteilungen der Bibliotheken füllten und ich die Bücher las, umso mehr bekam ich das Gefühl, dass ich mich zwar hier und da ein bisschen in den Diagnosen wiederfand, aber dass es trotzdem irgendwas anderes war.
Irgendwie hatte ich aber auch die Schnauze voll davon, kiloweise Bücher aus der Bücherei nach Hause zu schleppen und dann zuhause beim Lesen festzustellen, dass das meiste Lesematerial einem nicht wirklich weiterhilft bei der Suche.

Alles änderte sich dann durch das Internet. Plötzlich gab es ganz andere Möglichkeiten, sich zu informieren….und das alles von zuhause aus.
Als ich das erste Mal etwas über Asperger Autismus las war es auf einmal so, als wären mit einem Schlag alle Schleier gefallen, die über der Frage warum ich bin, wie ich bin, hingen.
Das Thema Asperger ließ mich nicht mehr los und ich las und las und erkannte mich immer mehr.

Und ich erkannte auch, dass es gar nicht so einfach ist jemanden zu finden der sich mit Asperger auskennt, wenn man nicht gerade in den Ballungsgebieten lebt. So stand zum Beispiel am Anfang noch „Autistische Psychopatie“ in meinen Unterlagen.
Was sich in den letzten Jahren in der Autismusforschung getan hat, ist unheimlich viel- aber noch nicht überall bei der Ärzteschaft angekommen.
Und so kann es schon mal passieren, dass man, wenn man eine späte Diagnose anstrebt, erst mal erklären muss, wie man es bis hier überhaupt durchs Leben geschafft hat.
Anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die einfach ein anderes Betriebssystem haben als andere ist für eine neurotypische Welt noch ein ziemlich neuer Gedanke. Hier wird sich wohl noch viel tun.

Wir leben also in einer aufregenden Zeit.
Die Diagnose Asperger war für mich insofern ein Befreiungsschlag, weil sich dadurch endlich für mich bestätigt hat, dass ich kein „völlig verhaltensgestörter Normaler“ bin, sondern dass ich mit meinem Betriebssystem einfach anders ticke, auch wenn ich im Laufe der Zeit noch verschiedene Komorbiditäten angesammelt habe.
Der Weg von der ersten Diagnose (Borderline)bis dahin hat über 20 Jahre gedauert und ich identifiziere mich längst nicht mehr mit den Diagnosen aus der Anfangszeit.
Aber es gibt auch noch heute immer wieder Situationen, in denen diese Diagnosen wieder auftauchen, weil sie irgendwann einmal niedergeschrieben wurden.
Und dann heißt es: “Ja, Sie haben aber doch auch noch dies und das….?!“

Ich denke, mit meinem „bunten Strauß“ an Diagnosen bin ich bei Weitem kein Einzelfall. Ich vermute eher, dass es besonders bei den Autisten –sagen wir mal jenseits der 30- tausende von „Diagnose- Marathon- Läufern“ gibt, deren Geschichte im Prinzip genauso abgelaufen ist, wie meine.
Wenn man als Jugendlicher irgendwann in die Diagnosemühlen geschubst worden ist und über Jahrzehnte mit Diagnosen zu tun hat, muss man sehr aufpassen, dass man sich selber nicht als gestört und Bündel von Diagnosen sieht.
Deswegen habe ich mir angewöhnt, meine vielen Diagnosen als Beweis dafür zu sehen, dass ich in einer spannenden Zeit lebe, was die Erforschung des Menschen angeht. Ich glaub, das ist die beste Art, damit umzugehen.
Wenn man sich überlegt, dass die Zahl der Möglichkeiten der Verknüpfungen im menschlichen Gehirn größer ist als die Anzahl aller Atome im Universum dann sieht man, dass psychologische und psychiatrische Diagnosen nur ein kleiner Versuch sind, entsprechend dem Wissensstand einen Namen für eine Art des So- seins zu finden und keine in Stein gemeißelten Wahrheiten, die für alle Ewigkeit genau so gelten.

Ich bin sehr gespannt, wo wir in 10 Jahren stehen.