Reblogged: Der Diagnoseprozess.

Viele Menschen mit Verdacht auf Autismus wissen nicht, wie die Autismusdiagnostik abläuft (so ging es mir auch). Bei Hobbithexe lief die Diagnostik im Großen und Ganzen ähnlich ab wie bei mir (ich war bei einer Diagnostikstelle in einem anderen Bundesland). In der Regel muss man auf den ersten Termin recht lange (ca. ein Jahr) warten.

Hobbithexe

Lange war ich mir nicht sicher, ob ich so einen Diagnoseprozess überhaupt über mich ergehen lassen will und ob ich so eine Diagnose wirklich brauche. Ich hatte viel gelesen, gegrübelt, analysiert, mich beobachtet und jede Menge gedankliche Zeitreisen in meine Vergangenheit gemacht. Ich hatte sehr viel über mich gelernt, so vieles endlich verstanden und kam dadurch so viel besser mit mir zurecht. Eigentlich war das schon alles, was ich wollte.

Irgendwann brauchte ich aber doch Gewissheit. Ich hatte Sorge, dass ich manches überbewerte, falsch einordne und nicht richtig erkenne. Ich wollte eine objektive Meinung von jemandem, der sich wirklich gut mit Autismus auskennt, denn das Thema ist sehr komplex. Also beschloss ich, mich an die psychiatrische Autismus-Ambulanz in meiner Stadt zu wenden. Und ich fing natürlich auch an zu googeln, weil ich wissen wollte, wie so ein Diagnoseprozess abläuft. Außerdem war die Wartezeit ziemlich lang und ich ziemlich nervös. Ich…

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Psychotherapie-Ausbildung in progress

Ein paar Zeilen dazu, wie es mir in der Ausbildung zur Psychotherapeutin ergeht (eigentlich wusste ich gar nicht, was ich schreiben will – ein paar Zeilen sind es jetzt doch geworden, das freut mich sehr).

Die Arbeit mit den PatientInnen steht noch aus. Darauf freue ich mich einerseits, weil ich mir sicher bin, dass ich Spaß an dieser Arbeit haben werde. Andererseit bin ich ganz besonders gespannt, wie und ob diese funktionieren wird und wie sehr mich das Ganze auslaugt. Man hat mich schon darauf vorbereitet, dass die PatientInnen eher schwierig sind. Die Arbeitszeiten und das zeitliche Arbeitspensum über die klinische Arbeit hinaus werden sehr hart sein. Finanziell bleibt es, abgesehen von den Ausbildungskosten, sehr schwierig, weil (wieder mal) ein Umzug mit (natürlich) Kaution und Anschaffungen bevorsteht.                                                                                                                                                             Mein Crowdfunding dazu läuft noch neun Tage, 30% des Zielbeitrags sind erreicht (ganz großen Dank an meine bisherigen UnterstützerInnen!!!). Hier ist der Link zum Blogbeitrag über die Ausbildung mit dem noch aktiven leetchi-Crowdfundinglink http://wp.me/p5NL8S-df.

Es gibt aber auch viel Positives zum theoretischen Teil der Ausbildung zu berichten (das bezieht sich jedoch weniger auf die bisher vermittelten Inhalte). Man mag es kaum glauben, aber bisher bin ich keine Außenseiterin im Jahrgang. In weiser Voraussicht, dass ich alleine bleiben würde, wenn ich aktiv nichts unternehme, habe ich von Anfang an im Kurs Ausschau nach Menschen gehalten, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin (das war tatsächlich bei einer Person der Fall, die auf den ersten und zweiten Blick eher dem „Außenseiter-Klischee“ entsprach). Dadurch, dass ich einer Arbeitsgruppe zugeteilt wurde, lernte ich auch andere TeilnehmerInnen etwas besser kennen und kann mich mittlerweile mit ihnen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Eigentlich habe ich immer jemanden zum Reden oder die Mittagspausen zu verbringen, wenn ich möchte (und werde auch von den anderen gefragt, wo ich denn meine Pause verbringen werde – eine neue Erfahrung :)).

Inhaltlich hoffe ich, dass mir noch therapeutisches Handwerkszeug vermittelt wird (das war bisher noch nicht in dem Maße der Fall, wie es für die Patientenarbeit hilfreich wäre). Im Zweifelsfall kann man sich immer noch viel anlesen (da bin ich auch schon von Anfang an fleißig dabei) und dann heißt es „ins kalte Wasser geschmissen werden“ und „learning by doing“. Sie dürfen mir gerne weiterhin die Daumen drücken, dass das alles gut klappt :).

Über Soziales, Müdes und Falsches zu Autismus

Soziales: AutistInnen wollen nicht in ihrem „stillen Kämmerlein“ hocken. Jedenfalls nicht immer. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es viele trotzdem tun, weil sie nicht den Eindruck erwecken, dass sie gerne an einer Party/Treffen/Spieleabend teilnehmen würden. Vermutlich wirken wir im besten Fall desinteressiert und im schlimmsten Fall arrogant. Dabei ist es für die Umwelt egal, ob sie weiß, dass sie es mit AutistInnen zu tun hat oder nicht. Man wirkt desinteressiert und wird nicht eingeladen. Punkt. Oder wird nicht eingeladen, weil man sich unter Menschen entweder zu wenig sozial, zu viel oder zu wenig kommunikativ zeigt oder zu nerdy wirkt.

Müdes: Wenn ich den ganzen Tag eine stimmliche Geräuschkulisse ertragen muss und mich auch noch auf dem Heimweg unterhalten muss, bin ich erstmal fertig und möchte nichts außer Ruhe (=Tür zu und nichts mehr hören und mit niemandem reden müssen). In meinem momentanen Nebenjob ist es den ganzen Tag über laut bis sehr laut. Ab Arbeitstag zwei falle ich um acht Uhr ins Bett und bin froh, dass ich mich im Schlaf halbwegs erholen kann, um mich morgens früh wieder für die Arbeit fertigmachen zu können. Egal, wieviel ich schlafe: Ich sehe so aus, als ob ich die Nacht durchgemacht hätte  und es kommen blöde Sprüche wie „aber du hast doch gestern den ganzen Tag geschlafen!“. Ich bin permanent am Gähnen. Kaffee hilft da nicht.

Soziale Interaktion, mit vielen verschiedenen Menschen und den ganzen Tag über, strengt furchtbar an. Smalltalk ist sehr anstrengend. Wenn spontan etwas Unvorhergesehenes passiert, zerrt das an den Kraftreserven und meine Batterien sind an diesem Tag dann etwas schneller leer als wenn alles glatt läuft.

Falsches: In einer Veranstaltung, die ich besucht habe, wurde (von einem Arzt, der kein Autismus-Spezialist ist) behauptet, dass alle Autisten glücklich wären, wenn man sie in Ruhe lassen wüde. Am besten, man würde sie im Keller arbeiten lassen, wo sie keine Menschen treffen würden. Dann wären sie happy.Sie würden sich nicht für das Gegenüber interessieren, wären nicht in der Lage, Emotionen zu erkennen, ganz zu schweigen davon, dass sie etwa empathisch sein könnten.

Dieses veraltete Wissen wird in der ein oder anderen Veranstaltung weitergegeben. An Fachleute weitergegen, was überhaupt nicht passieren darf, weil genau so Fehldiagnosen entstehen oder Diagnosen gar nicht erst gestellt werden können.

Fazit: Ladet uns ein. Wenn wir uns wohlfühlen, sagen wir oft genug auch zu. Akzeptiert es, dass uns Soziales anstrengt und wir oft einfach fertig sind und es nicht heißt, dass wir nichts mit anderen zu tun haben möchten. Und gebt „richtiges“ Wissen über Autismus weiter, es ist wichtig.

Aus{beutung}bildung, oder was ich jetzt eigentlich mache und warum ich Ihre Hilfe brauche

Mein letzter Blogeintrag und  dieser Link (https://www.leetchi.com/c/soziales-von-klari-n) brauchen eine Erklärung.

Sie wissen ja gar nicht wirklich, was bei mir seit diesen Sätzen „Der „Bewerbungszirkus“ ist in meinem Fall noch nicht abgeschlossen. Sie können mir sehr gerne für noch offene Bewerbungen die Daumen drücken und auch für Bewerbungsgespräche, die hoffentlich noch kommen werden.“ aus dem Beitrag vom 24.05.16 passiert ist.

Ich befinde mich in einer Weiterbildung zur Psychotherapeutin. Diese Weiterbildung kostet 10. – 20.000 Euro und bis zur Hälfte der Weiterbildung (diese Hälfte muss ich momentan irgendwie hinter mich bringen) verdient man so gut wie nichts. Man muss selbst sehen, wie man über die Runden kommt. Viele können durch die Eltern unterstützt werden. Einige greifen auf Erspartes zurück. Beides trifft auf mich nicht zu – ich habe keine Ersparnisse und kann nicht auf eine Unterstützung durch meine Eltern hoffen, die selbst nichts haben.

Ich habe mich im Vorfeld an verschiedenen Stellen erkundigt, mir stehen keine finanziellen Hilfen (wie BAföG, Berufsausbildungsbeihilfe und was es noch alles gibt) zu. Gar. Nichts.

Auch ein Nebenjob neben der Weiterbildung und der damit verbundenen Tätigkeit in einer Klinik ist einfach nicht möglich. Vom Energielevel her verlangt mir die Ausbildung alles ab und mir als Autistin steht einfach weniger Energie zur Verfügung als anderen WeiterbildungsteilnehmerInnen, die vielleicht 60 Stunden die Woche arbeiten können und nicht zusammenklappen. Mal abgesehen davon, dass es fast unmöglich sein dürfte, so einen Nebenjob zu finden.

Diese Zeit wird vorbeigehen und dann geht es wieder bergauf. Bis dahin hoffe ich weiterhin auf die Unterstützung von lieben Menschen und bedanke mich fürs Lesen und Teilen dieses Blogbeitrags. Offene Fragen zur Weiterbildung beantworte ich sehr gerne.

Ich entschuldige mich für diesen Aufruf als Offtopic in unserem Blog. Der Aufruf hat keinen direkten Zusammenhang zum Thema „Autismus“, musste jetzt aber sein ;).

Ich brauche immer einen Plan. — Hobbithexe

Reblogged von „hobbithexe“.

Das ist sehr schön beschrieben. Das mit den neuen Orten/Bahnhöfen kenne ich zu 95% genauso (der Tipp mit dem Satellitenbild ist sehr gut, weil ich an den Ausgängen fast immer in die falsche Richtung laufe). Ich habe mich früher Mal gefragt, ob es nicht alle Menschen so machen, die zu einem neuen Ort/wichtigen Termin mit dem Zug reisen?“

 

„Ich brauche immer einen Plan. Ohne Plan gehe ich nirgendwo hin. Das gilt natürlich ganz besonders für Orte, an denen ich noch nie war und für Dinge, die ich noch nie gemacht habe. Je bekannter der Ort ist, an den ich gehen will oder je öfter ich das, was ich machen werde, schon gemacht habe, […]

über Ich brauche immer einen Plan. — Hobbithexe