Spezialinteressen der Frau Anders

Oh ja, die lieben Spezialinteressen. Die wechseln bei mir irgendwie stetig. Ich arbeite mich solange in ein Thema ein bis ich fast alles weiß und dann wird es mir schrecklich langweilig damit. Um mich mal an frühere  und längst vergessene Spezialinteressen zu erinnern, versuche ich mal ein paar hier aufzuschreiben.

Ich habe schon immer gerne gelesen. Selbst als kleines Kind das noch nicht lesen konnte. Phantasiewelten waren schon immer meine. Ich las gerne Geschichten, Bücher und sog alles Geschriebene was ich in die Finger bekam förmlich auf. Ich bin als kleines Kind trotz Ostzeiten mit Mickey Mouse und Donald Duck sozialisiert worden. Mein Vater war damals Lehrer und mußte den Schülern die heimlich mitgebrachten Hefte abnehmen. Naja und die bekam dann halt ich 😉 Ich hab die Dinger geliebt. Ich weiß wirklich alles über Entenhausen und kenne jedes lustige Taschenbuch bis heute komplett auswendig.

Als kleines Mädchen liebte ich natürlich auch Tiere. Insbesondere liebte ich Hunde und Pferde. Ich lernte schon früh alles über verschiedene Pferderassen, las mich in medizinisches Fachwissen ein und was weiß ich nicht noch alles. Natürlich konnte ich damals auch perfekt Pferde zeichnen, was ich fast täglich machte. Ich machte sämtliche Reitausbildungen in sämtlichen Klassen mit und habe viele Jahre lang intensiv Springreiten betrieben weil mir das am meisten Spaß gemacht hat. Ich gewann die dollsten Turniere, hatte irgendwann ein eigenes Pflegepferd usw. Irgendwann verlor ich dann mein „eigenes“ Pferd und trat notgedrungen in einen neuen Verein ein, in dem ich mit all diesen pferdebegeisterten Mädchen die sich permanent miteinander messen mußten nicht klarkam. Das war die Hölle für mich. Also hörte ich irgendwann komplett mit allem was Pferde angeht auf und saß seither nie wieder auf einem Pferd, was ich bis heute sehr bedaure.

Autos waren auch mal mein Spezialinteresse als kleines Mädchen. Ich kannte wirklich jedes Auto und habe sogar als ganz kleiner Stöpsel mit meinem Vater unter unserem Auto gelegen und geschraubt. Ich habe Matchbox gesammelt, mein Zimmer hing voller Autoposter und ich habe geübt Autos am Geräusch identifizieren zu können. Wer mich heute kennt würde das kaum glauben, denn Autos interessieren mich jetzt nur noch zum fahren und alles was Autos angeht ist inzwischen Spezialsache meines Mannes.

Neben den genannten Sachen ist natürlich auch Fußball meine große Liebe gewesen. Ich sammelte alles von meiner Mannschaft, ging zu jedem Spiel ins Stadion, reiste zu Auswärtsspielen und fing an auch selber irgendwann begeistert Fußball zu spielen. Leider war ich nicht besonders gut und da waren ja wieder all die anderen Mädels in der Mannschaft die nicht so cool waren wie ich es erwartet hätte daß ich auch damit irgendwann frustriert aufhörte. Heute bin ich immer noch für Fußball zu begeistern, ich pflege dieses Hobby allerdings nicht mehr besonders intensiv mangels Zeit.

Was gab es denn da noch? Ich interessierte mich schon immer für Schmetterlinge, Käfer und Vögel. Ständig sah man mich mit meinem Bestimmungsbuch rumrennen. Irgendwann wurden aus den Tieren Pflanzen und auch da war ich als Kind ständig unterwegs irgendwas zu bestimmen.

In meiner Pubertät beschäftigte ich mich dann stark mit Religionen und speziell auch dem Satanismus und dem Wiccakult. Alles okkulte faszinierte mich extrem und auch da verschlang ich alles was ich darüber zu lesen bekam. Ich fühlte mich zwischen allen Weltanschauungen stehend und las wirklich alles vom Paranormalem bis hin zur hexenmäßigen Heilkunde. Ich lernte alles über Rituale, Wildkräuter, Heilkunde usw. Letzteres ging dann zusammen mit meinem bisher angehäuftem Wissen über Pflanzen soweit daß ich sogar ein möglichst schlau aufgebautes Lexikon geschrieben habe über Kräuter und deren Anwendung bei verschiedensten Erkrankungen. Auch heute hege ich noch eine große Liebe zum Thema Medizin und lerne alles was man darüber nur lernen kann. Ich bin nur inzwischen wenig „esoterisch“ drauf und deutlich bodenständiger. Ich wäre glaub ich ein toller Mediziner mit einem umfassenden Wissen geworden. Ich ärgere mich noch heute darüber daß ich mir mein Medizinstudium hab ausreden lassen und heute wär mir ein Studium zuviel unbezahlte Leerlaufzeit mit Dingen die ich eh schon weiß. Arzt wollte ich allerdings arbeitstechnisch eh nie sein. Ich wollte wirklich nur das Wissen anhäufen und für mich nutzen. Insofern geht das schon okay. Das kann man ja auch ohne Studium tun und so das Feld ist so groß, daß ich es auch heute noch fleißig tue.

Musik war eigentlich schon immer meine Leidenschaft. Hören wie auch selber machen. Ich vergötterte damals gewisse Bands, ich lernte alles über die Musik die mir gefiel auswendig und versuchte mich auch immer wieder darin die verschiedensten Instrumente zu spielen. Ich habe ein Faible für außergewöhnliche Instrumente und lernte neben Gitarre, Bass und Geige alles was auch nur ansatzweise irgendwie verrückt klang. Inzwischen kann ich etliche Instrumente grundlegend spielen aber keines so richtig. Ich war einfach zu schlecht oder verlor zu schnell das Interesse sobald ich es einigermaßen konnte. Oft fragte ich mich auch, wozu ich das eigentlich lernen sollte. Wir reden hier übrigens von weit über 20 Instrumenten.  Durch meine Liebe ganz besonders zum Irish Folk versuchte ich irgendwann Gälisch zu lernen.

Damit geht es weiter zum Thema Sprachen. Ich muß sie aufzählen um zu wissen wieviele ich mal beherrschte und mir selber angeeignet habe. Das waren neben Deutsch und als norddeutscher natürlich Plattdütsch die Fremdsprachen Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Italienisch, Schwedisch, Griechisch, Arabisch, Latein und bestimmt noch welche die ich vergessen habe. Das natürlich alles inclusive den verschiedenen Dialekten und so. Inzwischen bringe ich sie durch den mangelnden Abruf im Alltag alle komplett durcheinander und habe daher aufgehört es überhaupt zu probieren außerhalb von Englisch. Aber ich könnte sie sicher schnell wieder abrufbar machen, falls es nötig sein sollte.

Ich kann einfach alles supergut und schnell auswendig lernen. Das fliegt mir förmlich zu ohne daß ich mich besonders anstrengen müßte. Gedichte, Liedtexte, Geschichten oder was auch immer. Oft lernte ich die klassischen und berühmten Balladen gleich mal in meinen ganzen Sprachen weil ich es cool fand es einfach nur zu können. Ich hab mal den kompletten Faust auswendig gelernt. Einfach nur so. Ich glaub den kann ich heute sogar noch abrufen. Aber wehe ich will mich mal an meinen vergessenen Einkaufszettel erinnern. Daran scheitere ich kläglich.

Ich habe mich dann auch schon immer sehr für Kunst und Architektur interessiert. Ich war in der Schule im Kunst Leistungskurs und war dort voll in meinem Element. Ich wollte am liebsten Kunst und Architektur studieren und hab keine Ahnung mehr warum das damals als es soweit war keine Option mehr war. Zeichnen kann ich glaub ich halbwegs gut, aber die theoretischen Dinge sind einfach mehr die meinen gewesen.

Tja, was gibts noch. Jonglage und Zirkus. Ich habe einige Jahre die Sommer in einem Behindertenfreizeitverein gearbeitet, der einen richtigen Zirkus betrieb. Ich wohnte mehrere Sommer in einem Zirkuswagen und lernte vor allem jonglieren. Speziell die Feuerjonglage ist mein geliebtes Steckenpferd. Ich liebe das Zirkusleben, ich liebe Feuer und genausosehr liebe ich Mittelaltermärkte und Co. Ich bin mal einige Jahre mit einem Slawenmarkt mitgezogen. Ich habe viele alte Handwerkstechniken gelernt und habe dort zB. Filzkram und Bändchenweberei angeboten. Ja, Handwerkstechniken sind ein weiteres Interessengebiet von mir. Ich komme ja aus einer Selbermachfamilie. Das wurde zum Glück dann auch in meiner Ausbildung als Ergotherapeutin sehr gefördert. Ich liebe spinnen, weben, töpfern und Körbe flechten und lerne alles was mir noch so in die Finger kommt. Hauptsache es ist außergewöhnlich genug. All das fällt mir einfach so zu. Ich bin unwahrscheinlich kreativ und lerne handwerkliches superschnell. Ich sauge jede noch so neue Handwerkstechnik in mich auf. Auch heute noch. Aktuell arbeite ich mich in das Thema Reetdachdecken, Fachwerk und Lehmofenbau ein. Das kann aber morgen schon wieder ganz anders sein…

Aber ein Spezialinteresse war schon immer da und wird wohl auch auf ewig bleiben: der Mensch mit seinem Innenleben, psychisch wie physisch sowie Interaktion zwischen Menschen.

Geschichte meiner Spezialinteressen

Bin ich Autist oder nicht? Eine Frage, die mich nicht erst seit gestern beschäftigt. Viele Autisten haben ein Spezialgebiet, das sie oft ein Leben lang mit großer Obsession beackern. Aber ich habe keines – jedenfalls keines, das das ganze Leben über anhielt.

Wenn ich ein Spezialinteresse habe, dann ist es wohl Geschichte. Nicht irgendein Land oder irgendeine Epoche, sondern ganz allgemein Geschichte. Ich habe mich auch schon mit Azteken, Inka, Chinesen und vielem anderem auseinandergesetzt, und konsequenterweise habe ich auch Geschichte studiert. Aber auch da war mein Interesse mal mehr, mal weniger. Manche Themen fand ich faszinierend, manche weniger.

Was ich am faszinierendsten fand, waren historische Landkarten. Wie sich der Besitzstand der einzelnen Länder im Laufe der Jahrhunderte geändert hatte. Reiche und Staaten gingen zugrunde, andere wurden neu aus der Taufe gehoben, und dieser Prozess setzt sich bis heute fort. So bekam ich mal zu Weihnachten den Historischen Weltatlas des Bayerischen Schulbuchverlags geschenkt – und beschäftigte mich stundenlang damit.

Dann eines Tages erhielt ich als Geburtstagsgeschenk die Chronik der Deutschen, und fortan war ich davon wie besessen. Ich las das komplette Buch innerhalb von drei Monaten, widmete ihm jede freie Minute. Freunde hatte ich zur damaligen Zeit keine, und jede Unterbrechung empfand ich als störend. Hinterher kannte ich mich gut in deutscher Geschichte aus – doch das Schulfach verleidete mir schnell das Interesse, und ich suchte nach anderen Wissensgebieten.

Ich fand sie im Unerklärlichen. Nicht die halbseidene Esoterik interessierte mich, sondern die Parapsychologie, die Grenzwissenschaften, UFOs, Atlantis (womit man mich in der Schule aufzog) – alles, was geheimnisvoll und noch nicht erforscht war, faszinierte mich. Dazu kamen archäologische Rätsel wie das Wunder von Stonehenge, die ägyptischen Pyramiden, die Nazca-Linien, und sehr schnell landete ich bei Erich von Däniken, dessen Bücher ich verschlang.

Spätestens mit dem Studium war das vorbei. Als ich lernte, was Wissenschaft bedeutet, beurteilte ich diese Bücher, die ich damals gelesen hatte, wesentlich skeptischer bis ablehnend. Lediglich Spuk und Ufos lassen mich nicht mehr los, weil ich sie für reale Phänomene halte.

Während des Studiums interessierte ich mich für Journalismus und Medien und schrieb nur für mich eine Arbeit, die sich mit dem Hörfunk in Deutschland auseinandersetzte. Dabei machte ich eine Liste aller Hörfunkstationen in Deutschland, die ich kategorisierte und einordnete.

Auch meine Magisterarbeit ist einem temporären Spezialinteresse zu verdanken, mit dem ich mich schon lange vorher auseinandergesetzt hatte. Welches es ist, verrate ich nicht, denn es ist über Google Books aktenkundig geworden. Ich war wie besessen, beschäftigte mich Tag und Nacht damit und brachte am Ende 187 Seiten zustande, gewann dafür sogar einen Preis.
Mit dem Einstieg bei meinem jetzigen Arbeitgeber machte ich das Spezialinteresse Journalismus zum Beruf, und ein neues musste her. Ich setzte mich mit dem Leben nach dem Tod auseinander, fand eine Internetseite mit umfangreichem Material und verbrachte ganze Abende damit, es zu lesen. Mittlerweile habe ich keine Angst mehr vor dem Tod und bin davon überzeugt, dass Gott existiert, dass er aber vollkommen anders ist, als die meisten Religionen glauben.

Über dieses Thema gelangte ich zur hierzulande relativ unbekannten YouTube-Serie The Haunting of Sunshine Girl. Ich sah jede Folge an, hatte sogar Kontakt mit Regisseuren und Darstellern, tummelte mich täglich in entsprechenden Foren und verlor dann von einem auf den anderen Tag das Interesse.

Nächstes Spezialinteresse war die deutsche und europäische Territorialgeschichte. Gebietsveränderungen, Kriege, Erbschaft, Käufe – mittlerweile bin ich ein wandelndes Lexikon auf diesem Gebiet.

Ich beschäftigte mich außerdem viel mit Geographie, legte ganze Listen an (bzw. kopierte sie für mich von Wikipedia): Die größten Staaten, die kleinsten Staaten, die größten Inseln, die höchsten Berge, ungewöhnliche Grenzverläufe, politische Systeme, geographische Kuriositäten, Verwaltungsstrukturen – alles, was mir in den Sinn kam und was mich faszinierte.

Schließlich gelangte ich zum Thema Autismus und las auch da sehr viel – entdeckte aber so viel Ungereimtheiten und Widersprüche – zum einen bei den Wissenschaftlern, zum anderen auch bei den Betroffenen – dass ich keine Struktur finden konnte – und Strukturen sind das, was mich hauptsächlich fasziniert. Wenn ich etwas zu wissen glaubte, wurde ich kurze Zeit später wieder eines besseren belehrt. So faszinierend das Thema für mich als möglicherweise Betroffenen ist: Als Spezialinteresse für mich taugt es nur wenig.

Jetzt bin ich auf der Suche nach einem neuen Spezialinteresse. Vielleicht hat jemand von euch eine Idee… Aber vielleicht waren das alles keine Spezialinteressen, sondern nur Interessen, denen ich besonders intensiv nachgegangen bin. Doch wenn ich mit neurotypischen Menschen über diese Interessen spreche, stoße ich auf Unverständnis. Wen juckt es, was ich über die europäische Territorialgeschichte weiß? Oder über den belgisch-niederländischen Grenzort Baarle (Googelt das mal: Das ist wirklich faszinierend!)? Was mich fasziniert, ist im Grunde unnützes Wissen. Vielleicht kann man so mein Spezialinteresse zusammenfassen.

Spezialinteressen

Spezialinteressen

Für meine Spezialinteressen verwende ich eigentlich so ziemlich die ganze mir zur Verfügung stehende freie Zeit. Also damit meine ich die Zeit, in der ich nicht arbeite oder schlafe.
Meine Spezialinteressen füllen meinen Tag so aus, dass es für mich undenkbar ist, mit anderen Menschen zusammen zu leben. Ganz schwierig war das, als ich noch als Mutter mit meinen Töchtern zusammengelebt habe und in Beziehungen war. Heutzuta-ge lebe ich schon seit Jahren bewusst alleine. Das gibt mir Raum, meinen Spezialinteressen so viel Zeit zu widmen, dass es mich ein bisschen ruhig macht. Ganz im Vordergrund steht das Sammeln von Informationen. Sobald ich mich mit einem Thema beschäftige das mich fasziniert, reicht es mir nicht aus, nur einen Teil davon zu wissen und zu besitzen. Ich muss dann ALLES haben, vorher hab ich keine Ruhe. Interessiert mich zum Beispiel ein Dichter oder Autor (bei mir ist das Hermann Hesse), so habe ich absolut keine Ruhe, solange ich nicht jedes verfügbare Buch, jedes verfügbare Hörbuch, jeden Bericht und, und, und… über das Leben und Werk dieser Person besitze. Man könnte quasi sagen, ich will in diese Person und ihre Werke „eintauchen“. So sammele ich auch jeden gedruckten Artikel und jeden Fetzen an Information und hefte das alles in Ordnern ab.
Weitere Spezialinteressen von mir sind neben Literatur die Weltgeschichte, Philosophie, Mythologie und Psychologie. Selbstverständlich habe ich in jedem dieser Gebiete noch spezielle Themen, für die ich mich besonders interessiere. Auch hier ist es so, dass ich -man könnte sagen beinahe „zwanghaft“- unbedingt alles haben muss, was mit den Themen zusammen-hängt. Wenn man- wie ich- auf die 50 zugeht, lebt man dann in so einer Art Archiv. Ich sauge die Informationen aus Büchern, Hörbüchern, Berichten etc. regelrecht auf, wobei ich allerdings nicht so ganzin der Lage bin, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden. Da ich diese aber schnell und dauerhaft in meinem Kopf abspeichern kann, sind sie eigentlich jederzeit abrufbar…manchmal muss ich ein bisschen in meinem geistigen Archiv kramen, aber wenn ich etwas weiß, dann weiß ich´s auch.
Die Spezialinteressen wirken auf mich sehr beruhigend und lenken mich von meiner inneren Unruhe und Getriebenheit ab.
Wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, was mich völlig aus meinem strukturierten Alltag gerissen hat, dann benötige ich manchmal Tag und Nacht am Stück mit einer meiner Spezialinteressen, um einigermaßen wieder in Gleichklang zu kommen.
Die Dinge, die mich neben Gesundheit und finanzieller Unabhängigkeit am meisten glücklich machen, sind das Internet, die Erfindung des Hörbuchs und http://www.booklooker.de, wo man gebrauchte Bücher ab 25 Cent und gebrauchte Hörbücher zu allen Themen zu kleinen Preisen bekommt. Ich verbringe Stunden auf dieser Seite und stöbere in allen Kategorien auf der Suche nach Schnäppchen, die mich ansprechen. Für mich als Autisten ist das einfach nur genial. Für mich wäre erstens ein Besuch in einer Buchhandlung unmöglich und zweitens freue ich mich immer und fühle mich äußerst lebendig, wenn ich den Briefkasten aufmache und da ist schöne Post an mich drin. Das ist dann wie „Post vom Universum“. Das Hören von Hörbüchern zu meinen Spezialthemen zieht sich bei mir über den ganzen Tag und durch die ganze Nacht hin, wobei ich zum Einschlafen meistens auf mp3´s zurückgreife, deren Laufzeit die ganze Nacht hindurch geht. Schon allein dadurch ist das Zusammenleben mit anderen Menschen eher unmöglich, weil das auf die Dauer wohl keiner aushält. Für mich hingegen ist so etwas absolut notwendig. Das alles gibt mir eine gewisse Ruhe.
Ebenso ein Segen ist für mich das Internet. Das Internet bietet mir eine nahezu unerschöpfliche Quelle an Informationen für alles , was mich interessiert und ich verbringe viele Stunden am Tag im Internet. Die Beschäftigung mit Asperger Autismus gehört selbstverständlich auch zu meinen Spezialinteressen, ebenso der Austausch mit anderen Aspergern, womit ich auch viel Zeit verbringe. So habe ich für mich sehr wertvolle virtuelle soziale Kontakte, mit denen ich mich austauschen kann und wo jeder den anderen versteht. So etwas ist in der neurotypischen Real-Welt für uns Asperger eher schwierig.
Dann gibt es so Spezialinteressen, die ich bereits seit meiner Kind habe und die ich quasi draußen „spiele“…. Wenn ich mich in der MATRIX bewege (also mit Matrix meine ich immer „draußen, außerhalb meiner Wohnung), dann fange ich ab dem Moment, wo ich aus der Haustür gehe mit diesen Spezialinteressen an, und ich kann es absolut nicht haben, wenn mich jemand dabei stört (damit meine ich Gespräche mit Nachbarn, Passanten und so was). Ich habe schon als Kind damit angefangen, Autonummern zu sammeln. Ich habe damals immer, wenn ich draußen sein musste, Kennzeichen von Autos aufgeschrieben und geordnet. Heute (ich bin ja jetzt -zumindest biologisch- erwachsen), schreibe ich die Kennzeichen nicht mehr auf, sondern bilde assoziativ zu der Abkürzung der Stadt Namen von realen Personen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die noch leben oder tot sind- aber es muss sie geben. Wenn mir spontan nix einfällt (das kommt zum Glück selten vor, da ich mir zum Glück so ziemlich alles merken ), lässt mir das dann absolut keine Ruhe und ich verfalle in so eine Art „Denkstarre“, bis ich die Sache gelöst habe. Wenn ich mich dann darüber freue und mich entlade, wirkt das auf die Menschen meisten ein bisschen merkwürdig. Von daher denken auch viele Leute, ich hätte Tourette). Das Einzige, was ich gerne mit Menschen rede, wenn ich in der Matrix bin ist, wenn mich jemand nach dem Weg fragt. Denn selbstverständlich ist auch die Stadt, in die es mich verschlagen hat (ich bin hier nicht geboren, aber es wird schon einen Grund haben, warum ich hier bin) ein Spezialinteresse von mir und ich kenne mich hier bestens aus. Ich habe eine Vorliebe für sakrale Orte und da ich hier in einer Domstadt lebe, hat dieses Interesse ein breites Spektrum an Orten, die ich regelmäßig aufsuche und dort fotografiere. Ebenso sind Bunker und Lost places ein Spezialinteresse von mir. Ich verbringe Stunden damit, mir im Internet Bilder von verlassene Orten anzuschauen und zu sammeln. Etwa 4 Mal pro Jahr steige ich in irgendwelche Objekte ein, die verlassen sind und abgerissen werden sollen. Dann nehme ich immer einen Fotografen mit, der mich dort nach meinen Vorstellungen fotografiert. Ich liebe diese Endzeit- Stimmung und beschäftige mich dann anschließend mit den Fotos ( Richtung Endzeit- Kunst eben).
Dann gibt es noch so andere Spezialinteressen, die ihre Wurzeln höchstwahrscheinlich in der Erziehung haben.
Kleine Geschichte von mir: Meine Mutter hat in der früheren Schulzeit, also sagen wir jetzt mal bis zum 5. oder 6 Schuljahr (so genau weiß ich das gar nicht mehr- ist ja alles schon ein paar Tage her) immer dann, wenn sie Fehler in meinen Arbeiten entdeckt hat oder das Gesamtbild nicht schön fand, die Seite herausgerissen. Und dann musste ich das eben noch mal machen. Bei Zeichnungen war es manchmal so, dass ich die Zeichnung ausschneiden und auf das neue Blatt kleben durfte. Aber schreiben musste ich halt immer noch mal alles neu. Das ist so tief in mir verwurzelt, dass sich daraus ein Spezialinteresse entwickelt hat. Zum einen liebe ich schön Schreiben und hässliches Schreiben beleidigt mein Auge. Dann reiße ich bis heute noch handschriftliche Seiten raus, bei denen ich finde, dass ich sie nicht schön geschrieben habe. Daraus ist auch mein Spezialinteresse zur Kalligraphie und zum und ebenso mein Spezialinteresse „aufschreiben und dokumentieren“. Ich schreibe so ziemlich alles auf, was mich interessiert , …also ich habe zig Ordner, Ringbücher, Hefter usw, in denen ich täglich alles aufschreibe. Ich schreibe auf, was ich wann höre und wie oft…und ich höre immer was-Vorträge, Lesungen, Dichtungen, Erzählungen, Weltgeschichte usw, usw, usw…ich höre IMMER was. Und ich schreibe immer alles auf. Ich schreibe auf, wie meine Katzen auf unterschiedliche Räuchermischungen reagieren und wie sie sich sonst noch so verhalten, ich schreibe auf, was aus meinem Kopf raus muss und schreibe Texte und schreibe und schreibe. Wenn ich könnte wie ich wollte wurde ich schreiben, bis mir die Finger bluten. Ich lese alles, was ich schreibe, tausende mal, und wenn das gut ist und durch meine Bewertung kommt, das befriedigt mich das irgendwie.“

Alle meine Spezialinteressen erfordern so viel Zeit, dass ich mich manchmal wundere wie ich es schaffe, zwischendurch mal was zu essen. Wenn ich in diesen Interessen gestört werde, kommt bei mir alles durcheinander. In absolut außergewöhnlichen und seltenen Situationen schaffe ich es maximal einen Tag, davon Abstand zu nehmen. Das war es dann aber auch schon. Ich ziehe auf jeden Fall die Beschäftigung mit meinen Spezialinteressen der Gesellschaft von Menschen vor. PUNKT.