Hilfeschrei

Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

Ich tue mich schwer damit diesen Blogpost zu schreiben. Um Hilfe bitten fällt mir nicht leicht und alles was ich in meiner Arbeit gegen die ABA Lobby erlebt habe war schmerzhaft und prägend. Ich sehe aber keine andere Möglichkeit mehr und darum schreie ich nun verzweifelt um Hilfe.

In Namen des „Kindwohles“ von autistischen Kindern wird immer mehr eine „Therapie“ angewandt die sich Applied Behavior Analysis (ABA) nennt.

Wie sowas aussieht? Schaut selbst

Durchgeführt an einem dreijährigen Autisten durch eine zertifizierte ABA Therapeutin. Nun stellt Euch bitte vor, dass das 40 Stunden die Woche und mehr mit autistischen Kindern gemacht wird. Eine Vertreterin in Deutschland sagt sogar:

„Optimalerweise die gesamte Wachphase des Kindes“

Wer nun denkt sowas gibt es in Deutschland nicht sollte sich dieses Video anschauen:

Videobeispiel ABA

Es ist zwar in Englisch aber von einem Menschen der in Deutschland ABA kommerziell anbietet.

ABA ist eine Umerziehung und keine…

Ursprünglichen Post anzeigen 306 weitere Wörter

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3 Kommentare

  1. ..puh.. das kommt aus der Verhaltenstherapie, oder? Furchtbar, grausam. Falls das aus der VT-Richtung kommt – leider sind deren Settings überall auf dem Vormarsch, weil „effizient und billig“, da in vergleichsweiser kurzer Zeit „Erfolge“ verbucht würden. Allerdings nicht langfristig – was erwiesen wurde.

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  2. Jemanden zum Körperkontakt zwingen oder erpressen (Du darfst mit Deinem Spielzeug nur spielen, wenn Du auf meinem Schoß sitzt) würde bei einem Erwachsenen wohl in die Nähe von sexueller Belästigung gerückt werden oder Grapscherei o.ä., auf jeden Fall würde das grob missbilligt.

    Wann und mit wem ich welchen Körperkontakt habe, entscheide ich. Und das sollte bei jedem so sein, egal ob Autist_in oder nicht, erwachsen oder Kind.

    Sich darüber hinwegzusetzen oder jemanden dazu zu erpressen, ist echt widerlich.

    P.S: Ich bin keine Autistin, falls Nachfragen kommen

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  3. Was passiert da?

    1. Die Therapeutin redet eindringlich, abgehakt auf den Kleinen ein, ein regelrechtes Bombardement mit Fragen und Aufforderungen.
    2. Jedes erwünschtes Verhalten/Reaktion wird mit „good job“ kommentiert.

    3. Sich auf Kopf, Schultern und Hände fassen wird mit „awesome“ gelobhudelt.

    4. Dann sagt sie gefühlte 100x touch swing und hält die Hand vor sein Gesicht, damit er auf die Karte schaut, und nicht in die Ferne. Sie fasst ihn immer wieder an und fordert ihn eindringlich auf „touch swing!“ Sie lässt ihn dabei keine Zeit zum Antworten. (bis 1:37)

    5. Bei der zweiten Session zeigt sie ihm Karten, während er das Kommunikationsgerät mit der Buchstabentafel entdeckt. Er will es an sich ziehen, sie schiebt es von ihm weg, damit er sich auf sie konzentriert. Während er darauf konzentriert ist, die Tafel anzuschauen, bombardiert sie ihn erneut mit „like this like this“, will dass er es nachmacht, aber er schaut nur auf die Tafel, bis sie bei 2:14 ihm die Tafel wegnimmt bzw. aus dem Blickfeld räumt.

    6. Bei 2:26 wird klar, dass er die Antworten mechanisch gibt, weil er den Blick von ihr bzw. der Karte abwendet. Für die richtige Reaktion (2:40) gibt sie ihm das Spielgerät wieder.

    7. Bei 3:15 wird er überschwänglich gelobt und im Gesicht berührt.

    8. Danach kommen ein paar Hundebefehle wie Hin und her laufen, sich drehen oder auf den Boden legen und sich wieder hinsetzen.

    Interpretation:

    Das ganze Kinderspielzeug um ihn herum soll wohl ein natürliches Setting darstellen, ist aber entsprechend hochgradig ablenkend (in einem Büro zu sitzen, wo man in jede Richtung unbegrenzte Fernsicht hat, wärs für mich genauso).

    Wiederholungen bringen es offenbar nicht immer. Bei mir führt ständiges Wiederholen irgendwann dazu, dass ich dicht mache und es erst recht vergesse.

    Hier wird völlig ignoriert, dass gerade Autisten langsamer prozessieren als Nichtautisten und länger brauchen. Diese Prozessierzeit hat das Kind nicht.

    Das Kind kann sich, sofern es überhaupt die Motivation hat, besser konzentrieren, wenn es in die Ferne schaut. Das wird durch das Abdecken des Gesichtsfeld verhindert.

    Das Kind wird berührt an Armen und im Gesicht. Vielleicht will es das gar nicht.

    Das Kind wird regelrecht niedergebrüllt mit Aufforderungen. Ungut, wenn es empfindlich auf Geräusche/Stimmen ist. Auch das kann mit der Zeit ermüden und die Aufmerksamkeit schwinden lassen.

    Schlussfolgerung für mich:

    Behandle andere immer so, wie Du selbst behandelt werden möchtest. Ich möchte nicht so behandelt werden. Die sensorischen Schwierigkeiten werden hier ignoriert. Keine Zeit zum Nachdenken (bei einem Dreijährigen wohlgemerkt!), und ein Gewehrfeuer an Aufforderungen, das wohl das Stresslevel jedes Menschen in die Höhe treiben würde.

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