Diagnostik die zweite…

Ich habe es tatsächlich nochmal versucht. Ein Jahr später.
Ein Jahr voller Zweifel und grübeln und ärgern und sich hin- und hergerissen fühlen. Vielleicht hatte er ja doch Recht? Nein, kann nicht sein. Es passt einfach. Er hat sich geirrt… und dann bekam ich durch Zufall die Information, dass der Herr bei dem ich das Vorgespräch hatte sich auf „Härtefälle“ spezialisiert hat, da er genetisch forscht. Ich passte nicht in sein Schema. Deshalb habe ich noch nicht einmal das Vorgespräch „bestanden“.
Mit diesem Wissen wagte ich einen zweiten Versuch.
Ich brauchte sowieso eine Einschätzung meines jüngeren Sohnes und nahm Kontakt mit einer Autismus-Beratungsstelle auf.
Die zwei Termine dort verliefen sehr angenehm, ich fühlte mich verstanden, gesehen und ernst genommen. Erkannt. Die Dame sagte mir nach zwei langen Gesprächen, dass ich ein „Paradebeispiel“ für weibliches Kompensieren sei. Das war sehr heilsam für mich. Sie empfahl mir auch gleich eine Diagnosestelle, mit der sie schon länger zusammenarbeitet und schickte gleich ihre Einschätzung von mir dort hin und ich machte einen Termin. Es handelte sich um eine Institutsambulanz eines psychatrischen Krankenhauses, die sowohl Diagnostik als auch eine ADHS-Sprechstunde für Erwachsene und eine angeschlossenen stationäre Therapie anboten. Von dem dort beschäftigten Oberarzt hatte ich sogar schon ein paar Texte gelesen, er beschäftigte sich wohl mit den Zusammenhängen von ADHS und Autismus bei Erwachsenen. „Sehr gut“, dachte ich, „dann kann ja nichts mehr schief gehen“.
Ich freute mich auf den Termin, hatte aber auch trotzdem noch Angst.
Den Verlauf der Diagnostik an sich möchte ich hier gar nicht im Einzelnen beschreiben, ich denke viel aussagekräftiger ist die Email, den ich hinterher an diese Stelle geschrieben habe. Ich habe sie aber leider nicht abgeschickt…

„Guten Tag Frau M. und Herr O.,

ich habe noch einiges an Fragen zu meinem letzten Termin und hoffe dass sie bereit sind mir diese zu beantworten.
Ich hätte diese ganzen Dinge gerne schon gestern gefragt, aber leider war ich von der ganzen Situation ziemlich überfordert und konnte mich nicht richtig artikulieren. Ich habe mich leider ziemlich mit Fragen bombardiert gefühlt und habe deshalb teilweise nicht richtig antworten können bzw. hätte gerne noch viel mehr zu den einzelnen Themen gesagt. Im Allgemeinen liegt mir die schriftliche Kommunikation besser als die mündliche, während der ich mich oft blockiert fühle und meine Gedanken nicht richtig sortieren kann. Ich brauche meist länger um über eine Frage nachzudenken.
Eigentlich hatte ich eine Liste in meinem Kalender welche ich gerne mit Ihnen beiden besprochen hätte, das habe ich aber leider durch den für mich starken Druck unter dem ich stand vergessen. Diese Liste anzusprechen bzw. durchzugehen wäre sehr wichtig für mich gewesen, da sie auch Dinge enthält die ich erst letztens mit meiner Therapeutin erarbeitet habe.
Bereits vor dem Gespräch war ich stark angespannt, was durch die unvorhergesehene Situation im Flur kam.
Dort fand der Abtransport eines Patienten durch mehrere Rettungssanitäter statt, so dass sich mein Termin um ca. 45 Minuten verzögerte. Frau M., sie selbst waren während dieser Situation anwesend, jedoch hatte sie keine Zeit für mich da sie sich intensiv um den anderen Patienten kümmerte. Das führte bei mir zu Zweifeln ob der Termin überhaupt stattfinden kann. Ein paar freundliche Worte oder andere Zuwendung ihrerseits hätten mich sicher schon beruhigt; da dies aber nicht geschah stand ich sehr stark unter Spannung.
Den Einstieg in das Gespräch hatte ich mir anders vorgestellt. Ich glaube die Möbel im Gesprächsraum wurden auch etwas umgestellt.
Zunächst folgende Verständnisfrage: Ich wurde von Frau D. aus dem ATB mit dem Verdacht auf hochfunktionalen Autismus bzw. Asperger Syndrom zu Ihnen überstellt. Warum hat Dr. O. dann im gesamten Gesprächsverlauf darüber geredet dass meine Symptome nicht auf „starken Autismus“ bzw. „schweren Autismus“ zutreffen würden? Es lag bei mir nie der Verdacht auf schwerem Autismus, sondern auf hochfunktionalen Autismus bzw. Asperger Syndrom. Wie der Begriff „hochfunktional“ schon sagt, handelt es sich doch meines Wissens nach hierbei um eine Form des Autismus der auch als „unsichtbarer Autismus“ bezeichnet wird, da man diese Neurodiversität den Betroffenen in der Regel nicht ansieht.
Ich frage mich in dem Zuge wie berühmte und bekannte hochfunktionale Autisten ganz normal in der Gesellschaft umgehen, ohne dass jeder merkt oder sehen kann dass sie „anders“ sind. Als Beispiel dazu fällt mir Vera F. Birkenbihl ein. Viele meiner Freunde sehen sich in letzter Zeit ihre Videos an. Wenn ich dann sage dass Frau Birkenbihl Asperger Autistin war schauen mich viele ungläubig an. Ebenso gibt es ja einige Schauspieler und Künstler, welche trotz ihres hochfunktionalen Autismus Karriere machen, auf dem roten Teppich stehe, in Kameras lächeln und Interviews geben. Wie sollte das funktionieren, wenn eine wechselseitige persönliche Kommunikation bei Autisten generell nicht möglich wäre wie es von Ihnen mir gegenüber dargestellt wurde?
Als weiteres Beispiel dazu möchte ich gerne noch den besten Freund meines Sohnes angeben, ein 9 Jahre alter diagnostizierter Asperger Autist. Er redet mit mir, mit meinem Sohn, mit seinen Lehrern, er lächelt zurück wenn ich ihn anlächele und er gibt mir die Hand wenn ich ihm die meine hinhalte. Diese Verhaltensweisen hat er erlernt und mittlerweile wirken sie sehr natürlich. Warum gehen Sie davon aus, dass eine 35jährige Frau diese Verhaltensweisen in ihrem ganzen bisherigen Leben nicht erlernt haben kann, wenn sie ein 9jähriger Junge bereits 3 Jahre nach seiner Diagnose beherrscht?
Zu dem von Ihnen angesprochenen Blickkontakt, den ich durchaus einige Sekunden halten kann möchte ich folgendes anmerken: mir wurde als Kind immer und immer wieder gesagt „guck mich an wenn ich mit dir rede!“ Wenn ich einem Menschen ins Gesicht gucke, zähle ich die Fixpunkte in seinem Gesicht. Ohren, Augen, Nase, Mund; immer und immer wieder, damit ich etwas habe worauf ich meinen Blick fixieren kann. Das ist sogar meiner Therapeutin nach 2 Jahren nicht aufgefallen.  Wenn ich einem Menschen direkt in die Augen sehe, fange ich an zu starren, was dem Menschen meist sehr unangenehm ist.
Nun zu meiner größten Frage, der von Ihnen diagnostizierten Zwangsstörung. Ich habe dazu folgende Kriterien in meinem Psychologiebuch gefunden: „Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -Rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte. Im Allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich.“
Dazu habe ich folgendes zu sagen: Ja, es sind wiederkehrende Gedanken. Aber keine Handlungen oder Vorstellungen und Impulse. Und was ich ganz besonders betonen möchte ist, dass mich diese in keinster Weise quälen, stören, ekeln oder abstoßen und dass ich auch nicht (erfolglos) versuche dagegen anzugehen; auch sind sie nicht sinnlos und ineffektiv. Ganz im Gegenteil: diese Gedanken sind für mich zweckerfüllend und hilfreich; sie beruhigen mich. Als ich mit etwa 10 Jahren herausfand dass dieses Zählen nicht jeder meiner Freunde macht war ich zunächst verunsichert und wollte es loswerden, weil ich mich mal wieder als anders empfand, aber ebenso gut hätte ich versuchen können alle Nomen aus meinem Wortschatz zu löschen. Während meines Aufenthalts in der Tagesklinik Goslar habe ich meinen Drang alles zu zählen und meine Umwelt in geometrische Formen und Muster einzuteilen mit dem Oberarzt der Tagesklinik, Dr. med. Z. (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) besprochen. Er erklärte mir recht anschaulich, dass dieses Verhalten ein Versuch meines Gehirns sein einer für mich chaotischen und unstrukturierten Welt eine für mich verständliche Form zu geben. Er erklärte mir auch dass das nicht schlimm oder behandlungswürdig sei, so lange mich diese Gedanken nicht belasten. Seit dem ich diese Erklärung habe, kann ich meine „Zählerei“ gut akzeptieren. Sie läuft quasi als „Programm auf meiner Festplatte“ im Hintergrund ab und meist bemerke ich gar nicht dass ich wieder zähle oder einen meiner ständigen Ohrwürmer habe (immer das letzte Lied welches ich gehört habe bis ich ein anderes höre).
Zu meinen Mittagspausen, die von Ihnen als Zwangshandlung deklariert wurden: Da muss ich Ihnen leider ganz klar widersprechen. Ich muss diese Pausen nicht machen weil ich denke dass sonst etwas Schlimmes passiert, sondern ich mache sie um mein Gehirn aufzuräumen. Ich bin meist zur Mitte des Tages (wenn ich früh aufgestanden bin) schon so reizüberflutet, dass ich einfach eine Pause brauche um das bisher erlebte zu verarbeiten. Das kann einfach ein interessantes Online-Gespräch sein oder auch ein Einkauf. Ich fühle mich meist so, als ob alle Reize einfach auf mich einströmen und ich dann später alles selbst sortieren muss. Ich denke die Geschehnisse noch einmal in Ruhe durch, überlege wie ich mich verhalten habe und ob das richtig und angemessen war (da ich oft bei Menschen anecke). Früher habe ich diese Pausen nicht gemacht. Das führte ständig zu BurnOut-ähnlichen Zuständen. Nach 2-3 Tagen folgte dann meist ein Migräneanfall (ich habe seit der Grundschulzeit chronische Migräne mit komplizierter neurologischer Aura) so dass ich mindestens einen Tag im Bett verbringen musste. Meine Therapeutin Frau W. hielt mich überhaupt erst dazu an diese Pausen zu machen; bzw. sie half mir dabei mich deswegen nicht schlecht, wertlos oder leistungsunfähig zu fühlen, sondern ermutigte mich meinen eigenen Rhythmus zu finden in dem ich Ruhe, Stille und Zeit für mich selbst bekomme. Seitdem sind die Migräneanfälle viel weniger geworden. Nur das Wetter „haut mich noch um“, ich bin sehr stark wetterfühlig und reagiere auf Veränderungen des Luftdrucks wie beispielsweise bei Gewitter oder Umschwung mit Kreislaufproblemen, Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Migräne. Auch wenn ich nicht aus dem Fenster sehe spüre ich die Veränderung; meine Freunde nennen mich gerne den „Wetterfrosch“.

Ich hatte wie bereits zu Anfang erwähnt auf Anraten von Frau W. eine Liste erstellt, die ich während unseres gestrigen Gespräches gerne durchgegangen wäre. Leider ist mir dieses ja auf Grund des Drucks entfallen. Das würde ich nun gerne nachholen.
Zunächst würde ich gerne das Thema Synästhesie ansprechen. Ich habe eine sehr starke Beziehung zu und ein natürliches Gespür für Farben und es stört mich ganz erheblich, wenn irgendwo Regenbogenfarben nicht in der korrekten Reihenfolge angeordnet sind. Wenn ich Musik höre, dann „sehe“ ich vor meinem inneren Auge alle Töne als eine Art farbige Treppenstufen, ähnlich einem Equalizer. Geräusche, Beats oder Stimmen erzeugen manchmal Formen, Schleier oder Figuren. Da ich sowieso eher in Bildern denke statt in Worten, habe ich auch oft ganze Geschichten im Kopf, besonders bei klassischer oder sehr atmosphärischer Musik.
Auch sehe ich oft farbige Schleier um Menschen herum. Da ich nicht an Esoterik glaube (mehrere Menschen haben schon versucht mir weiß zu machen ich könnte die „Aura“ eines Menschen sehen) habe ich mich nach anderen, logischeren Erklärungen umgehört. Auch hier stieß ich auf den Begriff Synästhesie. Emotionen von anderen Menschen kann ich zwar grundlegend wahrnehmen, aber bei komplexeren Sachverhalten oft nicht genau zuordnen. Ich habe eine innere persönliche Zuordnung von Farben zu Emotionen. Wenn mir z.B. eine Person in rötlichen Schleiern erscheint, dann ist die Person meist wütend oder aufgeregt. Auch hierbei habe ich lange (bis zu meinem 16. Lebensjahr um genau zu sein) nicht gewusst, dass die meisten anderen Menschen so etwas nicht wahrnehmen. Ich habe ein paar Bücher und Artikel über „Aura lesen“ gelesen und konnte damit nicht besonders viel anfangen. Die wissenschaftliche Erklärung der Synästhesie macht für mich insoweit Sinn, dass 2 verschiedene Sinne im Hirn miteinander verknüpft sind und beide Hirnareale gleichzeitig angesprochen werden, weswegen es zu einer Wahrnehmung mehrerer Dinge auf nur einem Reiz kommt. Ich hoffe das so richtig verstanden zu haben.

Nun zu einem weiteren Punkt auf meiner Liste: „Alles hat Muster, Kategorien und Beispiele“. Dazu gehören einige zwischenmenschliche Probleme die ich schon lange habe.
Meinen Freundinnen und auch meinem Mann ist es schon aufgefallen, dass ich sehr oft in Beispielen und Kategorien rede. Ich erkläre Dinge eigentlich immer an Hand von Beispielen und gebe auch Menschen, die mit Problemen zu mir kommen immer Beispiele aus meinem eigenen Innenleben. Das wurde mir oft schon als Egoismus, Ich-bezogenheit oder Arroganz angerechnet. Das ist meine Methode nachzuvollziehen worüber die Person redet oder wie sie sich fühlen könnte. Ich ahme auch oft Gesichtsausdrücke oder Verhaltensweisen, Gestik, Mimik, Tonfall, Dialekt etc. meines Gegenübers nach und merke es gar nicht. Das führte in meiner Jugend zu einem starken Gefühl der „Ich-verlorenheit“, ich wusste nicht wer ich eigentlich war. Auch wurde ich von Mitschülerinnen oft für dieses Verhalten aufgezogen. Meist war es wohl ein Versuch meinerseits „wie jemand anders zu sein“, da ich dachte diese andere Person sei beliebt oder habe viele Freunde und ich könnte das dann auch haben. Auch habe ich mir, als ich dann gemerkt habe dass das nicht gut ankommt, eher Figuren und Personen aus dem Fernsehen abgeschaut und imitiert. Diese „Schauspielerei“ konnte ich aber nie lange aufrechterhalten, nach wenigen Wochen bekam ich stets wieder dieselben Probleme mit meinen Mitschülerinnen und Freundinnen. Ich wurde ausgegrenzt, gehänselt und man machte Witze auf meine Kosten. Einmal bekam ich sogar Briefe von Mitschülerinnen, in denen sie mich als „eingebildeten Freak“ und „blöde Lesbe“ tituliert, da ich zu Jungs ein eher kumpelhaftes Verhältnis hatte und ein „Spätzünder“ war was alle pubertären Entwicklungen anging. Dass ich mich mit 14 Jahren erstmals in ein Mädchen verliebt habe hat nicht dazu beigetragen dass ich mich besser gefühlt habe, sondern verunsicherte mich noch mehr.
Ich hatte, geprägt durch Erfahrungen und Beobachtungen, immer bestimmte Verhaltensmuster im Kopf wie sich Menschen so benehmen. Wenn jemand da unerwartet ausbrach kam ich damit nicht zurecht, wusste nicht was ich sagen sollte und war sehr gehemmt. Das passte dann nicht in meine Kategorien über menschliches Verhalten.
Heutzutage habe ich nur wenige gute Freunde, die mich aber akzeptieren wie ich bin und die ich auch über die Zeit einschätzen gelernt habe. Mir neue Freunde oder Bekannte zu suchen fällt mir sehr schwer, da ich unglaublich schlecht in Smalltalk bin und mich dabei sehr unwohl fühle. Bei gleichen Interessen kann ich jedoch stundenlange Gespräche führen.
Des Weiteren sprach Frau W. bei mir vor kurzem eine „Gefühlsblindheit“ an. Sie meinte, ich hätte wohl Probleme mit dem Zuordnen meiner Gefühle. Im Gespräch wurde mir dann klar, dass das auch mit meinem Problem zusammenhängen könnte festzustellen warum ich mich in bestimmter Weise fühle. Versuche von früheren Therapeuten mit Gefühlstagebüchern o.Ä. sind bisher immer gescheitert. Ich fühle mich oft irgendwie, weiß aber nicht wie und warum. Ich habe Frau W. gebeten mit mir eine Liste zu erstellen an der ich ablesen kann was jetzt wahrscheinlich der Grund für ein bestimmtes Gefühl sein könnte. Da mich Empfindungen wie Schmerzen oder Unwohlsein oft irritieren und verunsichern, haben wir begonnen diese aufzuschreiben damit ich ergänzend dazuschreiben kann wenn ich herausgefunden habe woher das Gefühl stammt. Aufregung kann ich mittlerweile gut zuordnen, da ich dann anfange meine Finger zu verkneten und auch manchmal schaukele. Manchmal hüpfe ich auch umher und muss mich bewegen.

Mein Umgang mit stressigen Situationen und Reizüberflutung: Zur Beruhigung habe ich meist einen Stressball in der Tasche. Auch verlasse ich das Haus nicht ohne meine Sonnenbrille, da ich sehr lichtempfindliche Augen habe. Auch meine Migränetabletten, Kaugummis, mein Handy mit Kopfhörern und bestimmter Musik sind meine ständigen Begleiter. Dadurch gelingt es mir inzwischen sogar alleine mit dem Bus oder Zug zu fahren. Selbst Auto fahre ich gerne auf mir bekannten Strecken und nicht länger als eine Stunde; ich fahre nach Möglichkeit keine Autobahnen. Ich habe keine Angst vorm Autofahren, es erschöpft mich einfach sehr stark weil es so viele Reize gibt und Dinge auf die man achten muss. Ich fahre gut und sicher Auto, das höre ich immer wieder von Mitfahrenden.
Auf Reisen nehme ich mir immer eine Decke, Kissen und ein Stofftier von Zuhause mit, da ich in ungewohnter Umgebung sehr schlecht schlafen kann. Musik oder Hörspiele helfen auch.
Wenn ich an zwei oder drei Tagen hintereinander viele Termine habe (was ich zu vermeiden versuche), dann nehme ich mir mittlerweile danach immer einen Tag frei und bleibe Zuhause. Früher habe ich das nicht getan, was fast immer zu Migräne oder anderen „Ausrastern“ geführt hat. Diese Taktik habe ich so auch mit Frau W. erarbeitet und sie funktioniert gut.
Ich empfinde mich selbst nicht als besonders ängstlich. Ich hatte früher mit Panikattacken zu tun, die aber remittierend sind seit ich auf meinen „Reiz-Pegel“ achte. Ansonsten fahre ich sogar gerne Achterbahn und auch vor Tieren habe ich keine Angst. Ich habe keine Zukunftsängste, keine Phobien oder Krankheitsängste.
Als depressiv empfinde ich mich nicht. Im Grunde habe ich Spaß an verschiedenen Aktivitäten und Hobbies, bin in der Regel nicht antriebslos und habe gute private Aussichten. Ich bin sehr kreativ und künstlerisch. Ich frage mich deshalb, weil ich ja nicht mit Beschwerden wie Depressionen oder Ängsten zu Ihnen gekommen bin, warum mir ein Medikament verschrieben werden soll welches das beides mit behandelt.
Ich habe, wenn ich sehr stressige Zeiten hinter mir habe, manchmal starke Erschöpfungszustände während denen ich weder richtig sprechen noch mich groß bewegen kann, auch das Denken ist dann verlangsamt. Ich ziehe mich dann in mein Bett zurück und wenn man mich in Ruhe lässt ist nach ein paar Stunden alles wieder gut. Es ist allerdings auch schon vorgekommen dass kein Rückzug möglich war oder jemand versucht hat mich zu „wecken“. In meiner Jugend kam es dabei ein paar Mal sogar zu Handgreiflichkeiten mit meiner Mutter, die nicht verstehen konnte dass ich einfach nur in Ruhe gelassen werden wollte und versucht hat mich aus dem Bett zu werfen. Einmal bin ich sogar gegen meinen Mann „ausgerastet“. Es gibt keinen wirklichen Anlass oder Grund, ich bin dann auch nicht wegen irgendwas sauer. Ich kann selbst nicht mehr kontrollieren was ich tue und verletze sogar mich und andere. Das ist einmal massiv bei einem OP-Termin in der Uniklinik G. passiert. Ich bin vor dem OP-Saal zusammengebrochen nachdem ich mich von einem Pfleger losgerissen habe und habe danach meinen Arm zerkratzt. Ich habe an dieses Ereignis nur noch wenige Erinnerungen. Gehört solch eine Symptomatik eventuell auch zu dem von Ihnen angesprochenen ADHS? In der Beschreibung der Zwangsstörung kann ich so etwas nicht wiederfinden. Mein Sohn hat manchmal ähnliche Wutanfälle; laut Dr. Brummer (behandelnder Kinder- und Jugendpsychologe) ist das seinen autistischen Zügen zuzuordnen und geschieht bei akuter Überreizung. Ihnen als Autismus-Fachleute dürften solche Zustände als Overload, Shutdown und Meltdown bekannt sein.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich mich im Kontext von ihnen leider missverstanden fühle.
Es ging um die Abklärung ob es bei mir autistische Züge gibt oder ob ein hochfunktionaler Autismus oder ein Asperger-Syndrom vorliegt. Ich bin nicht wegen spezieller Beschwerden zu ihnen gekommen, habe nicht um eine Therapie, Medikation oder anderweitige Abklärung gebeten. Auch stand nie der Verdacht auf „schweren Autismus“, den sie in unserem Gespräch immer wieder ansprachen, sondern auf eine generelle Neurodiversität aus dem autistischen Spektrum. Ich finde es ehrlich gesagt völlig unverständlich, dass die den ihrer Aussage nach deutlichen Hinweisen aus den von mir und meiner Mutter ausgefüllten Fragebögen nicht nachgehen und die komplette Diagnose an einem äußeren Eindruck festmachen, den sie nach 60 Minuten haben. Warum habe ich diese ganzen Fragebögen überhaupt ausgefüllt, wenn sie sämtliche Ausprägungen und Schweregrade von Autismus innerhalb von 60 min. mit ihrem Blick ausschließen können? Außerdem finde ich es seltsam, dass ihre  Asperger-Spezialambulanz  auf ihrer Homepage nicht zu finden ist. Mich würde ihre persönliche Erfahrung mit diesem Thema, insbesondere mit der speziellen Ausprägung dieses Syndroms bei Frauen, sehr interessieren.
Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr immer wieder in Therapie gewesen, ich kenne meine Symptome, aber das Kernproblem wurde bisher nicht aufgedeckt. Im Grunde geht es mir momentan gut, ich habe durch meine Therapie gelernt mit mir und meiner Eigenart umzugehen. Ich möchte weder eine andere Therapieform, noch Medikamente oder einen Klinikaufenthalt. Es stellte sich für mich nur die Frage, wie diese Eigenart heißt.“

Wie geschrieben, ich habe diese Mail nie abgeschickt.
Und es folgte wieder ein Jahr von Zweifeln, Grübeln, hin- und hergerissen sein.
Ich bekam übrigens eine mündliche Zusage von dem Herrn, dass ich ADS und eine Hochbegabung hätte. In dem folgenden Arztbrief, auf den ich mehrere Monate warten musste stand nichts von beidem, nur eine schwere Zwangstörung, eine Medikamentenempfehlung und die dringend Notwendigkeit einer stationären Therapie, natürlich gerne in deren Klinik. Ich habe darauf nicht reagiert.
Mein Therapeutin schrieb eine Gegendarstellung dass bei mir keine Zwangsstörung vorliege und sie meine Besonderheiten in meiner Persönlichkeit begründet sieht und versuchte mehrfach jemanden zu erreichen. Zuerst wurde ihr gesagt, man hätte die ADS-Diagnose wohl vergessen in dem Brief zu erwähnen, dann hieß es wieder (nachdem wieder monatelang kein Arztbrief kam) man sein nicht bereit den Brief zu ändern.

Ich habe mittlerweile meine Asperger-Diagnose erhalten.
Ich war im November 2017 für 4 Wochen in einer psychosomatischen ReHa-Klinik wegen eines Rentenantrags. Ich hätte nie damit gerechnet, aber ich bin dort wirklich auf Verständnis, Akzeptanz und zwei kompetente Ärzte/Therapeuten gestossen.
Geht doch. 🙂

 

 

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Die Vorgeschichte zum Diagnoseversuch – oder:

…wieso bin ich da überhaupt hingegangen, zu diesem Diagnose-Menschen…?!

Schuld sind eigentlich (so blöd das auch klingt) mein Mann und Dr. Sheldon Cooper. Ihr wisst schon, Big Bang Theorie…
Ich hab das gerne geguckt, da die Jungs dort ziemlich genau so sind wie meine besten Rollenspiel-Kumpels und ich an jedem Sonntag… (nein, ich bin NICHT Penny).
Alle konnten immer über Sheldon lachen. Nur ich nicht. Ich bin immer traurig oder wütend geworden wenn sich alle über ihn amüsiert haben, da er genau das Verhalten widerspiegelt, mit dem ich bei meinem Mann riesige Probleme hatte. (Ja, das was einen am anderen nervt ist meist ganz genau das, was man an sich selbst nicht mag…)

Irgendwann hab ich dann mal in einem Artikel über die Serie gelesen, dass Dr. Cooper Asperger Autist ist. (Die Serienschreiber haben das widerrufen, aber der Schauspieler orientiert sich laut eigener Angaben am Asperger-Syndrom um die Rolle zu spielen.) Jedenfalls hat es in meinem Kopf ganz laut *KLICK* gemacht. AHA! Ich hab mich mit dem Thema beschäftigt und meinen Mann zu ca. 85% darin wiedergefunden. Und was sagt man dann? „Hey Schatz, ich weiß warum du so komisch bist…. Warum mich immer viele Leute darauf ansprechen das du unfreundlich, launisch, zu direkt und unsozial bist… du bist Autist!“ Kann man doch nicht machen… hab ich aber.
Und was sagt mein Mann (der sich schon immer selbst als „Sozialkrüppel“ bezeichnete)?
„Ach so. Ja, mach Sinn“. Damit war das Thema für ihn erledigt. Dass er selbst angefangen hat Witze darüber zu machen hat mir gezeigt dass er das wohl einfach so akzeptiert hat… Jedenfalls fällt es ihm seitdem VIEL leichter sich zu öffnen und mir zu erklären warum er gerade so und so reagiert. Und ich versteh ihn besser.

Ich allerdings hatte ein neues, spannendes Thema für mich entdeckt. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Psychologie, insbesondere mit Persönlichkeitsstörungen.
Dann kam ein unerwarteter Schlag ins Gesicht. Mein großer Sohn, damals 11, hatte schon immer Probleme in der Schule (mangelnde Aufmerksamkeit, Unordnung, Abgelenkt sein etc.) und dann äußert seine Klassenlehrerin ganz plötzlich aus heiterem Himmel den Verdacht: „Ihr Sohn könnte das Asperger-Syndrom haben.“ WAAAS?!
Mein großer Sohn ist wie ich… meine Mutter sagt, ich habe einen männlichen Klon von mir zur Welt gebracht. Sie hat schon immer viel Zeit mit ihm verbracht und mir jedes Mal ganz erstaunt berichtet wie sehr wir uns ähneln.
Eine Beobachtung in der Schule erhärtete den Verdacht, eine darauf folgende Testung schlug ihn wieder aus. Hochbegabung im sprachlichen Bereich und wahrscheinlich ADS. Bei meinem kleinen Sohn, damals 8, kamen autistische Züge heraus. (Den haben wir gleich mit getestet, da er gerade die 2. Klasse übersprungen hatte, seine Lehrerin eine Hochbegabung vermutete die bei dem Test auch Überprüft wurde, sein bester Freund ein Aspie ist und er ebenfalls Auffälligkeiten im Unterricht zeigte).

Ich habe vorher gesagt „wenn bei einem meiner Kinder irgendwelche autistischen Züge rauskommen, dann lass ich mich testen.“ Ich könnte es ja vererbt haben, mein Mann aber eben auch.
Ich habe mich dann mit Asperger in der Kindheit beschäftigt, wegen meiner Kinder und aus Interesse an dem Thema… und habe mich gefunden. Ich habe Dinge gelesen, die für mich selbstverständlich sind, weil sie immer so waren. Die ich NIE mit irgendwas in Verbindung gebracht habe. Ich fand plötzlich eine Erklärung für sämtliche Schwierigkeiten die ich jemals gehabt habe…. Das Puzzle, welches ich schon mein ganzes Leben lang versucht hatte zusammenzufügen passte plötzlich.
Ich war mit 8 das erste Mal beim Neurologen wegen Auffälligkeiten. Dann mit 14 das erste Mal in Therapie und so zog sich das durch mein ganzes Leben. Ich habe viele Diagnosen, habe mich mit ihnen beschäftigt und jedes Mal gesagt „Nee, spinnt ihr? Das passt doch gar nicht!“
Und plötzlich passte es. Ich habe sehr viel geweint in dieser Zeit. Ich habe „Schattenspringer*“ gelesen und abwechselnd laut gelacht und noch lauter geheult. Viele meiner Verhaltensweisen hatte ich bisher gar nicht bemerkt oder als „unnormal“ eingestuft; woher soll man auch wissen dass andere anders denken, wenn man nicht in deren Kopf gucken kann?

Für mich ist es normal, alles zu zählen. Alles. In einem bestimmten Ablauf und Muster.
Ich hab nicht gewusst dass 1, 3, 5, 7, 11, und 13 Primzahlen sind und warum die 9 dazwischen irgendwie nicht passt und viel tiefer klingt als die anderen in der Reihe.
Ich habe nie verstanden warum die anderen Mädchen mich doof fanden, obwohl ich doch immer versucht habe mich mit ihren Themen zu beschäftigen damit man sich unterhalten kann… weil sie Dinosaurier doof fanden. Sie mochten Pferde und BoyBands. Aber für den exakten Aufbau eines Pferdeskeletts und deren evolutionäre Entwicklung oder die Geburtsdaten- und Orte der einzelnen Mitglieder ihrer Lieblings-Band haben sie sich dann doch nicht interessiert.
Ich wollte lieber Manuela heißen, das hab ich meiner Mutter mehrfach gesagt. Ich hatte 2 Manuelas in meiner Klasse, die fanden alle toll. Also sollte das doch funktionieren wenn ich auch Manuela heißen würde. Ist doch logisch.
Die haben auch nie verstanden dass Benjamin Blümchen mit allem Recht hatte. Man darf andere Kinder nicht ärgern. Jeder ist gleich. Hilf den Schwächeren. Das waren doch moralische Lehren aus den Geschichten die man wunderbar anwenden konnte um mit anderen zurecht zu kommen. Das hab ich denen dann auch gesagt, wenn mal wieder jemand geärgert wurde weil er nicht die „richtigen“ Klamotten trug. Sie haben mich ausgelacht. Haben die die Geschichten denn nicht verstanden? Die hören die doch auch!
Ich bin nach der Schule oft weinend nach Hause gekommen, weil alles ungerecht war. Oder ich habe einfach den ganzen Nachmittag geschlafen. Und viel alleine gespielt. Alles andere war zu anstregend. Ich hatte bereits als Kleinkind Dissoziationen („Alice-im-Wunderland-Syndrom“, wenn man sich zu groß oder zu klein fühlt) und als Grundschülerin schon Migräne und Herzrhythmusstörungen.
Ich habe mit 6 Jahren einen sehr drastischen Hilferuf an meinen Klassenlehrer gesendet. Ich habe ein Bild gemalt, welches ausdrücken sollte „Ich glaube ich brauche Hilfe! Jemand sollte sich mich mal genauer anschauen, ich glaube langsam mit MIR stimmt etwas nicht“. Er hat es nicht verstanden. Und ich konnte es nicht anders kommunizieren. Es ist bei dem einen Versuch geblieben.

Mein inneres Erleben nach dem gescheiterten Diagnoseversuch gleicht exakt dem Gefühl, welches ich damals hatte als mein Lehrer sich das Bild gar nicht richtig angeguckt hat und einfach zum normalen Unterrichtsgeschehen überging.
Er hat es einfach nicht gesehen. Er hat MICH nicht gesehen.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Aus „der kleine Prinz“, Antoine de Saint-Exupéry

*“Schattenspringer“ ist eine GraphicNovel von Fuchskind.

Vorgespräch Diagnostik (erster Beitrag einer Verdachtsautistin)

Mein Tag fing damit an, dass ich aufstand und die Wurst und das Brot sich nicht da befanden wo sie hingehören. Nicht in der Küche an ihren eigentlichen Plätzen, sondern im Zimmer meines großen Sohnes auf der Fensterbank. Das geht nicht. Es geht auch nicht, dass meine Kinder nicht einfach sagen „sorry, ich war es, ich räum es weg“ sondern sich gegenseitig versuchen, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich steh davor und kann absolut nicht sagen wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Sehe ich nicht. Das macht mich wütend, weil ich immer alles analysiere, aber dabei sind meine Skills am Ende. Ich kriege es nicht raus. Und sie machen weiter. Ich werde laut. Ich schreie, ich werfe Dinge durchs Zimmer an den Schrank und auf den Boden, die ich gerade in der Hand habe. Eine leere Plastikflasche, das Brot und die Wurst. Die Wurst verteilt sich auf dem Fußboden. Ich schicke die Kindern ins Bad und hocke mich auf den Boden. Atmen… meine Ohren pfeifen, mein Herz rast und stolpert.  Die armen Kinder.
Das nächste was ich weiß ist, dass ich im Flur stehe und meine Jacke anziehe. Mein Großer kommt runter und sagt „Ja, ich war es, ich hatte halt noch Hunger“. Dann sag das, räum es weg und alles ist gut. Lüg mich nicht an. Mein Kleiner legt seine Handschuhe auf den Schrank im Flur… die gehören da auch nicht hin, die gehören IN den Schrank… wieder werde ich laut, es klingelt an der Tür und ich erschrecke mich, da ich genau unter der Klingel stehe. Kann nicht zur Tür gehen, kann mich nicht bewegen, bin zu wütend. Alles ist rot. Es klopft am Fenster, meine Mutter. Ich schreie sie durch das Fenster an „JA MANN!!!!!“ Wieder Ohrenpfeifen. Ich gehe einfach raus und knalle die Tür, ohne mich noch einmal umzudrehen. Steige ins Auto. Rede nicht und schließe die Augen. Nicht ansprechen. Ich spüre meinen Herzschlag im ganzen Körper und merke, wie mir schwarz vor Augen wird. Ich atme ganz bewusst und kaue auf meinen Zähnen rum, zerdrücke meine Hände. Nicht wackeln, das sieht komisch aus. Die Fahrt ist zum Glück lang genug um mich einigermaßen zu beruhigen, aber ich stehe immer noch neben mir. Ich betrete die Klinik um 09:45 und fühle mich wie Pinocchio… als wäre ich aus Holz, ganz steif.
Erst mal zum Pförtner, der schickte mich zum Aufnahmebüro. Dort habe ich geklopft und bin reingegangen und wurde prompt von der Anmeldedame angeschnauzt „Draußen warten, hier ist jemand drin!“

Oh. Okay. Da war kein Schild oder so. Also gewartet bis jemand rauskam. Nochmal geklopft. Keine Reaktion von drinnen. Nochmal geklopft. „JA!“ *urgs* das ging schon mal gut los, zu dem Zeitpunkt hatte ich schon Herzrhythmusstörungen. Nun gut, Zettel unterschrieben und versucht, mir die Wegbeschreibung zu Dr. Müller zu merken.

Flur runter, rechts, Treppe runter, rechts und dann beim Fahrstuhl ist der Eingang… da standen aber die Namen von 2 anderen Ärzten auf der Tür… also andere Richtung, auch nichts… *Herzstolpern wird immer schlimmer, Flimmern vor den Augen fängt an.* aaaatmen… nochmal genau gucken. Ich bin dann 2x in jede Richtung gelaufen, immer ein Stück weiter.

Ah okay, vielleicht meinte sie den Flur neben dem Eingang… also da runter… irgendwann kam die Tür mit dem Namen Dr. Müller. Geklopft. Keine Reaktion. Hm.

Wenn ich jetzt einfach die Tür aufmache werde ich wieder angeschnauzt, also warten. Hab mich auf einen Stuhl gesetzt gegenüber der Tür. Oder doch reingehen? Was wenn ich zu spät komme? Es ist bestimmt schon 10:00. Nee, dann werde ich wieder angeschnauzt. Oder doch rein? Woher soll ich, verdammt nochmal, wissen, was der erwartet?

Inzwischen saß ich so verkrampft auf meinem Stuhl, dass mit die Beine wehtaten und ich hatte das dringende Bedürfnis, mich in den Schneidersitz zu setzen oder die Knie ranzuziehen und rumzuschaukeln…. aber das sieht komisch aus. Aber hier sind doch alle komisch. Deswegen bist du doch hier… Ich habe mich nicht getraut. Irgendwann hab ich mich dann doch erwischt wie ich die Wand anstarrte und ganz langsam von links nach rechts hin- und herschaukelte, wurde ruhiger.

Dann ging plötzlich die Tür auf, ganz abrupt. Hab mich erschrocken… und da steht der Typ, so um die 55, graue Haare, Bart, Pullunder… zeigt auf mich „Sie sind?“ Ich starre ihn an. „Ihr Name?!“  *Ähm, Meier* Tür wieder zu. Aha… Tür wieder auf.

„Kommen Sie rein“ Ich geh rein, ein kleiner Tisch, 2 Stühle gegenüber… viel zu kleiner Tisch. Ich sitze viel zu nah an dem dran. Lehne mich nach hinten. 2 Neonröhrenlampen. Penetrantes, lautes Ticken einer Uhr, 10:20.
Er hat lauter knallgelbe Zettel mit Linien drauf. Ich lege ihm die Aufkleber, die sie mir in der Anmeldung gegeben haben auf den Tisch, er klebt die Aufkleber auf Zettel und summt „Hmmm, Hmmm, Hmmm,“ voll komisch. Warum summt der?

Guckt mich an. „Warum glauben sie Autistin zu sein?“ Ich sag gar nix. Sitz da wie doof. Irgendwann fang ich an zu reden von Verdacht bei den Kindern, wobei bei einem Sohn autistische Züge festgestellt wurden, beendeter Therapie mit ratloser Therapeutin, mehreren Diagnosen in der Vergangenheit… Er unterbricht mich „Andere Erkrankungen?“ Naja Migräne, Mitralklappenprolaps, Lebensmittelunverträglichkeiten…

Ob ich in Therapie bin. *aktuell nicht, meine Verhaltenstherapie ist jetzt nach 2 Jahren durch. Meine Therapeutin sagt sie kommt an einigen Punkten mit mir nicht weiter, darum bin ich unter anderem hier.“

Dann fragt er wovor ich Angst habe und welche Symptome ich dabei habe. Beschreibe ich ihm. Wann ich das zuletzt hatte, fragt er, ich sage „eben als ich nach ihrem Zimmer gesucht habe.“ Wovor haben Sie noch Angst. -Menschenmengen? *geht so, wenn ich am Rand stehe* -Höhen? *Nur wenn ich frei stehen muss* -Tiere? *Nein, ich liebe Tiere. Eher unbekannte Situationen oder wenn ich lange autofahren muss, wo ich mich nicht auskenne. Ich hatte mal ne Panikattacke im Kaufhaus weil die die Regale umgestellt haben und ich nicht mehr wusste, wo ich bin* Er schreibt auf seinen Zettel „Angststörung“ und liest es dabei laut vor.

„Zwangsgedanken?“ *Ja, ich zähle alles… schon immer, solange ich denken kann, das läuft als automatisches Programm in meinem Kopf ab* Ob mich das stört fragt er. *Naja irgendwann, als es mir bewusst geworden ist, hat es mich erschreckt und gestört, dann sagte mir ein Psychiater, dass das ein Programm meines Gehirns ist, um meine Umgebung nicht so chaotisch wirken zu lassen… seitdem geht es.*

Dann klingelt sein Telefon. Er nuschelt etwas von „bitten rausgehen kurz“ und ich starre ihn an. Was? Wie rausgehen, das ist mein Termin, warum soll ich rausgehen?! Er nimmt der Hörer ab, guckt zu mir und wedelt mit der Hand. Ah okay, der meint das ernst… ich nehme meine Tasche und gehe vor die Tür, lehne sie an. Er drückt sie zu. Ich lasse mich neben der Tür auf den Boden sinken und vergrabe meinen Kopf zwischen meinen Armen, ist mit scheißegal wer da vorbeigeht… denken, denken, ruhig denken, was wolltest du sagen… ich hab jetzt schon das Gefühl die Kontrolle verloren zu haben und gar nichts von dem sagen zu können was ich eigentlich sagen wollte. Tief und langsam atmen… nicht hyperventilieren… okay, auf stehen. Ich lehne mich an die Wand und wippe mit den Füssen auf und ab. Das ist nicht gut. Konzentrier dich. Sei nett. Machs wie bei deinem Hausarzt, lächeln und winken, dann gehts schon.

Die Tür geht wieder auf. Ich setze mich. Dann folgen völlig unstrukturiert und ohne erkenntliche Reihenfolge Fragen zu Ausbildung, Schule, etc. aber immer wenn ich gerade meine Gedanken dazu sortiert habe und erzählen wollte, einen Satz gesagt habe schmeißt er mir das nächste Stichwort an den Kopf. Ich kann nur Fetzen von mir geben. Das Stichwort „Waldhaus“ fällt, das ist eine psychiatrische Klinik, in der ich mit 18 für 6 Wochen war, weil einfach niemand wusste, was mit mir los ist und meine damalige Therapeutin meinte, die sollten da mal intensiver gucken. Nebenbei krame ich auf der Suche nach etwas Geordnetem, an dem ich mich festhalten kann, meine umfangreichen, mitgebrachten Unterlagen raus. Er hat bei einem vorhergehenden Telefongespräch darauf bestanden, dass ich Mutterpass und Untersuchungsheft, Zeugnisse, Therapie- und Arztberichte mitbringe. Ich habe das in den letzten Wochen zusammengesucht und sortiert.

Dabei: -Mutterpass, Untersuchungsheft vom Kinderarzt

-Zeugnisse von der 1. bis zur 9. Klasse

-2 Arztberichte vom Neurologen aus 1989 als ich 8 war, Diagnose: kindliche Migräne und zu langsame Hirnströme

-Therapiebericht Kinder- und Jugenpsychatrie von 1998, kein Gespräch möglich da ich den Raum verlassen habe, Diagnose: Adoleszenzkrise, depressive Episode, herabgesetzter Affekt und Antrieb.

-Therapiebericht Fachärztin für Psychatrie von 1999, Schlafstörungen, Depression, Antriebsschwäche, keine Besserung der Symptome unter Fluctin. Abgesetzt, verordnet Cipramil 20 mg

-Therapiebericht der stationären Einrichting von 2000: schwere Verselbstständigungskrise, mangelhafte Belastbarkeit, starke Somatisierungsneigung, narzisstisch-ängstliche Persönlichkeitsentwicklung. Schwierigkeiten altersgemäß über innere Vorgänge, Gefühle und Reaktionszusammenhänge zu reflektieren, stereotype Rückzugs- und Weglaufsymptomatik. Trennungs- und Ablösungsprobleme. Überfordert mit Eigenbewältigung. Befürchtung zunehmender Entwicklungsstagnation.

-Therapiebericht Psychiater/Neurologe von 2000: Komplexe Migräneaura, depressives Syndrom, selbstverletzendes Verhalten, Störung der Persönlichkeitsentwicklung. Verordnet: Triptane

-Arztbericht Neurologe von 2010: Migräne mit komplexer Aura, Dissoziationsstörung. Triptane helfen nicht. Topipramat 2x 50 mg (Epilepsieprophylaxe)

-Schädel- Gehirn- und Hirnvenen- MRT mit Bildern von 2011

-Arztbericht Neurologe/Psychiater aus 2011: bipolare affektive Störung mit mittelgradiger depressiver Episode, SSV. Doxepin 25 mg wirken nicht, jetzt Paroxetin 10 mg. Dringend Psychotherapie!

-Therapiebericht Psychotherapie 2011: emotional instabil PSST, schizotypisch, Bordeline, (alle zu fast gleichen Anteilen laut Fragebogen) depressive Episode, Zählzwang

-Therapiebericht von 2013: Panikstörung, depressive Episode

-Therapiebericht von 2015: das gleich wie 2013 ^^

Er sieht sich das oberste meiner Zeugnisse aus der 9. Klasse kurz an und murmelt „Versetzung gefährdet“. Die anderen sieht er sich nicht an. In ausnahmslos jedem meiner Zeugnisse steht „unkonzentriert, abgelenkt, zu langsam, passiv und zurückhaltend, kann alle Inhalte aber erfassen. Mitarbeit stark vom Interesse abhängig“.

Dann überfliegt er der Therapiebericht aus dem Waldhaus, sagt aber nichts dazu. Macht sich Notizen.

Er legt mir ein Bild vor, ein buntes Gemälde, auf dem eine Szene zu sehen ist. Ein gedeckter Tisch mit vielen Menschen, der auf einer Wiese steht, Landschaft. Ich soll ihm sagen was mir ins Auge sticht. „Da ist ein Tisch mit Menschen, die essen. Im Vordergrund stehen immer 3 Bäume zusammen, im Hintergrund immer 4.“ Er erzählt kurz von einem Urlaub in Mexico, wo er ganz herzlich und gastfreundlich von einer großen Familie zum Essen eingeladen wurde. Ich mache „Hm.“

Dann legt er mir 6 einzelne Bilder nacheinander vor und lässt sie mich jeweils kurz ansehen. Danach fordert er mich auf, mich in die Ecke zu stellen und die Geschichte zu erzählen… ich kann aber leider keinen richtigen Zusammenhang erkennen und sage nur was auf den einzelnen Bildern zu sehen war und dass ich die Geschichte nicht verstanden habe. Irgendwas mit Affen, einer Palme und einer Kokosnuss. Ach, das waren 2 verschiedene Affen… ich hab mich gewundert, wieso der Affe erst oben sitzt und dann plötzlich unten… okay. Hm. Ich darf mich wieder hinsetzen.

Gucke nach vorne und erschrecke mich tierisch, da ist ein Fenster in dem plötzlich ein Fensterputzer auftaucht und seinen Job macht. Dr. Müller fängt an zu lachen, ich atme. Zwischendurch im Gespräch klingelte noch 2x das Telefon. Da durfte ich aber drinbleiben, die Anrufer wimmelte er recht energisch ab. Ich nutze die Zeit um vor mich hin zu träumen.

Dann sagt er „Sie arbeiten ja als Erzieherin….“ Ich sage *nein, ich habe eine schulische Ausbildung zur Kinderpflegerin gemacht und schon während des Praktikums gemerkt, dass ich das nicht machen kann. Das ist mit zu viel. Ich arbeite im Sportverein mit Kindern und habe ein Kleingewerbe.* Er schreibt „Ah, sie sind also selbstständig…“

Langsam entspanne ich mich ein wenig, ich habe mich an den Raum gewöhnt, alle Schranktüren, Knöpfe und Bilder mehrfach gezählt. Jetzt kann ich langsam umschalten auf angucken, interagieren, das ist der Modus, wenn ich mein Kind von der Schule abhole, arbeiten bin.
Dann fragt er mich nach Beziehung und Freunden…Und ja, ich hab Freunde, eine beste Freundin. Seit 2007. Die wohnt aber 618 km weg, wir sehen uns selten.
Was ich an ihr mag, was eine Freundschaft ausmacht… ja das sage ich ihm… dass man ehrlich ist ist wichtiger als dass man immer nett ist, füreinander da sein, sich helfen. Ich finde sie ist ein toller Mensch und ich bewundere sie.

Warum mein Mann mein Mann ist… was meine Ehe ausmacht. Da reitet er ewig drauf rum, hakt 3x nach. Ich sage dass wir gut zusammen passen und ein gutes Team sind, dass ich nichts hinkriege wenn mein Mann nicht da ist, dass er auf mich aufpasst und für mich da ist. Mir fällt gerade ein, ich habe gar nicht gesagt, dass ich ihn liebe.

Ich denke gerade noch nach was ich über meinen Mann sagen kann, da sagt er „Wollen Sie meine ehrliche Meinung hören?“

Ich sage *ja klar, darum bin ich ja hier*

„Sie sind keine Autistin. Autismus ist eine schwere Kontakt- und Kommunikationsstörung. Sie waren am Anfang sehr kontrolliert, dann haben sie aber Mimik gezeigt und mich sogar angeguckt, ganz natürlich.“ Ich empfinde es genau gegenteilig. Am Anfang habe ich mich total chaotisch gefühlt und wäre beinahe durchgedreht, nachdem ich vor der Tür war konnte ich in meinen „Draußen-Modus“ wechseln.  Ich hole aus um zu sagen *ja, das kann ich, weil ich wenn ich Menschen angucke immer die Fixpunkte in ihrem Gesicht zähle… Ohren, Augen, Nase, Mund, Ohren, Augen, Nase, Mund… weil man mir als Kind immer gesagt hat „guck mich an, wenn ich mit dir rede“…. Ich komme aber nur bis zu *Ja, das kann ich*, dann fällt er mir ins Wort. Jetzt redet er sehr laut, sein Tonfall ist unfreundlich und harsch. „Sie haben eine Angststörung. Aber Sie haben ja eine Therapeutin, gehen Sie dahin zurück.“ Ich stammele *ja, aber die Therapie ist abgelaufen…*
„Na dann gehen Sie halt zu ihrem Neurologen.“ Ich bin etwas verwirrt und weiß nicht, was ich sagen soll. Ich sammele meine Unterlagen ein und stehe auf. Ich gehe zur Tür, stehe etwas unter Schock von diesem doch sehr abrupten Abbruch des Gespräches, denn das war es für mich.

Es gab keine einzige Frage zu meiner Kindheit und Schulzeit. Ich dachte meine Hyperlexie hätte ihn interessieren können.

Dass ich ein Schreikind mit Wutanfällen war vielleicht auch. Und dass ich schon als Säugling meine Füße aneinandergerieben habe, bis sie blutig waren. Dass meine Mutter immer versucht hat, Freunde für mich zu finden und sich deswegen mit anderen Eltern angefreundet hat, damit ich wen zum spielen habe.

Kein weiterer Blick in meine mitgebrachten Unterlagen, die er im Vorfeld am Telefon als so wichtig bezeichnet hat, er könne ja aus sowas und aus Zeugnissen ganz viel rauslesen. Hm…

Keine Fragen zu meinen alltäglichen Problemen.

Keine Fragen zu Gewohnheiten, zur Wahrnehmung oder Reizverarbeitung.

Ich hatte einen Gesprächstermin um 10:00 Uhr, Dauer sollte 60 min sein. Das Gespräch begann um 10:20, zwischendurch war ich ca. 5 Minuten auf dem Flur, um 10:58 stand ich wieder vor der Tür. Das waren also gute 30 min.

Ich habe mich am Ende sehr energisch vor die Tür gesetzt gefühlt, was ich als respektlos und unfreundlich empfunden habe. Das ganze Gespräch empfand ich als sehr unstrukturiert, konzeptlos, unorganisiert und sehr gehetzt. Ich hatte keine Gelegenheit meine Gedanken zu sortieren oder auf Dinge einzugehen, die mir als wichtig oder relevant erscheinen.

Raus vor die Tür… ich kann mich nicht daran erinnern, wie ich die Klinik verlassen habe. Ich stehe draußen, ich zittere und habe ganz wackelige Knie. Ich rufe meine Mutter an, dass sie mich abholen soll und stehe an der Straße.  Ich rauche 2 Zigaretten nacheinander und laufe hin und her. Keine klaren Gedanken. Was ist da gerade passiert?
Ich steige ins Auto ein. Sie fängt an, mich auszufragen, ich werde wieder laut und schnauze sie an. Lass mich in Ruhe. Nicht reden. Nicht jetzt. Ich bin völlig steif und starre vor mich hin. Irgendwann bringe ich ein paar Sätze raus, die Fahrt dauert 45 min. „Der ist ein Arsch.“ Ich bin wütend. Ich habe das Gefühl komplett in mir drin gefangen zu sein. Klebe in mir fest. Alles brodelt. Ich bin ganz ruhig. Steige Zuhause aus und tippe erstmal runter, was passiert ist. Beim schreiben kann ich mich etwas sortieren und begreife, was passiert ist. Ich bin müde, kann kaum die Augen aufhalten, mein Körper  fühlt sich an wie aus Blei. Meine Hände tippen wie von selbst und ich suche Kontakt übers Internet zu Menschen die mich vielleicht verstehen können. Irgendwann wird auch das zu viel. Ich lege mich ins Bett und bin froh dass ich bis 16:00 Uhr meine Ruhe habe. Ich schlafe sofort ein.
Mein Mann weckt mich um 16:20 und fragt „Na, wie wars?“ Ich fange an zu weinen und bringe ein paar Sätze raus, dann schiebe ich ihn von mir weg, kann keine Berührung ertragen, flüchte aus dem Bett und setze mich auf den Fußboden. Bilder tauchen in meinem Kopf auf wie ich meinen Kopf an die Wand schlage, meine Hände gegen meinen Kopf schlage, mir wehtue weil es innen so weh tut. Dieses Mal tue ich es aber nicht. Manchmal geht es nicht anders. Es brennt in meiner Brust und ich kann kaum atmen, schnappe laut nach Luft, klopfe mir auf die Brust. Ich gebe laute Wein- und Schluchzgeräusche von mir… was anderes geht nicht. Ich hasse das. Hasse mich. Ich fühle mich nicht wie ein Mensch. Ich kann das nicht kontrollieren. Ich liege irgendwann auf dem Boden, starre an die Wand und bin wie gelähmt. Als ich wieder etwas wahrnehme ist es 17:30. Ich habe Kopfschmerzen und fühl mich wie ein Zombie.
Den nächsten Tag verbringe ich mit schlafen und weiterem reflektieren der Situation.
Das wars. Kein Autismus.