Über Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis

Über den Erwerb und Konsum von Cannabis zu schreiben, ist natürlich hier bei uns in Deutschland- alleine schon aufgrund der Gesetzeslage- so eine Sache für sich, vor allem, wenn man in einem Gemeinschaftsblog schreibt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ganz ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei meinem Beitrag einzig und alleine um meine persönliche Ansicht und meine Erfahrungen handelt. Da ich nicht weiß, wer diesen Blog so alles liest betone ich auch ganz ausdrücklich, dass ich bei meinen Schilderungen nicht von irgendwelchen illegalen Handlungen spreche, sondern über den legalen Erwerb und Konsum von Medizinal-Cannabis aus der Apotheke. Davon abgesehen betone ich hier auch ganz klar, dass ich niemanden zum Cannabis- Konsum animieren möchte. Jeder weiß selbst am Besten, was gut für ihn ist. Ich schildere lediglich meine Sichtweise. Außerdem möchte ich diesen Blogbeitrag nutzen, um auf die großen Leistungen der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin hinzuweisen, die stark an der Aufklärung über Medizinal- Cannabis arbeiten und auch im Internet die Anträge als Download zur Verfügung stellen. Und nicht zuletzt will ich auch ein bisschen mit den Märchen aufzuräumen, die sich um das                           Thema „ Sondergenehmigung für Medizinal-Cannabis“ ranken. Dehalb schildere ich hier, wie das Antragsverfahren und der Verkehr mit Medizinal- Cannabis tatsächlich abläuft. Ich persönlich denke, dass der intelligente übergeordnete Schöpfer sich sicher schon etwas dabei gedacht hat, als er diese einzigartige Pflanze schuf. Und in meinem Weltbild steht der intelligente übergeordnete Schöpfer schon „ein bisschen“ höher als die Pharma- Industrie. „Tja. Aber Pech, wenn man in Deutschland lebt“,…. denken die Meisten und schlucken weiter Pillen. Ich möchte echt nicht wissen, wie viele Medikamente ich in meinem Leben schon geschluckt hab. Ich habe zwar schon sehr früh gemerkt, dass Pillen meisten bei mir entweder gar nicht, oder völlig anders wirken, als sie sollen. Aber was anderes als Pillen kriegt man halt für gewöhnlich nicht vom Doc. Da ich schon in jungen Jahren angefangen hab, allen seelischen Müll zu somatisieren und außerdem jetzt allmählich in das Alter komme, wo „der Lack abgeht“ (48), habe ich halt seit Jahren chronisches Schmerzsyndrom (Fibromyalgie). Irgendwelche Schmerzen habe ich eigentlich fast immer – vor allem Rücken und Gelenke. Ob die jetzt psychosomatischer Natur sind, oder ob es sich um Verschleißerscheinungen aufgrund von ALT handelt, spielt dabei eigentlich nicht wirklich ne Rolle. Egal, woher die Schmerzen rühren, sie sind nun mal da. Im letzten Jahr war ich (damals mit 47) auf einem Level, auf dem ich jeden Tag IBUS und Novamin geschluckt habe bis zum Abwinken, außerdem hatte ich wegen Depris Höchstdosis Laif 900 und Opipram. Eines Tages saß ich im Wartezimmer meines Arztes und kam mit einem Mann, der neben mir saß, ins Gespräch. Wir fingen an, uns über unsere Gebrechen zu unterhalten und er erzählte mir, dass er eine ärztlich begleitete Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis zur Linderung seiner Schmerzen und seiner Tic- Störungen machte. Er war völlig begeistert und riet mir, ebenfalls einen Antrag zu stellen. Zuhause habe ich dann lange darüber nachgedacht. Natürlich hatte ich auch schon davon gehört, dass es die Möglichkeit einer Sondergenehmigung gibt, aber ich dachte eigentlich, dass nur Schwerstkranke (z.B. Krebs oder so) eine solche Genehmigung bekommen würden. In den nächsten Tagen schwirrte mir das Gespräch mit dem Mann aber immer wieder im Kopf herum und ich beschloss, es einfach mal zu probieren- bzw. mal mit meinem Arzt darüber zu sprechen. Ich habe mir dann im Internet auf http://www.cannabis-med.org/german/bfarm_hilfe.pdf das 30- seitige PDF der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin heruntergeladen. Darin sind unter Anderem beinhaltet: Formular für den Antrag, Vorschläge für den Arztbrief, Erklärung für Arzt und Apotheke und jede Menge Info rund ums Thema. Dann habe ich mit Unterstützung meines Arztes einen Antrag gestellt. Im Vorfeld habe ich schon eine Weile herum überlegt, weil es mir schon irgendwie ein bisschen „peinlich“ (oder zumindest so etwas in der Art- ich kann das Gefühl nicht genau benennen)war, den Arzt überhaupt darauf anzusprechen. Der war jedoch sehr aufgeschlossen und ich war ja auch nicht der erste Patient, der diesen Antrag gestellt hat. In dem Arztbrief lag der Schwerpunkt auf den Schmerzen. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass sich meine früheren Erfahrungen mit Cannabis immer positiv auf meine Depressionen und meine Zwanghaftigkeit ausgewirkt haben. Das ich ASS hab, wurde zwar auch erwähnt, aber darauf lag nicht die Betonung. Aber da sowohl viele Menschen aus dem Spektrum als auch viele HSP die Neigung zum Somatisieren haben, gehe ich mal davon aus, dass (vor allem bei den Älteren) viele Asperger und HSP von Schmerzstörungen betroffen sind. In dem Arztbrief wurden noch sämtliche Schmerzmittel , die der Arzt in den letzten Jahren verschrieben hatte aufgelistet, plus das Zeug, was ich mir selbst besorgt habe- z.B. Tilidin Trofen. Dann wurde noch darauf hingewiesen, dass die dauerhafte Einnahme von Medikamenten zu Magenschleimhautentzündung führt und dass ich regelmäßig Magenschmerzen von den Medikamenten habe. In dem Arztbrief wird außerdem noch die Einzeldosis und der Wochen/ Monatsbedarf festgelegt. Außerdem muss man sich noch eine Zuliefer- Apotheke suchen. Dafür reicht es meistens, einfach den Arzt zu fragen. Der weiß in der Regel eine entsprechende Apotheke. Bei den Antragsformularen ist auch ein Formular dabei, das von der Zulieferer- Apotheke ausgefüllt werden muss. Ferner muss man eine schriftliche Erklärung verfassen, in der man erklärt, wie man zuhause das Cannabis vor unbefugtem Zugriff schützt . Die Antragsgebühr beträgt 70 Euro. Ist man finanziell nicht so betucht, kann man einen formlosen Antrag auf Erlass der Gebühren stellen, wenn man seine Einkünfte offen legt. Etwa 5 Wochen später kam ein Brief von der Bundesopiumstelle. Man teilte mir mit, dass ich eine Genehmigung erst dann erhalten könne, wenn ich zuvor einen formlosen Antrag bei der Krankenkasse gestellt hätte, in dem ich um die Kostenübernahme für das Medikament DRONABINOL bitte. (Diesen Antrag kann jeder Schmerzpatient ganz formlos stellen, aber die Krankenkassen lehnen in der Regel die Kostenübernehme ab). Das hab ich dann auch getan und den Antrag gleich persönlich bei einem Kundenberater der Krankenkasse abgegeben, der ihn in meinem Beisein an die zuständige Abteilung gefaxt hat. Nach kurzer Zeit (ca. 2 Wochen) kam dann auch die Ablehnung der Krankenkasse- sogar mit nem Bericht vom MDK. Ich habe dann das Ablehnungsschreiben (ohne den MDK- Bericht- der wird nicht benötigt) an die Bundesopiumstelle geschickt und 3 oder 4 Wochen später kam meine Erlaubnis. Für mich war das irgendwie schon so ein bisschen ein historischer bedeutsamer Tag. Auf dem Weg zur Apotheke mußte ich immer wieder an Wolf Biermann denken, der vor über 20 Jahren mal gesagt hatte, er würde nicht mehr aus dem Haus gehen, bis Cannabis in Deutschland legalisiert sei. Hihi. Weit entfernt sind wir jedenfalls nicht mehr davon. Dass man Medizinal- Cannabis auf Rezept bekommt, stimmt übrigens nicht. Man erhält von der Bundesopiumstelle eine Erlaubnisurkunde und bekommt den Arztbrief mitgeschickt, in dem die Dosierung und die empfohlene Wochen/ Monatsration steht. In der Regel sind das 5 Gramm pro Woche- also eine Dose. Damit geht man in die Apotheke, wo beide Dokumente kopiert werden und man ein BTM- Kundenkonto angelegt bekommt. Beim ersten Mal dauert es in der Apotkeke ziemlich lange, bis das Kundenkonto angelegt und so. Apotheken sind ja auch so ne Welt für sich. Vor allem, wenn man Betäubungsmittel will. Das ist- zumindest in meiner Apotheke Chefsache. Der Chef muss auch immer den Lieferschein für mich gegenzeichnen. Und ich muss auch die Lieferscheine alle zuhause abheften. Ein Töpfchen Cannabis enthält 5 Gramm und kostet derzeit in Deutschland 83 Euro, im Moment wird aber daran gearbeitet, dass der Preis (möglicherweise schon in diesem Jahr) sinkt. Derzeit stehen in Deutschland 4 verschiedene Sorten Cannabis in der Erlaubnis, und zwar die Sorten a) Bedrocan – THC- Gehalt ca 18%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 1% b) Bedica – THC- Gehalt ca14%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 1% c) Bedrobinol- THC- Gehalt ca11%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 1% d) Bediol – THC- Gehalt ca 6%, Cannabidiol- Gehalt bis zu 7,5% Bei der Antragsstellung werden im Arztbrief immer alle 4 Sorten angekreuzt, da es aus Holland derzeit nur 2 Vertragsplantagen gibt und es so in seltenen Fällen zu Lieferschwierigkeiten kommt. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass zumeist von den Apotheken die Sorte Bedrocan bestellt wird, und zwar wegen des hohen THC- Gehalts, den natürlich die meisten Schmerzpatienten besonders zu schätzen wissen. Außerdem ist die Sorte Bedrocan besonders ertragreich und wird deshalb zu guten Konditionen angeboten. Darüber freuen sich natürlich dann die Apotheker. Kann man ja schon verstehen…die wollen ja auch daran verdienen. Ich bin mit der Sorte Bedrocan absolut zufrieden. Seit ich die ärztlich betreute Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis mache, geht es mir besser als irgendwann anders in den letzten 20 Jahren. Weniger Schmerzen, weniger Depris, weniger Zwanghaftigkeit. An manchen Tagen geht’s mir sogar so gut, dass ich irgendwann nachmittags feststelle, dass ich ja noch gar nicht die Antidepressiva von morgens genommen habe. Und mein Schmerzmittelverbrauch ist durch die Therapie auf ein Minimum gesunken (zumindest im Vergleich zu vorher). Aus meiner Sicht betrachtet ist auf jeden Fall was Wahres dran an dem Spruch:“ Am Morgen ein Joint, und der Tag ist dein Freund.“ Aber das heißt nicht, dass es bei Anderen auch so sein muss- wie gesagt, ich schildere einfach nur meine Erfahrungen, sonst nix. Zu erwähnen gäbe es vielleicht noch, dass man während einer ärztlich betreuten Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabisblüten nicht den Arzt wechseln darf. Das steht ausdrücklich so in der Erlaubnisurkunde. In dem Moment, wo man seinen Arzt wechselt, erlischt automatisch die Erlaubnis. Außerdem muss man zusammen mit seinem Arzt halbjährlich Rückmeldung an die Bundesopiumstelle geben, ob die Therapie weiter andauert( das Formular schicken die Einem zu).  Die Bundesopiumstelle weist ausdrücklich darauf hin, dass von dort aus nicht die Polizei über eine Sondererlaubnis unterrichtet wird. Das muss man selber tun, wenn man es für nötig hält (wenn man z.B. Angst hat, dass irgendjemand die Polizei benachrichtigt, wenn es nach Gras riecht oder so). Dann sollte man auch nicht vergessen, dass man unter Einfluss von Cannabis nicht am Kraftverkehr teilnehmen darf und dass Cannabis- auch wenn es als Medizin eingesetzt wird die Substanz ist, die sowohl im Schnelltest als auch im Blut am längsten nachweisbar ist. Wer sehr an seinem „Lappen“ hängt, sollte darüber auch unbedingt nachdenken, bevor er einen Antrag stellt. Wie man letztendlich der Selbsttherapie mit Medizinal- Cannabis gegenübersteht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich will mit diesem Betrag nur aufzeigen, dass diese Möglichkeit besteht. Ich hoffe, ich konnte etwas zur Aufklärung beitragen.

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7 Kommentare

  1. Hallo,

    überaus großen dank für diese tolle und ausführliche Erklärung. Mir fällt ein stein vom herzen, denn ich in meinem ASS bin, wie so viele damit, sehr oft von der Menge an Bäumen im wald derart überrumpelt, dass ich nicht mal mehr ein stückchen rinde erkennen kann. Symbolisch und metaphorisch gesprochen jetzt, natürlich.

    Ich rauche nicht, kann daher keinen Lungenzug nehmen. Außerdem denke ich, da ich Nikotin nicht vertragen, dass es am sinnvollsten ist es zu vaporisieren.

    Nun meine Frage, wie konsumiert du? Hast du unter Umständen mehrere Erfahrungsberichte zu den verschiedenen möglichkeiten? Oder könntest du gar einen neuen Eintrag dazu machen? Ich bin leider gottes komplett neu in der Welt des cannabis.

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  2. Aber ist es denn Aufwand wert, dass man es dann legal bekommt? mir wurde gesagt, cannabis sei in Apotheken 4mal so teuer, wie auf der Strasse. Und außerdem wird unter Umständen gelegentlich mal die Wohnung durchsucht. Und darum sollte man sich lieber illegal versorgen

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  3. ich hatte mich auch mal daran gemacht, ne Erlaubnis zu beantragen. Aber nachdem mir ein Aktivist für medizinisches Cannabis nochmal bestätigt hat: „Du musst u.a.alle auf dem Markt erhältlichen Mittel gegen Migräne (ärztlich dokumentiert) bereits erfolglos ausprobiert haben“, habe ichs gelassen. Vielleicht hab ich da aber auch zu aspie-mäßig gedacht. Wenn da „alle“ steht, denkt man ja als Aspie, man muss wirklich jedes einzelnde Medikament, dass es irgendwo dafür gibt, ausprobiert haben

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