Über Veränderungen…oder…“Warum noch ein Blog?“

 

Blogs sind ja echt eine tolle Sache.
Nicht nur für Autisten- ich meine das ganz allgemein.
Ich lese unheimlich gern Blogs von anderen Mit- Erdlingen.
Es ist jetzt nicht weiter verwunderlich, dass die meisten Blogs, die ich lese, von Autisten geschrieben sind.
Aber auch andere Blogs- zum Beispiel mit tollen Fotos und schönen Gedanken mag ich sehr.
Und ich finde es immer wieder toll zu merken…“da draußen sind noch Andere, die auch so sehen und empfinden“.
Das gibt einem ein Gefühl von „Du-bist-nicht-alleine-und-es-ist-alles-richtig-so-wie-es-ist“.
Ein Gefühl, dass gerade für Autisten „da draußen“ schwer zu finden ist.
Hier draußen auf der Straße oder an der Arbeit hab ich noch nie nen anderen Autisten kennen gelernt.

Im „draußen“ bleibt man als Autist immer derjenige, der anders ist, als die Anderen.
Durch das Internet mit allem Drum und Dran haben sich für uns unglaubliche Möglichkeiten eröffnet- plötzlich kann man sich mit Erdlingen austauschen und in den Blogs an deren Gedanken teilhaben. Und es ist immer wieder toll, wenn man sich in den Gedanken und Ansichten eines Anderen wieder findet.
Wenn ich so an meine frühe Erwachsenenzeit zurück denke, so ohne Computer, ohne Handy, mit Ritsch- Ratsch- Klick- Kamera, wo man 2 Mal im Jahr einen Film vollknipste und den dann zum „Entwickeln“ brachte- welche Möglichkeiten hatte man da schon so großartig?
Tagebuch schreiben oder eine(n) Brieffreund/in haben.
Das war es aber dann auch so ziemlich.

Mit dem Internet habe ich mich am Anfang etwas schwer getan.
Ich wär nie auf die Idee gekommen, nen Blog zu schreiben.
Wenn ich meine Gedanken aufgeschrieben habe, dann hab ich sie einfach in ein Word- Dokument geschrieben und abgespeichert.Fertig!

Ich habe mich auch sehr lange gegen facebook gesträubt.
Bin zwar seit 4 Jahren dort angemeldet, aber eigentlich erst seit 2 Jahren aktiv.
Vorher habe ich nur so sporadisch ab und zu mal WKW benutzt.
Liegt vielleicht ein wenig am Alter (ich werde im Dezember 50), aber gewiss auch ein bisschen daran, dass ich bei neuen Dingen (besonders Computerkram) immer erst mal ein bisschen auf der Leitung stehe und ne ganze Zeit lang brauche bis ich kapiert habe, wie das alles so funktioniert.

Mit facebook kamen dann so allmählich die ersten Kontakte zu anderen Autisten.
Nach und nach bin ich in immer mehr Autistengruppen eingetreten und habe mich mit immer mehr anderen Leuten mit AS, aber auch mit Angehörigen und Fachpersonal zum Austausch vernetzt und habe mich auch an verschiedenen Projekten beteiligt.

Im letzten Jahr gab es dann plötzlich die Idee, einen Autisten- Gemeinschaftblog zu gründen-
Blogger Aspekte.
Für mich der erste Blog meines Lebens.
Blogger Aspekte ist meiner Meinung nach eine tolle Sache, gerade, weil hier mehrere Autisten ihre Sicht der Dinge schildern und ich werde auf jeden Fall auch weiterhin in Blogger Aspekte schreiben.

Mit so einem Gemeinschaftsblog hat man jedoch auch eine gewisse Verantwortung… die mich manchmal ein bisschen blo(g)ckiert…..
Ich würde gerne viel mehr schreiben….quasi so „aus dem Nähkästchen“… sitze aber dann oft vor dem Rechner und denke: „Ja, kannste das überhaupt schreiben?…oder triggerste die Leute damit? …geht das, was du schreiben willst, überhaupt für nen Gemeinschaftsblog?“und lauter so´n Zeug.
Ich bin jemand, der unheimlich schnell mit der Löschtaste dabei ist.
Ich kann drei Stunden schreiben und eiskalt alles wieder löschen, weil ich denke, es passt nicht.
Im Nachhinein tut es mir dann oft leid um die Gedanken, die ich da beim Schreiben hatte.

Die sollen jetzt ein „Zuhause“ bekommen.
Da ich mich jetzt einigermaßen mit WordPress auskenne, habe ich mir für dieses Jahr einen eigenen Blog vorgenommen, in dem ich meine täglichen Gedanken niederschreiben kann.
Quasi den Blog einer spätdiagnostizierten Autistin, die Bekanntschaft mit sich selbst macht.
Einen Blog, in dem ich alles niederschreiben kann, was mich bewegt- jeden Tag.Und das ist nicht immer lustig oder schön.
Es wird hier auch viel um Komorbiditäten gehen ( wie z.B. Zwang, Sucht, Essstörungen, Alkoholismus, Schuldgefühle) als auch um den „ganz alltäglichen Wahnsinn“- aber auch über schöne Dinge, die mir im Leben begegnen.

Sozusagen „Betreten auf eigene Gefahr“.

Ich freue mich über jeden, der mir auch in meinen neuen Blog folgen will, sage Eines vorab- und zwar mit den Worten des von mir hochverehrten HERMANN HESSE:

Meine Geschichte ist nicht angenehm, sie ist nicht süß und harmonisch wie die erfundenen Geschichten, sie schmeckt nach Unsinn und Verwirrung, nach Wahnsinn und Traum wie das Leben aller Menschen, die sich nicht mehr belügen wollen.

Das Leben eines jeden Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades. Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen; jeder strebt dennoch es zu werden,
einer dumpf, einer lichter, jeder wie er kann.

Jeder trägt Reste von seiner Geburt, Schleim und Eischalen einer Urwelt, bis zum Ende mit sich hin. Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch.
Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Uns allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, wir alle kommen aus dem selben Schlunde; aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziel zu.

Wir können einander verstehen; aber deuten kann jeder nur sich selbst.

Hermann Hesse
‚Demian‘
Neuer Blog… https://aspergergedanken.wordpress.com/

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