Psychotherapie-Ausbildung in progress

Ein paar Zeilen dazu, wie es mir in der Ausbildung zur Psychotherapeutin ergeht (eigentlich wusste ich gar nicht, was ich schreiben will – ein paar Zeilen sind es jetzt doch geworden, das freut mich sehr).

Die Arbeit mit den PatientInnen steht noch aus. Darauf freue ich mich einerseits, weil ich mir sicher bin, dass ich Spaß an dieser Arbeit haben werde. Andererseit bin ich ganz besonders gespannt, wie und ob diese funktionieren wird und wie sehr mich das Ganze auslaugt. Man hat mich schon darauf vorbereitet, dass die PatientInnen eher schwierig sind. Die Arbeitszeiten und das zeitliche Arbeitspensum über die klinische Arbeit hinaus werden sehr hart sein. Finanziell bleibt es, abgesehen von den Ausbildungskosten, sehr schwierig, weil (wieder mal) ein Umzug mit (natürlich) Kaution und Anschaffungen bevorsteht.                                                                                                                                                             Mein Crowdfunding dazu läuft noch neun Tage, 30% des Zielbeitrags sind erreicht (ganz großen Dank an meine bisherigen UnterstützerInnen!!!). Hier ist der Link zum Blogbeitrag über die Ausbildung mit dem noch aktiven leetchi-Crowdfundinglink http://wp.me/p5NL8S-df.

Es gibt aber auch viel Positives zum theoretischen Teil der Ausbildung zu berichten (das bezieht sich jedoch weniger auf die bisher vermittelten Inhalte). Man mag es kaum glauben, aber bisher bin ich keine Außenseiterin im Jahrgang. In weiser Voraussicht, dass ich alleine bleiben würde, wenn ich aktiv nichts unternehme, habe ich von Anfang an im Kurs Ausschau nach Menschen gehalten, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin (das war tatsächlich bei einer Person der Fall, die auf den ersten und zweiten Blick eher dem „Außenseiter-Klischee“ entsprach). Dadurch, dass ich einer Arbeitsgruppe zugeteilt wurde, lernte ich auch andere TeilnehmerInnen etwas besser kennen und kann mich mittlerweile mit ihnen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Eigentlich habe ich immer jemanden zum Reden oder die Mittagspausen zu verbringen, wenn ich möchte (und werde auch von den anderen gefragt, wo ich denn meine Pause verbringen werde – eine neue Erfahrung :)).

Inhaltlich hoffe ich, dass mir noch therapeutisches Handwerkszeug vermittelt wird (das war bisher noch nicht in dem Maße der Fall, wie es für die Patientenarbeit hilfreich wäre). Im Zweifelsfall kann man sich immer noch viel anlesen (da bin ich auch schon von Anfang an fleißig dabei) und dann heißt es „ins kalte Wasser geschmissen werden“ und „learning by doing“. Sie dürfen mir gerne weiterhin die Daumen drücken, dass das alles gut klappt :).

Warum man Menschen aus dem Autismus-Spektrum einstellen sollte

Arbeitgeber wissen nur selten viel über das Autismus-Spektrum (und das ist ihnen auch nicht zu verübeln, weil Autismus ein Nischenthema ist). Im besten Fall lesen sie sich Wissen an, bevor sie (wenn sich Bewerber schon geoutet haben) die Kandidaten zum Vorstellungsgespräch einladen. So ist es bei der Asperger-Autistin und Bloggerin Hobbithexe passiert und es hat, erfreulicherweise, zu einem Ausbildungsplatz geführt https://hobbithexe.wordpress.com/2016/06/10/der-bewerbungsprozess/.

Stärken von Menschen aus dem Autismus-Spektrum

Es heißt zwar „Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten“, jedoch kann man folgende Stärken autistischer Menschen unter einem gemeinsamen Nenner zusammenfassen (siehe „Asperger – Leben in zwei Welten“ von Christine Preißmann (2012, S.68):

-Detailgenauigkeit

-Verlässlichkeit

-Innovatives Denken

-Gute fachliche Qualifikation

-Loyalität

-Sorgfalt

-Motivation und Interesse

-Verantwortungsbewusstsein

-Ausdauer

-Ordnungsliebe

-Wahrheitsliebe/Ehrlichkeit

-Gute Merkfähigkeit

Nach Rudy Simone („Asperger`s on the Job: Must-have advice for people with Asperger`s“ (2010, S.3)) haben Autisten eine höhere fluide Intelligenz (Lösen neuer Probleme unabhängig von erworbenem Wissen) als Nichtautisten und sind hoch intuitiv.

Viele autistische Menschen besitzen eine Begabung im visuellen Denken. Das vielleicht berühmteste Beispiel ist Temple Grandin, die Testläufe ihrer Projekte vor ihrem geistigen Auge durchführt, bevor sie gebaut werden.

Einige Unternehmen (Auticon, Microsoft, SAP), haben angefangen, autistische Stärken wie z.B. Mustererkennung für sich zu nutzen und Autisten im IT-Bereich einzustellen. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Jedoch können unsere Stärken in ALLEN Bereichen eine Bereicherung für Unternehmen sein. Es gibt erfolgreiche, autistische Lehrer, Verkäufer, Maschinenbauer, Erzieher, Professoren, Musiker etc. und ihre Arbeitgeber wissen oft nichts von ihrem Autismus. Was eventuell auffällt ist vermutlich, dass sie „irgendwie anders“ sind. Denn Autismus ist oft unsichtbar.

„Mein Autismus“ aus Arbeitnehmersicht (vorweg: Ich bin noch arbeitssuchend)

Was für mich persönlich im beruflichen Kontext wichtig (oder einer der Hauptfaktoren) ist, ist die Atmosphäre. Eine feindselige Atmosphäre hindert mich am Denken und Handeln. Während meines letzten Jobs habe ich mich mit den Kollegen wunderbar verstanden und sie waren eine große Unterstützung für mich, weil ich mich immer an sie wenden konnte. Leider wurde die Arbeitsatmosphäre von Chefseite vergiftet. Regelmäßig verließen meine Ex-Kollegen, in Tränen aufgelöst, sein Büro. Das ist wahrlich keine schöne Umgebung, in der man sich gerne aufhält oder gar arbeitet.

Was merkt man mir persönlich im Berufsalltag an – welche Verhaltensweisen sind „komisch“?

Man merkt es mir nicht an. Ich habe Ahnung von meinem Fach und komme gut mit den Menschen gut zurecht, mit denen ich (als Psychologin) Kontakt habe. Sitzungen mit mehr als fünf Menschen (viele Reize)  im Raum sind insofern problematisch, dass ich wenig sage. Hilfreich wäre ein Plan mit „Tagesordnungspunkten“, so dass ich vorher schon weiß, worum es gehen wird. Vorbereitung ist das A und O. Wenn ich weiß, was ich tun muss, ist alles kein Problem.

Der Punkt Mittagspausen und Smalltalk: Smalltalk mit Kollegen, die ich nur flüchtig kenne, ist keine Entspannung für mich. Ich habe es gemacht, weil man es eben so macht und die anderen einen nicht komisch finden…deutlich entspannender ist dagegen das Schreiben (SMS etc.).

Problematisch sind viele Geräusche auf der Arbeit (das Problem hatte ich aber noch nie in einem Job).

Wenn ich im „normalen“ Alltag ansonsten desinteressiert oder arrogant wirke, ist genau das Gegenteil der Fall. Ich will nicht zu interessiert wirken oder aufdringlich sein und schütze mich so.

Aber auch hier gilt: Kennt man einen Autisten, kennt man eben nur einen. Andere autistische Menschen haben z.B. andere Schwierigkeiten, wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren oder Probleme mit Gerüchen.

Ausblick

Wenn man den Begriff „Autismus“ hört (ohne sich näher damit auseinandergesetzt zu haben), denkt man sofort an „Defizite“. In den nächsten Jahren wäre eine Abkehr vom rein defizitorientierten Denken bezüglich des Autismus-Spektrums  sehr wünschenswert. Stattdessen sollte man überlegen, wie man die Fähigkeiten autistischer Menschen in allen Berufsbereichen realisieren und nutzen könnte. Das geht nur mit Neugierde, Information, Austausch zwischen Autisten und Nichtautisten (Arbeitgebern, potenziellen und tatsächlichen Arbeitnehmern) und einer offenen Kommunikation, was die jeweilige Seite braucht und wie es realisierbar wäre.

 

 

Bewerbungszirkus oder: Vierundfünfzig Bewerbungen

Vierundfünfzig Bewerbungen habe ich in den letzten zehn Monaten verschickt. Das ist weniger, als es sich angefühlt hat (es können durchaus einige mehr gewesen sein, die beim Durchzählen abhanden gekommen sind). Ich habe nur diejenigen Stellen angeschrieben, bei denen ich -aufgrund meiner Qualifikationen- eine Chance zu haben schien. Und die muss(te) man erstmal finden.

Herausgekommen sind 11 Bewerbungsgespräche. Das ist gar kein so schlechter Schnitt. Also kam mit etwa jeder fünften Bewerbung ein Gespräch zustande.

Bewerbungsgespräche sind -jedenfalls für mich- der Horror. Dort merkt der Arbeitgeber, dass die in der Bewerbung aufgeführten, sehr guten Qualifikationen, nicht mit dem Gesamtpaket übereinstimmen. Ich könnte mich nicht verkaufen, würde „mein Licht unter den Scheffel stellen“ (Redewendung), und hätte doch etwas über mich erzählen sollen. Was soll das denn bitte sein, wenn es doch angeblich auf das Fachliche ankommen sollte? Über die persönlichen Verhältnisse wird man eh ausgefragt. Ob ich pinke Socken mag? Oder Rosinen? Ich habe es dann doch lieber sein gelassen, etwas über mich zu erzählen.

Nachdem man mir bei einer Rückmeldung nach einem Gespräch sagte, „es hätte so keinen Sinn“ und „Sie sollten ein Coaching machen oder sich fachlich weiterbilden“ (Nummer zwei nehme ich jetzt übrigens in Angriff…), habe ich mir etliche Bücher über Körpersprache besorgt, sie durchgearbeitet und vor dem Spiegel geübt. Gebracht hat es -vermutlich- nicht so viel. Jedenfalls wurde ich genauso oft eingestellt wie vor diesem Training-nämlich gar nicht.

Ich muss dazusagen, dass ich mich weder in den Bewerbungen, noch in den Gesprächen als Autistin „geoutet“ habe. Im sozialen Bereich ist eine Diagnose nicht so gern gesehen. Das muss aber jede/r individuell für sich entscheiden, ob ein „Outing“ im Bewerbungsprozess vermutlich Vor- oder Nachteile bringt. Vermutlich fällt es im Arbeitsalltag früher oder später eh auf, dass „etwas nicht stimmt“. Es bleibt aber immer die Gefahr, dass man mit Diagnose gar nicht eingestellt wird.

Dadurch, dass ich keinen Kontakt zu ehemaligen Kommiliton/innen habe („Brücken abbrechen“ ist unter Autisten verbreitet), hatte ich keine Ahnung, ob mein Bewerbungsvorgehen überhaupt sinnvoll ist, oder ob man so -ohne Weiterbildung- eh nichts bekommt. Ich habe einfach „gemacht“ und bin immer wieder „auf die Schnauze gefallen“. Auch seitens der Ämter kann man nicht auf Unterstützung von Asperger-Autisten hoffen – sie haben einfach viel zu wenig Ahnung, wie man helfen könnte. Und jeder Autist hat ganz individuelle Stärken und Schwächen.

Die letzten zehn Monate haben mich viele Nerven gekostet. Die schlaflosen Nächte vor den Gesprächen. Das -teilweise- wochenlange Warten auf die Rückmeldungen bzw. Absagen und die Niedergeschlagenheit und Zweifel, die nach ihnen kamen. Es gab Wochen, da hat allein das Öffnen der Jobbörsen Brechreiz und Panik verursacht, so dass ich den PC sofort runterfahren musste. Und ganz viel Hoffnungslosigkeit, warum einen denn niemand einstellen möchte.

Unter Asperger-Autisten ist es ein weit verbreitetes Problem, dass man im Bewerbungsprozedere auf dem ersten Arbeitsmarkt, trotz sehr guter Qualifikationen, sehr große Schwierigkeiten hat (zu diesem Thema gibt es das sehr hilfreiche Buch „Hochfunktionale Autisten im Beruf: Navigationshilfen durch die Arbeitswelt“ von Ina Blodig, das ich auch gelesen habe).

Der „Bewerbungszirkus“ ist in meinem Fall noch nicht abgeschlossen. Sie können mir sehr gerne für noch offene Bewerbungen die Daumen drücken und auch für Bewerbungsgespräche, die hoffentlich noch kommen werden.

Warum mich meine Mutter nicht lieben konnte.

Ich kann mich so gut wie gar nicht an die Kindheit erinnern, nur an im Kopf aufblitzende, positive und negative Bilder. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten habe. Man erzählte, dass ich mich nie über irgendetwas beschwert hätte (so einen Persönlichkeitszug kann man natürlich wunderbar ausnutzen). Nie kam von mir, dass mir etwas wehtat.

Ich weiß nicht, wie ich mich meinen Eltern gegenüber verhalten habe. Ob ich mal gesagt habe, dass ich sie lieb haben würde. Ob, und mit wem von ihnen ich kuscheln wollte. Ich erinnere mich, dass ich mit meinem Vater „Kaufladen“ gespielt habe und am Ententeich und spazieren war.

Was meine Mutter angeht ist da eine Erinnerungslücke. Oder es gab wirklich nichts, was wir zusammen gemacht haben. Ich weiß, dass ich es unangenehm fand, als ich mit ihr für ein Foto posieren musste und sie mich in den Arm nahm. Meine Mutter (bzw. meine Eltern) hatte(n)  keine Ahnung von Autismus. Vermutlich hat sie sich gewundert und es auf meine fehlende Liebe geschoben, dass ich nicht kuscheln komme. Sie ging davon aus, dass ich sie von als Säugling gehasst habe, weil ich beim Stillen biss (das sagte sie mir nebenbei). Die Wut und der Hass darüber, dass ich sie scheinbar nicht liebte, ließ sie bis ins Erwachsenenalter an mir aus. Vermutlich war sie auch autistisch, ihr Verhalten hatte aber bestimmt auch andere psychische Ursachen. Seltsamerweise hat mein Vater nie von mir gedacht, dass ich ihn nicht lieben würde. Es lag vielleicht doch nicht alles an mir.

Erfolgsgeschichten aus der Zeitung

Mir liegt da was auf dem Herzen. Mal wieder. Das wird sicher noch häufiger vorkommen. Heute geht es mir um Zeitungsartikel. Zeitungsartikel, die Erfolgsgeschichten über behinderte Menschen präsentieren wollen. Da macht ein Carry Jung eine Ausbildung. Kurz zusammengefasst, steht in dem Artikel, dass alle total verwundert waren, weil sie nicht wussten, was Autismus ist. Und erst recht nicht dachten, dass das gar nicht so schlimm ist, dass Carry auf ganzer Linie überzeugen konnte. Er war vor der Ausbildung ziemlich unselbstständig. Doch mit ganz viel Liebe und Unterstützung hat er dann doch noch die Ausbildung geschafft. Und der Betrieb war begeistert. Alle haben ja so viel von ihm gelernt. Das Ende ist allerdings genau das Gleiche, wie in jedem dieser Artikel, die über diese angeblichen Erfolgsgeschichten behinderter Menschen berichten. Am Ende will die nämlich keiner. Ach ich vergaß, Carry ist hochbegabt und machte eine Ausbildung zum Metallwerker. Klingt in meinen Ohren nach genau der richtigen Ausbildung für einen hochbegabten Menschen, aber was hab ich da schon zu sagen. Das ganze wurde organisiert von der Agentur für Arbeit (ach was, das erklärt so einiges). Wir kennen dieses Spiel fast alle, glaube ich. Alles in allem wird dann diese Erfolgsgeschichte als Paradebeispiel für Inklusion angeführt.

Erst einmal zu der Situation selbst: Carry ist jetzt 21, hochbegabt und hat eine Ausbildung zum Metallwerker. Ihn will niemand übernehmen. Welche Glanzleistung der Inklusion soll denn das bitte darstellen? Sein Ausbildungsbetrieb kommentiert das ganze folgendermaßen: Wir können uns den Aufwand nicht leisten, den Carry braucht. Okay. Wo bitte ist hier gleich noch Inklusion zu finden? Weil Carry nun mit, statt ohne Ausbildung arbeitslos ist? Nennen wir das als Gesellschaft erfolgreiche Inklusion? Nennen wir das Kind doch beim Namen: Diese Erfolgsgeschichte ist einfach keine. Sie ist eine weitere Geschichte des Scheiterns, in einer endlosen Debatte um Inklusion und dem Widerwillen der Arbeitgeber (oder wahlweise auch Schulleiter). Es ist die traurige Realität der meisten von uns. Halten wir den Mund, werden wir gemobbt und verbiegen uns, bis wir zusammen brechen. Machen wir den Mund auf, will uns keiner, weil wir wertlos sind. Nein, nicht wertlos, nur übersteigen die tatsächlichen Kosten den reellen Wert, den wir darstellen. Heißt, wir kosten mehr, als wir einbringen und damit sind wir wirtschaftlich nicht rentabel. Das wir dabei permanent unter Wert verkauft werden, ist nochmal eine andere Geschichte.

Das ist ein Missstand unserer Gesellschaft, gegen den viele von uns kämpfen. Um fehlende Anerkennung, um ein Recht darauf, zu bekommen, was wir benötigen, damit wir wertvolle Arbeit leisten können. Niemand verlangt vergoldete Toiletten (und wer dies tut, wird gleich bezichtigt, Autist zu sein. Buh!), alles was wir verlangen, ist Menschenwürde. Würde, ein Recht das angeblich jeder Mensch mit seiner Geburt erhält. Manchmal halte ich das aber für ein Gerücht. Wir kämpfen um Würde und bekommen einen Arschtritt. Aber das ist ja noch nicht alles!

Denn jetzt kommt der Punkt, der mich wirklich massiv stört.

Was verkauft uns eine Erfolgsgeschichte dieser Art denn eigentlich wirklich? Was vermittelt sie uns emotional? Was geschieht mit der Psyche, wenn man von Artikeln dieser Art bombardiert wird? Und das gilt nicht nur für Autisten, sondern auch für jeden anderen, der im nächsten Umfeld zu einem Autisten lebt, insbesondere dem Vormund! Ich kann natürlich nur beschreiben, was es mit mir macht. Es wird sicher andere geben, die anderer Meinung sind und das ist auch vollkommen okay. Aber ich bin auch mit Sicherheit nicht die einzige, die von diesen Artikeln massiv getroffen wird.

Ein wichtiger psychologischer Effekt ist, dass wir glauben, was wir immer wieder hören. Je öfter wir es hören, umso fester glauben wir daran. Oder in diesem Fall eben lesen. Selbst wenn wir wissen, dass das, was wir da immer und immer wieder lesen, falsch ist, glauben wir irgendwann daran. Dazu gibt es tausende psychologische Studien, dass ist empirisch bewiesen. Das dieser Effekt existiert, ist auch kein Geheimnis. Wenn ich nun immer wieder Erfolgsgeschichten lese, die keine sind und an deren Ende alles beschissen ausgeht, dann glaube ich das irgendwann. Irgendwann überschreite ich den Punkt, an dem ich die gelesenen Artikel zu meiner eigenen Realität mache. Und das was der Artikel sagt, indem er eine Geschichte des Scheiterns als Erfolgsgeschichte verkauft, ist eigentlich:

Das ist das Beste, was du schaffen kannst! Das ist das Maximum.

Das ist Erfolg! Deine Zukunft wird die Arbeitslosigkeit sein.

Und das brennt sich ein. Darauf folgt ein weiterer schöner psychologischer Effekt. Die self-fullfilling prophecy. Wer die Geschichte zu Troja kennt und ein bisschen mit dem Kassandra-Effekt vertraut ist, der wird schnell verstehen, was ich sagen will. Indem ich diese Geschichte zu meiner eigenen mache, weil ich sie immer und immer und immer wieder lese und irgendwann einfach daran glaube, bestimme ich mein Schicksal damit. Diese Artikel werden meine Realität. Denn ich handle nun so, dass sich die Zukunft so erfüllt, wie ich sie erwarte. Und was erwarte ich? Die Arbeitslosigkeit, genau. Wie soll ich also aus dem Loch heraus kommen? Wie soll ich selbstbewusst in eine Ausbildung gehen, wenn ich glaube, dass das alles sowieso nichts wird? Wie soll ich selbstbewusst in ein Bewerbungsgespräch gehen, wenn ich permanent Angst davor habe, wieder abgewiesen zu werden? Wenn ich damit rechne, abgewisen zu werden und dann auch abgewiesen werde, aktiviere ich mein Belohnungszentrum und dann wird alles verstärkt. Die Haltung brennt sich ein, mein Schicksal scheint nun fest zu stehen. Denn ich sehe ja, was die Erfolgsgeschichten meiner Leute sind. Wie viele Autisten sind auf dem ersten Arbeitsmarkt? 5%? 10%? Und wieso kenne ich niemanden? Wo sind diese Leute?

Ganz ehrlich, ich will nicht mehr. Ich will richtige Erfolgsgeschichten lesen, oder Geschichten des Scheiterns auch als solche deklariert sehen. Ich will keine Euphemismen mehr, die Scheiße schön reden und mich dann doch nur in die Arbeitslosigkeit drängen. Ich will raus aus dieser Hilflosigkeit und selbstständig sein. Immer und Überall. Ich möchte nicht länger eingeschüchteter Bittsteller sein, der auf Gnade hoffen muss. Ich will es nicht trotz meiner Behinderung schaffen, ich will es wegen meiner Behinderung schaffen, sie macht mich nämlich auch innovativ! Ich bin nicht minderwertig! Ich bin ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, das wertvolle Arbeit zum Gemeinwohl beiträgt. Ich bin kein Kostenfaktor, ich bin ein Mensch mit Gefühlen und mit Stärken und Schwächen, so wie jeder andere verdammte Mensch auf diesem Planeten auch!

Wo sind die echten Erfolgsgeschichten? Wo sind die Geschichten über behinderte Menschen, die es wirklich geschafft haben? Die dem Kreislauf entkommen konnten? Die ein glückliches Leben führen und sich einrichten konnten? Wo sind diese Geschichten über diese Menschen, die einfach nur zufrieden ihrer Arbeit nachgehen, ein gutes Privatleben haben, so wie sie es sich wünschen und denen es finanziell gut geht? Menschen ohne Existenzängste? Die ihrer Qualifikation entsprechend arbeiten?

Und wenn dann doch mal eine Geschichte über einen solchen Menschen auftaucht, dann sehe ich, was all die anderen angeblichen Erfolgsgeschichten angerichtet haben. Ein glücklicher Autist ist unvorstellbar geworden und es hagelt Bedrohungen, die Diagnose wird aus Fernsicht, ohne persönlichen Kontakt, abgesprochen, es wird beschimpft und beleidigt und die Diskussion um die Modediagnose flammt wieder auf. Dann startet er wieder, der Kontest des Leidens und es wird wütend und polternd ausgelotet, wer der Gewinner sein soll. Alle überschlagen sich in ihren Leidensgeschichten.

Ich habe es so satt!

Vielleicht gehe ich endgültig aus allen Gruppen raus, ich will das nämlich nicht mehr glauben. Ich hab genug.

Weltenwandlerins Beziehungshandbuch

Wenn ich einen potenziellen Partner kennenlernte, machte ich von Anfang an klar, was meine Tabus und Erwartungen in einer Beziehung sind. Mit jeder neuen Erfahrung, wurde dieses „Beziehungshandbuch“ umfangreicher.

Meine Partner machten den Eindruck, dass sie es verstanden hätten und in der Lage wären, meine Bedürfnisse zu akzeptieren. Scheinbar realisierten sie aber die Tragweite nicht. Dass ich alles ernst meinte, was ich sagte. Mittlerweile weiß ich sehr gut, was mir gut tut und was nicht. Ich kenne beide Seiten: nicht funktionierende und eine funktionierende Beziehung.

Ich schreibe wieder über mich und meine Erfahrungen. Einiges davon wird bei anderen Autisten bestimmt auch zutreffen, aber eben nicht alles und auch nicht bei allen, denn jeder ist anders!

1. Mir ist Kommunikation sehr wichtig!

Wenn Probleme oder Missverständnisse aufkommen, muss ich darüber reden und erwarte, dass mein Partner auch redet/ zuhört.

Nur wenn negative Gefühle/ Erlebnisse angesprochen werden, kann ich sie erkennen, auswerten und daran arbeiten. Ich bemerke sehr schnell, wenn „etwas nicht stimmt“. Viel mehr weiß ich dann aber auch nur selten. Deswegen spreche ich es an, versuche herauszufinden, was los ist. Ich leide mit, wenn mein Partner leidet und es steigert sich, wenn ich nicht erfahre, WARUM er leidet. Nur wenn ich es weiß, kann ich daran arbeiten.

2. Mein Partner muss über den eigenen Tellerrand sehen können.

Ich mache/ sage oft Dinge, die für Außenstehende unerklärlich sind. Fragt man mich aber gezielt danach, kann ich es gut erklären und versuche meine Perspektive zu zeigen. Welches Verhalten meinerseits dahinter stand. Leider können nicht sehr viele Menschen komplett „umdenken“ und bleiben lieber bei ihrer Perspektive, die die „einzig wahre“ ist.

3. Ich brauche Nähe UND Distanz

Je mehr ein Partner „klammert“ und mir meine Freiheit „raubt“, weil ich und meine Energie als selbstverständlich angesehen werden, desto mehr ziehe ich mich zurück. Brauche Luft zum atmen.

Ich meine es nicht böse oder verletzend, wenn ich alles um mich herum „ausblende“ und meine Spezialinteressen verfolge. Ich weiß, dass es oft verletzend angesehen wird, aber ich kann darauf nicht verzichten, wenn mein inneres Gleichgewicht nicht aus den Fugen geraten soll.

Das ist meine Methode der „Erdung“ und Energieschöpfung. 24 Stunden reichen dabei oft nicht aus, wenn ich längere Zeit keine Möglichkeit hatte, für ein paar Stunden mal

meinen Hobbies nachzugehen und dabei über mich selbst/ die Welt nachzudenken.

Mindestens zwei Mal im Jahr fahre ich deswegen für ein paar Tage ganz alleine ans Meer. In schlimmeren Phasen können das auch 2 oder 3 Wochen werden. Danach bin ich aber so gestärkt, dass ich für einige Monate Energie habe.

Mein Partner muss damit umgehen können, dass ich „spontan“ für mehrere Tage aus dem gemeinsamen Leben verschwinde, aber immer wieder zurückkomme und es keineswegs ein Zeichen dafür ist, dass die Beziehung „kriselt“.

4. Ich hasse Überraschungen, die meine eigenen Pläne/ Ansichten durchkreuzen.

Ein Ex von mir hatte Konzertkarten gewonnen und hat mich damit überrascht. Schon Tage vorher merkte ich, dass er etwas „im Schilde“ führt. Er sagte mir natürlich nicht, was. Es sollte ja eine Überraschung sein! So wurde ich immer nervöser, weil ich nicht wusste, ob es mir gefallen wird, was er vorhat.

Am Tag des Konzerts sagte er mir, dass ich mich doch schick machen solle, weil wir wegfahren. Er sagte mir nicht wohin oder sonst irgendetwas. Somit stellte ich viele Fragen: „Gehen wir ins Restaurant?“ – „Gehen wir ins Kino?“ usw. Alles wurde nur mit Nein geantwortet… „Wie sind denn die Menschen gekleidet, die dorthin gehen?“ – „Rockig“ Ich freute mich, dass er mit mir in meine Lieblingsdisko ging (ein recht ruhiger und entspannter Laden mit vielen Nebenräumen und Rückzugsmöglichkeiten). Ich machte mich also so zurecht, als würde ich in die Disko fahren. „So willst du gehen?!“ – „Fahren wir nicht ins „XY“?“ – „Nein“

Enttäuschung machte sich breit, weil das wirklich ein schöner Abend geworden wäre.

Er gab mir ein paar „Tipps“ bezüglich der Garderobe. Während ich mich umzug kam er zu mir, sagte mir, dass ich aufhören kann, weil es heute nichts mehr wird. Ich stellte ihm so viele Fragen, bis er mir verriet, wo es hingehen sollte: ein Konzert! Ich war so froh, dass es abgesagt wurde, weil der Tourbus der Band im Schnee steckengeblieben war…. So hatte ich Zeit, mich auf den Ersatztermin vorzubereiten und die Band erstmal „kennenzulernen“. Die Überraschung hätte deutlich nach hinten losgehen können, weil ich extremer Lautstärke und vielen Menschen ausgesetzt wäre. Außerdem war es etwas „Neues“, weil mein bisher einziger Konzertbesuch mit 9 Jahren als Ostergeschenk meiner Eltern war.

Überraschungen sollten also gut durchdacht sein und möglichst wenig „Variablen“ erhalten, was meinen „normalen“ Tagesablauf betrifft. Da sind mir symbolische, kleine Gesten deutlich lieber… ein Brief, ein Foto, kleine Gegenstände, die ein gemeinsames Erlebnis aus der Vergangenheit charakterisieren o.ä.

  1. Ich brauche einen Mann, der romantisch sein kann

Ja, ich bin eine romantische Autistin. Romantik habe ich als frühes Spezialinteresse „inhaliert“. Disney-Filme, Märchen, später Dramen… Ich suchte dabei nicht den „Ritter auf dem weißen Pferd“, sondern einen Mann, der mich so sehr liebt, dass er solche Dinge, wie im Märchen, für mich tun würde. Ich aber ebenso bereit bin, einen hohen Preis für unsere Liebe zu bezahlen. Manche nennen es kitschig, ich nenne es Selbstwert.

In meinen Partnerschaften ging ich in gewisser Weise symbiotische Verbindungen ein. Wenn ich meine Energie dafür nutze, dass es meinem Partner bgut geht, geht es mir auch gut. Nutzt er die „übertragene Energie“ dafür, mir auch welche zu übertragen bzw. mich mit meinen Problemen zu unterstützen, kann uns so schnell nichts trennen, weil wir ausgeglichen sind.

Das wird ziemlich verworren und komplex, wenn mein Partner eben diese „Mühe“ nicht aufbringt und Energie von mir „stielt“, weil es aus seiner Sicht vollkommen normal ist, dass ich seine Aufgaben zusätzlich zu meinen Aufgaben alleine bewältige. Ist dieser Punkt in einer Beziehung erreicht und keine Bereitschaft des „mir-zuhörens“vorhanden ist, rutscht nicht nur meine Stimmung weiter ab, sondern auch die meines Partners. Ich bin zu jeder Zeit bereit, Kompromisse einzugehen und darüber zu reden.

Auch habe ich es in meiner schlimmsten Beziehung mit verschiedenen „Kleinigkeiten“ ausprobiert, ihn „wachzurütteln“ und zu zeigen, dass ich gar nicht so viel verlange. Dass meine „Forderungen“ sehr realistisch und für ihn keinen großen Mehraufwand bedeuten.

Briefe, Gesten des Entgegenkommens, das für mich im Endeffekt nur eine dauerhafte „Mehrbelastung“ bedeutete, weil Dinge, die ich „ausnahmsweise“ übernahm, zur Selbstverständlichkeit wurden.

Wenn mein Partner mir immer wieder zwischendurch zeigen kann, wie viel ich ihn bedeute, habe ich wahnsinnig viel Energie, um das gemeinsame Zusammenleben zu verbessern. An gemeinsamen Träumen und Zielen zu arbeiten… bedingungslos und langfristig.

Meine „Romantik“ zeigt sich in kleinen Gesten. Mein Freund und ich haben einen Haushaltsplan und die Aufgaben etwas verteilt (zumindest die, die ich absolut nicht gerne mache). Dafür mache ich die Dinge, mit denen er Probleme hat. Alles andere machen wir so, wie es gerade anfällt/ wem es auffällt.

Er ist z.B. für den Müll und (freiwillig) die Küche zuständig. Wenn mir von diesen Aufgaben etwas auffällt, was ich erledigen kann, dann mache ich es, um ihm zu zeigen, dass ich ihn unterstütze.

Für „besondere“ Anlässe oder einfach, weil ich gerade Lust dazu habe, überrasche ich ihn mit Dingen, die er gerne macht/ die ihn garantiert glücklich machen.

Dafür muss ich meinen Partner aber gut kennen. Muss „aktiv zuhören“ können und mir eigene Gedanken dazu machen. So zeige ich meinem Partner, dass ich während seiner Abwesenheit an ihn Gedacht habe oder wie gut mir ein besonderes Erlebnis mit ihm gefallen hat.

Je nachdem, wie viel mich gerade beschäftigt, können diese „Aufmerksamkeiten“ geringer werden, weil ich dafür keine Kraft/ Zeit habe. Sie verschwinden aber nie und einem aufmerksamen Beobachter fallen sie auch auf!

Damit mein Partner mich auf ähnliche Weise überraschen kann, muss er mir auch zuhören können und in der Lage sein, meine „komplexe Welt“ richtig auszuwerten.

6. Humor „dosieren“

Ich bin selbst sehr humorvoll. Das erkennen aber meist nur die Menschen, die mich sehr gut kennen. Ich liebe die Selbstironie und Situationskomik. So oft, wie mir schon die verrücktesten Sachen passiert sind, bleibt mir da oft auch gar nichts anderes übrig. 😉

Dabei kann ich auch sarkastisch werden, jedoch ist es bei mir sehr gut zu erkennen, da ich es so „überzogen“ mache, dass es jeder (aus meinem näheren Umfeld) erkennt.

Am besten kann ich mit trockenem sarkastischen Humor umgehen, muss dafür aber eine Person extrem gut kennen, um einzuschätzen, was ernst gemeint ist und was nicht.

Das dauert oft Jahre! Je besser ich jemanden kenne, umso humorvoller werde ich. Weil ich immer mehr Situationen besser einschätzen kann und genau weiß, ob mein Gegenüber das auch lustig finden würde – oder nicht. Erst nach einem sehr lockeren, offenen und verständnisvollen Umgang miteinander, kann ich „lustiger“ werden. Dann aber oft so, dass anwesende Personen nur schwer wieder aus dem Lachen kommen.

Mir ist es bei vielen anderen nicht möglich, Sarkasmus/ Doppeldeutigkeiten zu erkennen, weil sie für mich exakt so wirken, wie die „Wahrheit“, jedoch einen logischen „Haken“ haben. Ich bin dann erst verwirrt und nachdem es mir erklärt wurde und ich es verstanden/ nachvollzogen habe, kann ich lachen. Das ist dann die berühmte „lange Leitung“ oder Resistenz gegenüber des „Schnellmerker-Gens“.

Deswegen ist es wichtig, dass mein Partner seinen Humor auch „dosieren“ kann. Ihn entweder so anwendet, dass selbst ich heraushöre, dass es ein Scherz ist oder so deutliche Situationen wählt, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als es so zu verstehen, wie es gemeint ist.

7. Nur konstruktive Kritik!

Ich habe oft gehört, dass irgendetwas nicht gut war, was ich gemacht habe. Dabei aber nicht erfahren, WARUM es blöd war. Aus meiner Sicht sind es logische Verhaltensweisen, die mich aus unerklärlichen Gründen immer wieder vor Probleme stellten.

„Das kannst du so nicht machen!“ bringt mir nichts, wenn ich nicht weiß, was daran „falsch“ war. „Das kannst du so nicht machen, weil die andere Person/ ich es „so und so“ verstehe/ sehe.“

Kritik mit Begründung und/ oder Verbesserungsvorschlägen mag ich sehr gerne, weil es mir hilft, mich zu „entwickeln“. In der Schule gab es damals auch oft Situationen, in denen ich keine Möglichkeit hatte, es zu erklären und die Lehrer mich mit schlechten Noten „bestraften“. Klassenarbeiten in Aufsatzform waren oft trotz nahezu perfektem Deutsch falsch. „Thema verfehlt!“

Ich verstand dabei nur, DASS es falsch war. Mir wurden aber die Aufgabenstellung und die genauen Erwartungen nicht erklärt.

8. Zärtlichkeiten können phasenweise recht spärlich auftreten.

Manchmal sind meine Gedanken so zahlreich und schwer, dass sich meine Körperwahrnehmung distanziert. Ich bin dann weniger Kontrolle über meine Motorik und bin nicht vollkommen „anwesend“. Es reicht, um alles mitzubekommen und entsprechend meiner Kraft zu reagieren, aber ich teile mir meine „Reserven“ ein. Wenn ich mehr in meinen Gedanken bin, habe ich absolut keine Lust auf Zärtlichkeiten. Ich brauche sie in solchen Phasen nicht, weil es bedeuten würde, dass ich aus meiner „Gedankenwelt“ verschwinden müsste und dabei versuche, sie „zurückzuhalten“, um meine Aufmerksamkeit nicht wieder aus sie zu lenken.

Ich bin auch schnell durch Sinneseinflüsse erschöpft. Mir steht in jeder Wachphase ein gewisses Pensum zur Verfügung, das an ruhigen Tagen schonmal 14 Stunden reicht.

Je anstrengender der Tag war und je mehr unvorhersehbare Dinge geschehen, desto schneller werde ich müde. So kommt es immer wieder vor, das ein Mittagsschlaf zu einer 6-stündigen Schlafphase wird und ich anschließend trotzdem noch die ganze Nacht bis zum Morgen durchschlafen kann.

Wenn ich nicht die Ruhezeiten bekomme, die ich haben müsste, verlängert sich die anschließende „Rehabilitationsphase“ bzw. meine Leistungen fallen bis dahin immer weiter ab.

Wenn ich Lust habe, mache ich es auch irgendwie deutlich.

Solange ich einen Partner habe, der Sex nicht als „Besonderheit“ sieht, sondern nur zur Befriedigung der Triebe, ist die Beziehung schon zum Scheitern verurteilt.

Das Pensum meiner Zärtlichkeiten besteht oft nur aus „im Arm liegen“ oder zwischendurch umarmen. Das bedeutet aber nicht, dass ich meinen Partner unattraktiv finde oder sogar einen anderen habe.

9. Mein Partner muss mit Ehrlichkeit umgehen können

Ich sage oft, was ich denke. Vollkommen ungeschönt und aus meiner Perspektive. Ich kann Verhaltensweisen von Menschen gut einschätzen, wenn ich entweder Informationen darüber gesagt bekomme, oder sie selbst entdecke.

Deswegen kannte ich einige Partner besser, als sie sich selbst. Mein Partner darf sich dadurch nicht verletzt fühlen, sondern sollte es als eine Möglichkeit sehen, GEMEINSAM daran zu arbeiten.

Die meisten meiner Partner sagen es als persönlichen Angriff, wenn ich (konstruktive!) Kritik übte. Auch kann diese Ehrlichkeit (wenn es vergangene Erlebnisse betrifft) andere Menschen sehr stark bewegen und sie depressiv machen. Das habe ich alles schon erlebt!

Ich war niedergeschlagen, weil mich etwas beschäftigte, was mir zugestoßen war, mein damaliger Partner fragte mich, was mich bewegt und ich erzählte es ihm.

Er war danach noch fertiger als ich und schlitterte geradewegs wegen MEINER Erfahrungen in eine Depression. Mein Kummer über die eigentlichen Sorgen wandelte sich um Angst, ob er die schon ausgesprochene Wahrheit verkraften kann.

Ehrlichkeit ist ein Segen, wenn Betroffene damit WIRKLICH umgehen können und in der Lage sind, fremde Sichtweisen von der eigenen Gefühlswelt auf rationaler Ebene „fernzuhalten“. Natürlich kann/ darf man trauern, gemeinsam weinen. Die Ehrlichkeit des Anderen sollte aber nicht so große Macht über die eigene Gefühlswelt haben, dass sie bei einem selbst deutlich mehr Ballast auflädt, als bei der betroffenen Person selbst.

Ich sehe in Ehrlichkeit keine Wertung. Es ist für mich eine Möglichkeit, einen anderen Menschen besser kennenzulernen und ihm auch die Möglichkeit zu geben, mich richtig und nicht nur oberflächlich zu verstehen.

10. Gemeinsame Interessen

Um langfristig eine glückliche Partnerschaft zu führen, ist es wichtig, mindestens ein gemeinsames Interesse zu finden. Ich brauche etwas, woran ich gemeinsam mit meinem Partner arbeiten kann. So habe ich die Möglichkeit, gemeinsam mit ihm ein Spezialinteresse auszuleben und zu vertiefen. Dabei bin ich wirklich begeisterungsfähig und solange mein Partner Spaß daran hat, habe ich selbst auch Spaß daran. So kamen bei mir schon vollkommen neue Interessen auf, die ich vorher überhaupt nicht verfolgt habe. Ich wurde z.B. ein riesen Fußballfan und bin regelmäßig ins Stadion gegangen.

Soziale Kontakte und Ich

Ich muss an dieser Stelle einmal etwas los werden. Eine Meinung, ein Empfinden, mit dem ich gesellschaftlich oft auch anecke. Ich möchte hier über soziale Kontakte sprechen und über deren Vor- und Nachteile. Denn es gibt definitiv beides. Und oft ist es für mich eine ganz sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile. Der Grund dafür ist nicht nur meine Gesundheit…

Ich brauche soziale Kontakte!

Das muss ich an erster Stelle klar sagen. Ich brauche soziale Kontakte, ich brauche es geliebt zu werden, ich brauche es lieben zu dürfen und ich brauche genau so Zuspruch, Zuneigung und auch körperliche Nähe, wie die allermeisten Menschen eben auch. Zugegeben, letzteres musste ich erst lernen, aber seitdem ich es kann, ist es ein wichtiger Teil in meinem Leben geworden. Ich brauche das alles ganz unbedingt. Ein Leben vollkommen ohne Liebe, und ohne geliebt werden, ist für mich schier unerträglich. Da könnte ich mich auch gleich unter die Erde legen. Will ich aber nicht. Ich brauche Menschen in meinem Leben! Ich möchte mit ihnen lachen und weinen und ich möchte mich mitteilen, und das auch sie sich mir mitteilen. Ich brauche auch Sex und ich brauche es auch hier und da in einer Gruppe zusammen zu sitzen, gemütlich zu grillen und/oder ein Bierchen zu trinken. Das sind alles wichtige Dinge für mich, aber es gibt eben auch ein, zwei Probleme, die ich so mit sozialen Kontakten habe.

Ich habe da keine Energie für!

Eines meiner Probleme wird wohl fast jeder von euch kennen. Ein Abend in Gesellschaft ist körperlich so anstrengend, wie ein Marathon. Die Aufmerksamkeit, die Konzentration, die ich aufbringen muss, um deren unverständliches Gebrabbel (sry Leute, meine ich nicht böse) in klare Worte zu verwandeln, damit ich überhaupt begreife, wovon die eigentlich sprechen, ist unendlich ermüdend. Ich muss in Windeseile alles Gesagte korrekt einordnen. Dazu muss ich Vergleiche finden, Emotionen einordnen, die Bedeutung dahinter begreifen. Ich muss einfach alles ins, für mich, rechte Licht rücken. All das funktioniert über Vergleiche. So funktioniert eben Empathie und ich bin ja auch gerne empathisch. Mir macht das irgendwo ja auch Spaß, sonst würde ich es nicht immer wieder tun! Ich muss aber in der Regel an ganz anderen Stellen suchen, um das gleiche zu finden, was sie mir da erzählen und dazu muss ich dann auch noch meine eigenen Erlebnisse massiv abstrahieren, abwandeln und wieder in ein Erlebnis setzen, welches mein Gegenüber dann auch begreifen kann. Ich spreche also permanent in Gleichnissen. GOTT! Eine fünfstündige Matheklausur ist dagegen Entspannung für meinen Kopf! Ich mache diese Arbeit gerne. Alles was ich eben sagen möchte, ist, es ist anstrengend. Wirklich, wirklich, wirklich sehr, sehr anstrengend und es wird nicht leichter, je mehr Fallbeispiele ich zu Rate ziehen kann, sondern eher immer komplexer.

Dieses Problem wird oft nicht verstanden, aber an sich durchaus gesellschaftlich akzeptiert. Ich habe da selten das Problem, wenn ich das erkläre und mich mit diesen Worten verabschiede, dass die Leute da irgendwie sauer sind auf mich, oder so. Sie sagen eher so etwas wie Achso, ja sag das doch, das ist doch gar kein Problem, dann treffen wir uns das nächste Mal nur für 2h statt für 4. Ist doch alles cool! Das zweite Problem hingegen, dass ist schon viel schwieriger wertfrei an den Mann zu bringen, darum verschweige ich das in der Regel, aber auch darüber muss ich einfach einmal sprechen.

Das Gespräch entwickelt sich einseitig!

In den allermeisten Unterhaltungen bin ich inhaltlich wirklich unterfordert. Ich habe oben grob umrissen, auf welchem kognitiven Niveau ich agieren muss und meine Mitmenschen können das sehr oft einfach nicht auch leisten. Ich muss in dieser Komplexität denken, ich habe gar keine andere Wahl, denn ich hätte sonst keine Chance, meinen Mitmenschen mehr als nur ein Aha oder Ja, das kenne ich auch zu bieten. Das zieht aber eben auch den Nachteil mit sich, dass ich, sollte ich es mal wagen, einen eigenen Gedanken zu äußern, mich häufig mehrmals massiv herunterbrechen muss, mich mehrmals stark vereinfachen muss, damit ich überhaupt verstanden werde. Dadurch entwickelt sich das Gespräch schnell recht einseitig. Ich verliere enorm die Lust daran, meine eigenen Gedanken zu äußern, die gerade einfach wesentlich für mich sind, während mein Gesprächspartner jetzt so richtig aufblüht, tausend Erkenntnisse gewinnt und mir ein Problem nach dem anderen um die Ohren haut, um mich in diesen Angelegenheiten um Rat zu bitten. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich freue mich darüber. Ich finde das schön, wenn ich helfen kann. Mein Gesprächspartner beteuert mir dann immer wieder, wie wertvoll die Gespräche mit mir sind. Ich bin ja durchaus ein gern gesehener Gesprächspartner. Nur diese Einseitigkeit, die ist einfach ermüdend. Denn wenn ich diejenige bin, zu der alle mit ihren Problemen kommen, weil ich so weise (haha) bin, wo gehe ich denn hin, wenn ich nicht weiter komme? Zu denen, die weiter hinter mir liegen? Die verstehen ja gar nicht, wovon ich spreche.

Das vermischt sich dann zusätzlich noch mit der autistischen Denkweise. Die Arbeit hängt immer an mir und das ist meinen neurotypischen Mitmenschen gar nicht so richtig klar. Ich bin dazu gezwungen, alles so aufzubereiten, damit sie es verstehen, weil sie einfach nicht in der Lage sind, sich auf mich zuzubewegen. Weder vom Intellekt, noch von der autistischen Wahrnehmung her. Und ja, ich gebe das zu, aber in diesem Moment sehe ich auch sehr häufig schlicht keinen Sinn darin, mich meinen Mitmenschen mitzuteilen. Dabei brauche ich das so sehr. Ich möchte genau so wie jeder andere ein qualitatives, gegenseitiges Gespräch führen. Doch fast immer komme ich, aufgrund der vorhandenen Fähigkeiten meiner Mitmenschen, in diese einseitige Lage.

Therapie? Ja? Nein?

Genau das war dann auch die Frage, vor die ich mich gestellt sah, als ich endlich bereit war, an mir zu arbeiten. Suche ich mir jetzt einen Therapeuten? Einen richtig guten, der auch mal versucht, die Arbeit zu leisten, die ich tagtäglich leisten muss? Mal versucht, sich in mich hinein zu versetzen? Ich habe das alles mal durchgespielt. Ich hätte jemanden finden müssen, dann einen Platz bei ihm bekommen müssen, dann hätte ich ihn erst einmal anlernen müssen und dann, erst dann hätte die Therapie angefangen. Alles in allem wäre ich dann in 6 Jahren an der Stelle gewesen, an der ich heute nach 6 Monaten bin. Ich bin daher sehr froh darüber, dass ich die Fähigkeiten besitze, dass selbst machen zu können. Das alleine zeigt ja schon, denn es handelt sich dabei ja um einen Profi, wie erschöpfend das ganze sein muss, wenn da jemand mit noch weniger Ahnung vor mir sitzt. Ich will damit das Ausmaß beschreiben, welchen Dingen ich tagtäglich ausgesetzt bin. Welche Leistung ich da eigentlich tagtäglich vollbringe. Es ist eine ganz außerordentliche Leistung! Ernsthaft!

Und unterm Strich?

Unterm Stich kommt für mich etwas heraus, was viele nicht gerne hören möchten, weil sie sich dadurch persönlich verletzt fühlen. Für mich kommt heraus, dass ich einen enormen Energieverlust zu verzeichnen habe. Mich übermannt Lustlosigkeit und Trauer. Ich werde auf ein Podest gehievt, auf dem ich vollkommen einsam bin. Ich erlebe einfach keine Gemeinsamkeit. Immer nur Einseitigkeit. Ich stecke Tonnen an Energie in die Kommunikation, damit ich alles in den für mich richtigen Kontext setzen kann und übersetze permanent auch wieder zurück. Ich stecke Tonnen an Energie in ein Unterfangen, aus dem ich nichts zurück bekomme. Im Gegenteil. Ich bin der Verlierer der Konversation. Ich verliere nicht nur Energie, Lust und Freude, ich verliere auch Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, das Gefühl von Gleichwertigkeit. Mein Gesprächspartner hingegen gewinnt nur, weil er sich nicht auf mich zu bewegen kann und daher alle Arbeit an mir hängt. Ich fühle mich da auch irgendwie … benutzt …

Ja, ja, ja. Ich soll das nicht aufwiegen und ich darf nichts von einem sozialen Kontakt erwarten, ich weiß, ich weiß. Und dennoch muss ich mir ernstlich die Frage stellen, was ich davon habe, wenn ich auf diese Kontakte verzichte. Täte ich dies, ich würde lesen, lernen, schreiben, einfach kreativ sein und mich entfalten. Kurz gesagt, ich würde mich bilden und entwickeln. Ich würde mein Selbstwertgefühl steigern, mein Selbstbewusstsein, meine Selbstwirksamkeit. Ich wäre voller Freude und Lust und meine Energie würde steigen und steigen. Und daher sage ich, wie es für mich einfach ist:

Ich empfinde soziale Kontakte in den allermeisten Fällen als Klotz am Bein!

Und es macht mich traurig, dass ich so empfinden muss. Ich möchte das nicht. Ich sehne mich danach, konstruktive Freundschaften zu pflegen. Aber das sind sie meistens nicht für mich. Meine konstruktiven Freundschaften pflege ich daher eher mit Büchern. Mit meinen Blöcken und Stiften. Mit den hunderttausend Büroartikeln, die ich sammle, wie eine Irre. Mit meinem Notebook, dass mir so ein treuer Begleiter ist. Ich finde meinen Trost und meinen Fortschritt in der Musik und in der klassischen Literatur. Ich finde meinen Trost und meinen Fortschritt in der Naturwissenschaft. Die verstehen mich. Die sind immer für mich da. Die zeigen mir Perspektiven auf. Denen muss ich mich nicht erklären, die helfen mir einfach. Sie erklären mir alles, was ich wissen will. Kaum sonst einer kann das. Ich wünschte, es wäre nicht so. Ich wünschte, Menschen könnten das für mich sein. Aber sie sind es nicht. Sie sind Klötze am Bein, die mich aufhalten, in meinem Bestreben, mich zu entwickeln. Das wollte ich viel zu lange nicht wahrhaben.

Es ist eben auch gesellschaftlich nicht akzeptiert, so zu fühlen. Wenn ich das ausspreche, dann bin ich arrogant und eingebildet. Ich bin ein Narzisst. Ich halte mich ja für was besseres und bin in mich verliebt. Ich schätze mich ja sowieso vollkommen falsch ein, denn wir wissen ja alle, dass das niemand kann. Weil zu sagen, dass man intelligent ist und diese eigene Intelligenz, im Vergleich mit anderen Menschen, auch deutlich wahrnimmt, dass macht man nicht. Da ist man selbstverliebt. Ganz klar. Und diesem Urteil erlag ich lange Zeit und habe mich so selbst daran gehindert, mich zu entwickeln. Ich habe mich dazu gezwungen, sozial zu sein. Ich habe mich dafür geschämt, intelligent zu sein. Ich habe absichtlich Klausuren verhauen. Und so weiter.

Jetzt akzeptiere ich das. Ich akzeptiere, dass mir Menschen Klötze am Bein sind und sie mich aufhalten. Ich darf das nur eben nicht so sagen. Ich bin also nicht asozial, weil ich ein Arschloch bin. Ich bin asozial, weil ich durch meine Konditionen in eine Rolle gedrängt werde, in der ich nicht sein möchte und weil ich deswegen einen anderen Weg gehe, als meine Mitmenschen. Meine Mitmenschen entwickeln sich über den Kontakt zu Gleichaltrigen. Ich nicht. Das ist okay. Wenn ich euren sozialen oder religiösen Werdegang akzeptieren kann, dann akzeptiert doch bitte auch meinen, über die Naturwissenschaften und die Kunst. Danke vielmals!

Warum ich es gut finde, nicht normal zu sein

Ich bin stark!

Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, haben mich wachsen lasen. So grotesk es auch klingen mag – ich möchte sie nicht missen. Jede einzelne Erfahrung hat mich zu der Frau gemacht, die ich jetzt bin. Das ist der Schmetterlingseffekt. Wenn nur die kleinste Sache in meinem Leben anders gelaufen wäre, hätte es mich in andere Richtungen gebracht. Es wäre ein Verrat mir selbst gegenüber, wenn ich mir wünschte, dass meine Vergangenheit anders verlaufen wäre. Ich mag mich so, wie ich bin!

Ich bin unvoreingenommen!

In meiner Denkweise existiert nur meine eigene Meinung. Ich beziehe andere Meinungen/ Sichtweisen mit ein, bilde mir aber mein eigenes Urteil darüber. Es ist möglich, mich von einem alten Urteil abzubringen, auch wenn es manchmal schwieriger wird.

Ich bin tiefgründig!

Da ich immer schon sehr viel über mich nachgedacht habe, kenne ich mich sehr gut. Dabei sehe ich nicht nur meine Perspektive, sondern werte auch die von anderen aus. Mein Interesse an Psychologie und menschlichen Verhalten, hat eine große „Datenbank“ an Informationen hervorgerufen, die ich jeder Zeit in meine Gedanken einbinden kann. So ist es mir möglich, deutlich tiefer in meine „Seele“ schauen zu können, als es viele andere schaffen/ möchten.

Ich bin kreativ!

Meine Gedanken rasen immerzu, was mir oft lustige „Gedankenkombinationen“ erlaubt. Sei es „zufällig“, wenn ich eigentlich über etwas ganz anderes nachdenke oder die bewusste Kombination verschiedenster Puzzleteile. Ich liebe das und nutze es oft, um ganz besondere Ideen/ Dinge zu schaffen.

Ich bin scharfsinnig!

Meine geschärfte Wahrnehmung erlaubt mir, die Umwelt detaillierter zu erfassen. So stehen mir mehr Informationen zur Verfügung, die oft etwas offensichtliches entdecken, was andere übersehen haben.

Ich bin optmistisch!

Mein Humor ist die trockene Selbstironie. Situationskomik kann mich so sehr einnehmen, dass ich scheinbar ewig weiter lachen und mich erst nach langer Zeit allmählich beruhigen kann. Wenn mir etwas peinliches/ dummes passiert, muss ich meist selbst darüber lachen. Wenn nicht sofort, dann etwas später bei nüchterner Betrachtung der Geschehnisse.

Es gibt natürlich auch Situationen, die alles andere als amüsant sind. Selbst dann denke ich daran, dass mich jeder vergangene Tag einen Tag näher an den Zeitpunkt bringt, an dem es vorbei ist. So kann ich anhaltende Schmerzen besser ertragen oder auch für Schicksalsschläge Energie aufbringen, die mich nicht stehenbleiben lässt. Mein Optimismus ist eine nicht versiegende Quelle an Energie. Solange ich mir selbst treu bleibe und nicht vergesse, wer ich bin, steht mir diese Quelle zur Verfügung.

Ich bin ablenkbar!

Wenn ich traurig bin, ist es nicht schwierig, mich etwas fröhlicher zu stimmen. Schon kleine Gesten können bewirken, dass ich für einen Moment die Trauer vergesse.

Meine Ablenkbarkeit ist zwar oft von Nachteil, aber manchmal auch ein großer Helfer.

Ich bin begeisterungsfähig!

Meine Interessen sind so breit gestreut, dass ich eigentlich immer ein Thema finde, mit dem mein Gegenüber mich begeistern kann. In einer Partnerschaft können das neue Hobbys sein und bei Bekannten besondere Themen, die ich weiter verfolge, um darüber gemeinsam diskutieren zu können. Es gibt nicht sehr viele Themen, bei denen ich mich komplett „ausklinke“. Da fallen mir jetzt nur Politik, Geschichte und Erdkunde ein. In den Bereichen ist mein Wissen sehr gering, weil ich mir nichts davon merken kann.

Ich bin flexibel!

Der Alltag hat mich im Griff und Planänderungen können mich sehr belasten. Je weiter ein Datum aber entfernt ist, desto leichter kann ich meine Pläne neu ordnen. Momentan stellt sich bei mir noch die Frage nach der beruflichen Orientierung. Sehr oft sprang mein „Ziel“ schon in unterschiedliche Richtungen. Sobald ich erkannt habe, dass ich wichtige Aspekte übersehen habe und diese aufgrund meiner Schwierigkeiten nicht zu schaffen sind, habe ich eine Alternative gesucht. Ich habe jetzt ein genaues Ziel vor Augen und mich für einen Beruf entschieden, in dem ich schon viel Erfahrung gesammelt habe und die Möglichkeit habe, eine Ausbildung zu beginnen. Wobei ich schon öfter gesagt habe, dass es DAS jetzt ist….

Flexibel ist nicht nur meine Zukunftsplanung, sondern auch meine allgemeine Sichtweise.

Je mehr Informationen mir zur Verfügung stehen, desto genauer bildet sich das passende Bild vor meinen Augen. Manchmal bedeutet das auch, etwas vollkommen Neues zu sehen. Deswegen ist meine Meinung flexibel und nicht „in Stein gemeißelt“.

Autismus und Messie – geht das?

Aus eigener Erfahrung heraus: ja, das geht und ist bei dem Erscheinungsbild und den Auslösern des Messie-Syndroms auch nicht sonderlich überraschend.

Es wird oft von ordnenden und peniblen Autisten berichtet. Bei mir ist das nicht so. Im Prinzip schon, weil ich das gerne schaffen würde, aber es ist für mich überaus anstrengend, das zu erreichen. Ich stehe meinem Chaos täglich im Kampf gegenüber.

Der Begriff Messie dürfte jedem geläufig sein, jedoch habe ich selbst erfahren müssen, dass dabei weniger die Auslöser betrachtet werden, als das Ausmaß.

„Räum doch mal auf!“ – „Das ist ekelig!“ – „Du bist faul!“ – „Das ist krankhaft!“

Aber wirklich geholfen, hat mir dabei keiner (von den wenigen, die es wussten).

Ich möchte nun die grobe Charakteristik des Syndroms aufzeigen und anhand meiner Erfahrungen/ Gefühle/ Gedanken genauer darauf eingehen. Ich orientiere mich dabei am Wikipedia-Artikel, da er für den Einstieg in das Thema ziemlich gut ist: https://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom

Der Wikipedia-Artikel beginnt, wie folgt:

„Der Begriff Messie-Syndrom bezeichnet schwerwiegende Defizite in der Fähigkeit, die eigene Wohnung ordentlich zu halten und die Alltagsaufgaben zu organisieren; es können ernsthafte seelische Störungen vorliegen. (…)

Die Störung wird auch als Desorganisationsproblematik bezeichnet. (…)“

Weiter heißt es bei der Definition:

„Das Messie-Syndrom ist eine psychische Wertbeimessungsstörung, das heißt Betroffene schätzen Wert und Nutzen verschiedener Dinge anders ein als der Durchschnitt der Bevölkerung. (…)

Einige Messies sammeln nur eine bestimmte Art von Dingen, andere sammeln alles und werfen überhaupt nichts weg, da sie sich nicht davon trennen können.

Teilweise führt dieses Verhalten zu Verwahrlosung und Vermüllung, Schwierigkeiten im sozialen Umgang oder anderen Problemen. Allerdings ist keines dieser Symptome charakteristisch für das Messie-Syndrom. Viele Messies führen nach außen ein völlig normales bürgerliches Leben.“

Symptomatik:

  • Unordentlichkeit bis zu Geruchsbelästigung und hygienischen Problemen
  • zwanghaftem Sammeln wertloser oder verbrauchter Dinge
  • chronischen Problemen mit Zeiteinteilung und Pünktlichkeit
  • „Lähmung“ der Handlungsfähigkeit auch in wichtigen Situationen
  • Versäumen bzw. Nichterledigen (Aufschieben) normaler sozialer Verpflichtungen. (Es kann beispielsweise vorkommen, dass die gesamte Post – ob Werbung, wichtige Briefe oder Mahnungen – ungeöffnet liegenbleibt.)
  • eingeschränktem sozialem Umgang, den u. a. eine oft extrem unordentliche Wohnung mit hervorruft
  • Hilflosigkeit unter dem Druck des Chaos

(…)

Die Betroffenen sind meistens unfähig, den realen Wert dieser Gegenstände einzuschätzen und zwischen wichtig und unwichtig, brauchbar und unbrauchbar zu unterscheiden. Oft sehen sie die Irrationalität ihres Hortens zwar ein, sind aber nicht in der Lage, der Einsicht entsprechend zu handeln.

(…)

Darüber hinaus haben Messies häufig Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen, Notwendiges zu erledigen und ihre Handlungen gemäß eigener Zielsetzungen effektiv zu steuern. Insbesondere die Umsetzung geplanter Handlungen, die nicht aktuell befriedigend sind, fällt ihnen schwer, ebenso eine aufgabengerechte Zeiteinteilung. Ähnlich wie bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind also die sogenannten exekutiven Funktionen gestört.

Auch haben Messies oft das Problem, dass sie sich voller Elan in neue Aufgaben stürzen, viel organisieren und letzten Endes dann feststellen, dass sie dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. So bleiben viele angefangene Projekte liegen und tragen dazu bei, die Unordnung im Leben zu vergrößern.

Viele Messies schämen sich ihrer Unordnung und leiden darunter. Auch infolge sozialer Isolation halten es viele Betroffene nicht für möglich, dass andere unter denselben Schwierigkeiten leiden. Dies erschwert ihnen häufig, ihr Problem zu erkennen und Hilfe zu suchen. Nach außen sind Messies meistens unauffällig. Sie erscheinen oft als offene, optimistische, vielseitige und kreative Menschen. Manchmal haben sie – scheinbar paradox – eine Tendenz zum Perfektionismus.

(…)

Und zuletzt zu den Ursachen:

(…)

Die Ursachen können im „Verlassen-Werden“ von angenehmen Dingen liegen. Jemand, der sich etwas zulegt, einkauft oder von jemandem beschenkt wird, verbindet mit dem erworbenen Besitz eine nicht zu unterschätzende angenehme Erinnerung. Für den Messie, der nie oder selten in seinem Leben Zuneigung oder Bestätigung bekam, ist diese Erinnerung des angenehmen gekauften Besitzes das Einzige, woran er sich klammern kann. Eine Erinnerung, die er nicht wieder verlieren will. So hortet der Messie sie.

(…)

Das Messie-Syndrom kann auch Folge eines Traumas sein, also einer seelischen Verwundung oder eines Schicksalsschlages, die den Betreffenden aus der Bahn warfen. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von fehlgelaufener Trauerarbeit oder von einer Anpassungsstörung.

(…)

Als Beispiel nun der Verlauf des Syndroms bei mir:

Mein Kinderzimmer hatte ein anderes Ordnungssystem, als es bei anderen Kindern der Fall war. Ich wusste immer, wo etwas ist und hatte die Spielsachen, mit denen ich mich viel beschäftigte immer in „Sichtweite“. Ich erinnere mich daran, dass ich oft traurig war, wenn mein Zimmer aufgeräumt wurde und ich nichts mehr so vorfand, wie ich es verlassen hatte. Manche Dinge fand ich schnell wieder – andere musste ich lange suchen. Beim Kinderarzt sortierte ich immer die Bücher und Spielsachen im Wartezimmer. Meine Mutter erwähnte oft, dass sie das nie verstand. Zuhause unordentlich und wo anders räume ich auf.

Ich selbst war aber nicht „unordentlich“, ich hatte meine „eigene Ordnung“. Quasi ein System im vermeintlichen „Chaos“.

Je älter ich wurde, desto voller wurde mein Zimmer. Es war nicht „überfüllt“. Ich konnte darin spielen, der Boden war (abgesehen unmittelbar vor Wänden) frei. Dennoch drängte meine Mutter mich, endlich Ordnung zu schaffen, was ich nicht tat, da es für mich ja schon ordentlich war.

Irgendwann kamen mir auf dem Weg nach Hause Kinder entgegen, die genau die Spielsachen hatten, die ich auch hatte. Ich realisierte es nicht, sondern freute mich darüber, dass ich genau mit diesen Dingen auch spielen kann. Ein paar Meter weiter realisierte ich dann, dass es nicht nur die gleichen, sondern tatsächlich meine Spielsachen waren! Sie standen in Müllsäcken am Straßenrand. Wie ich darauf reagierte, ob ich rebellierte oder es „schluckte“, weiß ich nicht mehr. Da endet meine Erinnerung.

Im Alter von etwa 14 Jahren bemerkte ich, dass ich meine Mutter aus meinem Zimmer heraushalten kann, wenn es noch unordentlicher wird. Leider fand bei ihr ein „Gewöhnungsprozess“ statt und die Unordnung reichte nicht mehr aus. Somit legte ich nach. Das war aber immernoch „nur“ die Unordnung einer Chaosprinzessin. Keineswegs eines Messies.

Ich schaffte es, immer wieder die Sachen zu ordnen, wenn ich Besuch bekam. Was zugegeben sehr selten war, aber nicht immer zu vermeiden. Mit 16 Jahren hatte ich die ordentlichste Phase meines Lebens. Ich lernte meine erste Liebe kennen. Nach der Trennung artete es zum ersten Mal in Vermüllung aus. Ich konnte nichts aus unserer Zeit wegwerfen. Auch Dinge, die mich während meiner Trauerphase an ihn erinnerten, wurden mit auf mein Zimmer genommen (Zeitungen mit bestimmten Daten, Flyer des Kinos, in dem wir waren etc.).

Zwei Jahre später, nach der Trennung meiner zweiten ernsteren Beziehung (in der Zwischenzeit gab es noch andere Beziehungen, die mich aber emotional nicht so sehr mitgenommen haben), verkroch ich mich auf mein Zimmer. Ich kam nicht mehr heraus, verlor meinen Tag- und Nachtrhythmus. Blieb nachts wach, weil es dann still im Haus war und fuhr morgens mit dem Auto weg, damit meine Eltern nicht merkten, dass ich nicht mehr zur Schule gehe. Ich fuhr auf einen stillen Parkplatz und schlief im Auto, bis die Schule vorbei war. Dann fuhr ich zurück – ging auf mein Zimmer und vegetierte in meinem Chaos. Nachts schlich ich mich nach unten, um neue Getränke- und Essensvorräte zu holen und ließ Geschirr/ Verpackungen etc. in meinem Zimmer, weil ich es so selten wie möglich verlassen konnte/ wollte.

Mit 21 Jahren hatte ich die dritte, sehr schmerzhafte Trennung. Von da an war mir bewusst, dass es kein „normales“ Chaos ist, weil ich gerade nicht die Kraft habe, es anzugehen, sondern tatsächlich das Messie-Syndrom.

Es ist unglaublich viel Scham damit verbunden und ich litt selbst darunter. Ich wollte/ brauchte Ordnung und Struktur, bekam sie aber selbst nicht hin.

Dadurch gab es viele familiäre Probleme, die mich stark belastet haben, weil angenommen wurde, ich mache es absichtlich und in Wahrheit doch vollkommen überfordert und um Hilfe schreiend war.

Heute habe ich es relativ gut im Griff. Ich bin nicht die Ordentlichste, aber es ist meist so, dass ich Besuch empfangen könnte. Es kostet mich immernoch sehr viel Kraft, dem täglichen „Krieg gegen das Chaos“ anzugehen. Es gibt immer wieder Phasen, in denen das Chaos wieder überhand nehmen zu droht, aber ich schaffe es dann, es wieder zu beseitigen, weil ich weiß, wie schwierig es für mich war, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Ich habe zu große Angst, dass eines Tages wieder der Punkt erreicht sein könnte, an dem das Chaos für mich zu groß wird.

Ich möchte euch meine effektivste (und kleinste) Herangehensweise nicht vorenthalten:

ich verlasse einen Raum nicht, ohne zu sehen, ob sich etwas in diesem Raum befindet, das ich auf meinem Weg zum nächsten Raum seinem eigentlichen Platz ein Stück näher bringe. Auch habe ich mittlerweile meine „Sammelstellen“ für Gegenstände, die wieder an ihre „alten Plätze“ zurückgebracht werden müssen. Wenn ich dann an diesen Sammelstellen vorbeilaufe, nehme ich es mit. Mir war nicht bewusst, wie viel auf diese Weise aufgeräumt werden kann, ohne dass es ein sonderlicher Mehraufwand ist.

Jedem, dem es ähnlich geht, kann ich nur raten: gehe nicht mit leeren Händen durch die Wohnung/ das Haus. Nutze Wege, die du sowieso laufen musst!