Psychotherapie-Ausbildung in progress

Ein paar Zeilen dazu, wie es mir in der Ausbildung zur Psychotherapeutin ergeht (eigentlich wusste ich gar nicht, was ich schreiben will – ein paar Zeilen sind es jetzt doch geworden, das freut mich sehr).

Die Arbeit mit den PatientInnen steht noch aus. Darauf freue ich mich einerseits, weil ich mir sicher bin, dass ich Spaß an dieser Arbeit haben werde. Andererseit bin ich ganz besonders gespannt, wie und ob diese funktionieren wird und wie sehr mich das Ganze auslaugt. Man hat mich schon darauf vorbereitet, dass die PatientInnen eher schwierig sind. Die Arbeitszeiten und das zeitliche Arbeitspensum über die klinische Arbeit hinaus werden sehr hart sein. Finanziell bleibt es, abgesehen von den Ausbildungskosten, sehr schwierig, weil (wieder mal) ein Umzug mit (natürlich) Kaution und Anschaffungen bevorsteht.                                                                                                                                                             Mein Crowdfunding dazu läuft noch neun Tage, 30% des Zielbeitrags sind erreicht (ganz großen Dank an meine bisherigen UnterstützerInnen!!!). Hier ist der Link zum Blogbeitrag über die Ausbildung mit dem noch aktiven leetchi-Crowdfundinglink http://wp.me/p5NL8S-df.

Es gibt aber auch viel Positives zum theoretischen Teil der Ausbildung zu berichten (das bezieht sich jedoch weniger auf die bisher vermittelten Inhalte). Man mag es kaum glauben, aber bisher bin ich keine Außenseiterin im Jahrgang. In weiser Voraussicht, dass ich alleine bleiben würde, wenn ich aktiv nichts unternehme, habe ich von Anfang an im Kurs Ausschau nach Menschen gehalten, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin (das war tatsächlich bei einer Person der Fall, die auf den ersten und zweiten Blick eher dem „Außenseiter-Klischee“ entsprach). Dadurch, dass ich einer Arbeitsgruppe zugeteilt wurde, lernte ich auch andere TeilnehmerInnen etwas besser kennen und kann mich mittlerweile mit ihnen austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Eigentlich habe ich immer jemanden zum Reden oder die Mittagspausen zu verbringen, wenn ich möchte (und werde auch von den anderen gefragt, wo ich denn meine Pause verbringen werde – eine neue Erfahrung :)).

Inhaltlich hoffe ich, dass mir noch therapeutisches Handwerkszeug vermittelt wird (das war bisher noch nicht in dem Maße der Fall, wie es für die Patientenarbeit hilfreich wäre). Im Zweifelsfall kann man sich immer noch viel anlesen (da bin ich auch schon von Anfang an fleißig dabei) und dann heißt es „ins kalte Wasser geschmissen werden“ und „learning by doing“. Sie dürfen mir gerne weiterhin die Daumen drücken, dass das alles gut klappt :).

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Warum man Menschen aus dem Autismus-Spektrum einstellen sollte

Arbeitgeber wissen nur selten viel über das Autismus-Spektrum (und das ist ihnen auch nicht zu verübeln, weil Autismus ein Nischenthema ist). Im besten Fall lesen sie sich Wissen an, bevor sie (wenn sich Bewerber schon geoutet haben) die Kandidaten zum Vorstellungsgespräch einladen. So ist es bei der Asperger-Autistin und Bloggerin Hobbithexe passiert und es hat, erfreulicherweise, zu einem Ausbildungsplatz geführt https://hobbithexe.wordpress.com/2016/06/10/der-bewerbungsprozess/.

Stärken von Menschen aus dem Autismus-Spektrum

Es heißt zwar „Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten“, jedoch kann man folgende Stärken autistischer Menschen unter einem gemeinsamen Nenner zusammenfassen (siehe „Asperger – Leben in zwei Welten“ von Christine Preißmann (2012, S.68):

-Detailgenauigkeit

-Verlässlichkeit

-Innovatives Denken

-Gute fachliche Qualifikation

-Loyalität

-Sorgfalt

-Motivation und Interesse

-Verantwortungsbewusstsein

-Ausdauer

-Ordnungsliebe

-Wahrheitsliebe/Ehrlichkeit

-Gute Merkfähigkeit

Nach Rudy Simone („Asperger`s on the Job: Must-have advice for people with Asperger`s“ (2010, S.3)) haben Autisten eine höhere fluide Intelligenz (Lösen neuer Probleme unabhängig von erworbenem Wissen) als Nichtautisten und sind hoch intuitiv.

Viele autistische Menschen besitzen eine Begabung im visuellen Denken. Das vielleicht berühmteste Beispiel ist Temple Grandin, die Testläufe ihrer Projekte vor ihrem geistigen Auge durchführt, bevor sie gebaut werden.

Einige Unternehmen (Auticon, Microsoft, SAP), haben angefangen, autistische Stärken wie z.B. Mustererkennung für sich zu nutzen und Autisten im IT-Bereich einzustellen. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Jedoch können unsere Stärken in ALLEN Bereichen eine Bereicherung für Unternehmen sein. Es gibt erfolgreiche, autistische Lehrer, Verkäufer, Maschinenbauer, Erzieher, Professoren, Musiker etc. und ihre Arbeitgeber wissen oft nichts von ihrem Autismus. Was eventuell auffällt ist vermutlich, dass sie „irgendwie anders“ sind. Denn Autismus ist oft unsichtbar.

„Mein Autismus“ aus Arbeitnehmersicht (vorweg: Ich bin noch arbeitssuchend)

Was für mich persönlich im beruflichen Kontext wichtig (oder einer der Hauptfaktoren) ist, ist die Atmosphäre. Eine feindselige Atmosphäre hindert mich am Denken und Handeln. Während meines letzten Jobs habe ich mich mit den Kollegen wunderbar verstanden und sie waren eine große Unterstützung für mich, weil ich mich immer an sie wenden konnte. Leider wurde die Arbeitsatmosphäre von Chefseite vergiftet. Regelmäßig verließen meine Ex-Kollegen, in Tränen aufgelöst, sein Büro. Das ist wahrlich keine schöne Umgebung, in der man sich gerne aufhält oder gar arbeitet.

Was merkt man mir persönlich im Berufsalltag an – welche Verhaltensweisen sind „komisch“?

Man merkt es mir nicht an. Ich habe Ahnung von meinem Fach und komme gut mit den Menschen gut zurecht, mit denen ich (als Psychologin) Kontakt habe. Sitzungen mit mehr als fünf Menschen (viele Reize)  im Raum sind insofern problematisch, dass ich wenig sage. Hilfreich wäre ein Plan mit „Tagesordnungspunkten“, so dass ich vorher schon weiß, worum es gehen wird. Vorbereitung ist das A und O. Wenn ich weiß, was ich tun muss, ist alles kein Problem.

Der Punkt Mittagspausen und Smalltalk: Smalltalk mit Kollegen, die ich nur flüchtig kenne, ist keine Entspannung für mich. Ich habe es gemacht, weil man es eben so macht und die anderen einen nicht komisch finden…deutlich entspannender ist dagegen das Schreiben (SMS etc.).

Problematisch sind viele Geräusche auf der Arbeit (das Problem hatte ich aber noch nie in einem Job).

Wenn ich im „normalen“ Alltag ansonsten desinteressiert oder arrogant wirke, ist genau das Gegenteil der Fall. Ich will nicht zu interessiert wirken oder aufdringlich sein und schütze mich so.

Aber auch hier gilt: Kennt man einen Autisten, kennt man eben nur einen. Andere autistische Menschen haben z.B. andere Schwierigkeiten, wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren oder Probleme mit Gerüchen.

Ausblick

Wenn man den Begriff „Autismus“ hört (ohne sich näher damit auseinandergesetzt zu haben), denkt man sofort an „Defizite“. In den nächsten Jahren wäre eine Abkehr vom rein defizitorientierten Denken bezüglich des Autismus-Spektrums  sehr wünschenswert. Stattdessen sollte man überlegen, wie man die Fähigkeiten autistischer Menschen in allen Berufsbereichen realisieren und nutzen könnte. Das geht nur mit Neugierde, Information, Austausch zwischen Autisten und Nichtautisten (Arbeitgebern, potenziellen und tatsächlichen Arbeitnehmern) und einer offenen Kommunikation, was die jeweilige Seite braucht und wie es realisierbar wäre.

 

 

Bewerbungszirkus oder: Vierundfünfzig Bewerbungen

Vierundfünfzig Bewerbungen habe ich in den letzten zehn Monaten verschickt. Das ist weniger, als es sich angefühlt hat (es können durchaus einige mehr gewesen sein, die beim Durchzählen abhanden gekommen sind). Ich habe nur diejenigen Stellen angeschrieben, bei denen ich -aufgrund meiner Qualifikationen- eine Chance zu haben schien. Und die muss(te) man erstmal finden.

Herausgekommen sind 11 Bewerbungsgespräche. Das ist gar kein so schlechter Schnitt. Also kam mit etwa jeder fünften Bewerbung ein Gespräch zustande.

Bewerbungsgespräche sind -jedenfalls für mich- der Horror. Dort merkt der Arbeitgeber, dass die in der Bewerbung aufgeführten, sehr guten Qualifikationen, nicht mit dem Gesamtpaket übereinstimmen. Ich könnte mich nicht verkaufen, würde „mein Licht unter den Scheffel stellen“ (Redewendung), und hätte doch etwas über mich erzählen sollen. Was soll das denn bitte sein, wenn es doch angeblich auf das Fachliche ankommen sollte? Über die persönlichen Verhältnisse wird man eh ausgefragt. Ob ich pinke Socken mag? Oder Rosinen? Ich habe es dann doch lieber sein gelassen, etwas über mich zu erzählen.

Nachdem man mir bei einer Rückmeldung nach einem Gespräch sagte, „es hätte so keinen Sinn“ und „Sie sollten ein Coaching machen oder sich fachlich weiterbilden“ (Nummer zwei nehme ich jetzt übrigens in Angriff…), habe ich mir etliche Bücher über Körpersprache besorgt, sie durchgearbeitet und vor dem Spiegel geübt. Gebracht hat es -vermutlich- nicht so viel. Jedenfalls wurde ich genauso oft eingestellt wie vor diesem Training-nämlich gar nicht.

Ich muss dazusagen, dass ich mich weder in den Bewerbungen, noch in den Gesprächen als Autistin „geoutet“ habe. Im sozialen Bereich ist eine Diagnose nicht so gern gesehen. Das muss aber jede/r individuell für sich entscheiden, ob ein „Outing“ im Bewerbungsprozess vermutlich Vor- oder Nachteile bringt. Vermutlich fällt es im Arbeitsalltag früher oder später eh auf, dass „etwas nicht stimmt“. Es bleibt aber immer die Gefahr, dass man mit Diagnose gar nicht eingestellt wird.

Dadurch, dass ich keinen Kontakt zu ehemaligen Kommiliton/innen habe („Brücken abbrechen“ ist unter Autisten verbreitet), hatte ich keine Ahnung, ob mein Bewerbungsvorgehen überhaupt sinnvoll ist, oder ob man so -ohne Weiterbildung- eh nichts bekommt. Ich habe einfach „gemacht“ und bin immer wieder „auf die Schnauze gefallen“. Auch seitens der Ämter kann man nicht auf Unterstützung von Asperger-Autisten hoffen – sie haben einfach viel zu wenig Ahnung, wie man helfen könnte. Und jeder Autist hat ganz individuelle Stärken und Schwächen.

Die letzten zehn Monate haben mich viele Nerven gekostet. Die schlaflosen Nächte vor den Gesprächen. Das -teilweise- wochenlange Warten auf die Rückmeldungen bzw. Absagen und die Niedergeschlagenheit und Zweifel, die nach ihnen kamen. Es gab Wochen, da hat allein das Öffnen der Jobbörsen Brechreiz und Panik verursacht, so dass ich den PC sofort runterfahren musste. Und ganz viel Hoffnungslosigkeit, warum einen denn niemand einstellen möchte.

Unter Asperger-Autisten ist es ein weit verbreitetes Problem, dass man im Bewerbungsprozedere auf dem ersten Arbeitsmarkt, trotz sehr guter Qualifikationen, sehr große Schwierigkeiten hat (zu diesem Thema gibt es das sehr hilfreiche Buch „Hochfunktionale Autisten im Beruf: Navigationshilfen durch die Arbeitswelt“ von Ina Blodig, das ich auch gelesen habe).

Der „Bewerbungszirkus“ ist in meinem Fall noch nicht abgeschlossen. Sie können mir sehr gerne für noch offene Bewerbungen die Daumen drücken und auch für Bewerbungsgespräche, die hoffentlich noch kommen werden.

Mild? Scharf? Von leichtem und schwerem Autismus

Nur, weil man uns den Autismus nicht oder kaum ansieht bedeutet es nicht, dass er uns nicht behindert.

butterblumenland

Man hört es immer wieder: Asperger-Autisten seien ja „nur leicht betroffen“ und frühkindliche Autisten sind „schwere“ Fälle. Oder auch (wie heute wieder auf Twitter) Asperger-Autismus sei ja eine „milde“ Form. In einer Facebookgruppe zum Thema Autismus wurde mir vor ein paar Wochen sogar gesagt, dass ich ja gar nicht beurteilen könne, wie es sei mit „schweren“ Autisten zusammenzuleben, weil Paul ja wohl nur ein „leichter“ Fall sei. Ich versuche mal, meine Gedanken dazu in Worte zu fassen.

Dass Paul irgendwie anders ist war schon sehr früh sichtbar. Ich kann heute aus ganzem Herzen bestätigen, dass Autismus wirklich angeboren ist. Schon vor dem eigentlich errechneten Geburtstermin zeigten sich bei Paul Verhaltensweisen, die ihm auf der Neo-Intensiv den Spitznamen „kleiner Dickkopf“ einbrachten und die ich mit meinem heutigen Wissen als autistisch einordnen würde. Das aktive Vermeiden von Körperkontakt gehört zum Beispiel dazu. In den ersten Lebensjahren wurden die Anzeichen immer deutlicher und…

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Warum mich meine Mutter nicht lieben konnte.

Ich kann mich so gut wie gar nicht an die Kindheit erinnern, nur an im Kopf aufblitzende, positive und negative Bilder. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten habe. Man erzählte, dass ich mich nie über irgendetwas beschwert hätte (so einen Persönlichkeitszug kann man natürlich wunderbar ausnutzen). Nie kam von mir, dass mir etwas wehtat.

Ich weiß nicht, wie ich mich meinen Eltern gegenüber verhalten habe. Ob ich mal gesagt habe, dass ich sie lieb haben würde. Ob, und mit wem von ihnen ich kuscheln wollte. Ich erinnere mich, dass ich mit meinem Vater „Kaufladen“ gespielt habe und am Ententeich und spazieren war.

Was meine Mutter angeht ist da eine Erinnerungslücke. Oder es gab wirklich nichts, was wir zusammen gemacht haben. Ich weiß, dass ich es unangenehm fand, als ich mit ihr für ein Foto posieren musste und sie mich in den Arm nahm. Meine Mutter (bzw. meine Eltern) hatte(n)  keine Ahnung von Autismus. Vermutlich hat sie sich gewundert und es auf meine fehlende Liebe geschoben, dass ich nicht kuscheln komme. Sie ging davon aus, dass ich sie von als Säugling gehasst habe, weil ich beim Stillen biss (das sagte sie mir nebenbei). Die Wut und der Hass darüber, dass ich sie scheinbar nicht liebte, ließ sie bis ins Erwachsenenalter an mir aus. Vermutlich war sie auch autistisch, ihr Verhalten hatte aber bestimmt auch andere psychische Ursachen. Seltsamerweise hat mein Vater nie von mir gedacht, dass ich ihn nicht lieben würde. Es lag vielleicht doch nicht alles an mir.

Erfolgsgeschichten aus der Zeitung

Mir liegt da was auf dem Herzen. Mal wieder. Das wird sicher noch häufiger vorkommen. Heute geht es mir um Zeitungsartikel. Zeitungsartikel, die Erfolgsgeschichten über behinderte Menschen präsentieren wollen. Da macht ein Carry Jung eine Ausbildung. Kurz zusammengefasst, steht in dem Artikel, dass alle total verwundert waren, weil sie nicht wussten, was Autismus ist. Und erst recht nicht dachten, dass das gar nicht so schlimm ist, dass Carry auf ganzer Linie überzeugen konnte. Er war vor der Ausbildung ziemlich unselbstständig. Doch mit ganz viel Liebe und Unterstützung hat er dann doch noch die Ausbildung geschafft. Und der Betrieb war begeistert. Alle haben ja so viel von ihm gelernt. Das Ende ist allerdings genau das Gleiche, wie in jedem dieser Artikel, die über diese angeblichen Erfolgsgeschichten behinderter Menschen berichten. Am Ende will die nämlich keiner. Ach ich vergaß, Carry ist hochbegabt und machte eine Ausbildung zum Metallwerker. Klingt in meinen Ohren nach genau der richtigen Ausbildung für einen hochbegabten Menschen, aber was hab ich da schon zu sagen. Das ganze wurde organisiert von der Agentur für Arbeit (ach was, das erklärt so einiges). Wir kennen dieses Spiel fast alle, glaube ich. Alles in allem wird dann diese Erfolgsgeschichte als Paradebeispiel für Inklusion angeführt.

Erst einmal zu der Situation selbst: Carry ist jetzt 21, hochbegabt und hat eine Ausbildung zum Metallwerker. Ihn will niemand übernehmen. Welche Glanzleistung der Inklusion soll denn das bitte darstellen? Sein Ausbildungsbetrieb kommentiert das ganze folgendermaßen: Wir können uns den Aufwand nicht leisten, den Carry braucht. Okay. Wo bitte ist hier gleich noch Inklusion zu finden? Weil Carry nun mit, statt ohne Ausbildung arbeitslos ist? Nennen wir das als Gesellschaft erfolgreiche Inklusion? Nennen wir das Kind doch beim Namen: Diese Erfolgsgeschichte ist einfach keine. Sie ist eine weitere Geschichte des Scheiterns, in einer endlosen Debatte um Inklusion und dem Widerwillen der Arbeitgeber (oder wahlweise auch Schulleiter). Es ist die traurige Realität der meisten von uns. Halten wir den Mund, werden wir gemobbt und verbiegen uns, bis wir zusammen brechen. Machen wir den Mund auf, will uns keiner, weil wir wertlos sind. Nein, nicht wertlos, nur übersteigen die tatsächlichen Kosten den reellen Wert, den wir darstellen. Heißt, wir kosten mehr, als wir einbringen und damit sind wir wirtschaftlich nicht rentabel. Das wir dabei permanent unter Wert verkauft werden, ist nochmal eine andere Geschichte.

Das ist ein Missstand unserer Gesellschaft, gegen den viele von uns kämpfen. Um fehlende Anerkennung, um ein Recht darauf, zu bekommen, was wir benötigen, damit wir wertvolle Arbeit leisten können. Niemand verlangt vergoldete Toiletten (und wer dies tut, wird gleich bezichtigt, Autist zu sein. Buh!), alles was wir verlangen, ist Menschenwürde. Würde, ein Recht das angeblich jeder Mensch mit seiner Geburt erhält. Manchmal halte ich das aber für ein Gerücht. Wir kämpfen um Würde und bekommen einen Arschtritt. Aber das ist ja noch nicht alles!

Denn jetzt kommt der Punkt, der mich wirklich massiv stört.

Was verkauft uns eine Erfolgsgeschichte dieser Art denn eigentlich wirklich? Was vermittelt sie uns emotional? Was geschieht mit der Psyche, wenn man von Artikeln dieser Art bombardiert wird? Und das gilt nicht nur für Autisten, sondern auch für jeden anderen, der im nächsten Umfeld zu einem Autisten lebt, insbesondere dem Vormund! Ich kann natürlich nur beschreiben, was es mit mir macht. Es wird sicher andere geben, die anderer Meinung sind und das ist auch vollkommen okay. Aber ich bin auch mit Sicherheit nicht die einzige, die von diesen Artikeln massiv getroffen wird.

Ein wichtiger psychologischer Effekt ist, dass wir glauben, was wir immer wieder hören. Je öfter wir es hören, umso fester glauben wir daran. Oder in diesem Fall eben lesen. Selbst wenn wir wissen, dass das, was wir da immer und immer wieder lesen, falsch ist, glauben wir irgendwann daran. Dazu gibt es tausende psychologische Studien, dass ist empirisch bewiesen. Das dieser Effekt existiert, ist auch kein Geheimnis. Wenn ich nun immer wieder Erfolgsgeschichten lese, die keine sind und an deren Ende alles beschissen ausgeht, dann glaube ich das irgendwann. Irgendwann überschreite ich den Punkt, an dem ich die gelesenen Artikel zu meiner eigenen Realität mache. Und das was der Artikel sagt, indem er eine Geschichte des Scheiterns als Erfolgsgeschichte verkauft, ist eigentlich:

Das ist das Beste, was du schaffen kannst! Das ist das Maximum.

Das ist Erfolg! Deine Zukunft wird die Arbeitslosigkeit sein.

Und das brennt sich ein. Darauf folgt ein weiterer schöner psychologischer Effekt. Die self-fullfilling prophecy. Wer die Geschichte zu Troja kennt und ein bisschen mit dem Kassandra-Effekt vertraut ist, der wird schnell verstehen, was ich sagen will. Indem ich diese Geschichte zu meiner eigenen mache, weil ich sie immer und immer und immer wieder lese und irgendwann einfach daran glaube, bestimme ich mein Schicksal damit. Diese Artikel werden meine Realität. Denn ich handle nun so, dass sich die Zukunft so erfüllt, wie ich sie erwarte. Und was erwarte ich? Die Arbeitslosigkeit, genau. Wie soll ich also aus dem Loch heraus kommen? Wie soll ich selbstbewusst in eine Ausbildung gehen, wenn ich glaube, dass das alles sowieso nichts wird? Wie soll ich selbstbewusst in ein Bewerbungsgespräch gehen, wenn ich permanent Angst davor habe, wieder abgewiesen zu werden? Wenn ich damit rechne, abgewisen zu werden und dann auch abgewiesen werde, aktiviere ich mein Belohnungszentrum und dann wird alles verstärkt. Die Haltung brennt sich ein, mein Schicksal scheint nun fest zu stehen. Denn ich sehe ja, was die Erfolgsgeschichten meiner Leute sind. Wie viele Autisten sind auf dem ersten Arbeitsmarkt? 5%? 10%? Und wieso kenne ich niemanden? Wo sind diese Leute?

Ganz ehrlich, ich will nicht mehr. Ich will richtige Erfolgsgeschichten lesen, oder Geschichten des Scheiterns auch als solche deklariert sehen. Ich will keine Euphemismen mehr, die Scheiße schön reden und mich dann doch nur in die Arbeitslosigkeit drängen. Ich will raus aus dieser Hilflosigkeit und selbstständig sein. Immer und Überall. Ich möchte nicht länger eingeschüchteter Bittsteller sein, der auf Gnade hoffen muss. Ich will es nicht trotz meiner Behinderung schaffen, ich will es wegen meiner Behinderung schaffen, sie macht mich nämlich auch innovativ! Ich bin nicht minderwertig! Ich bin ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, das wertvolle Arbeit zum Gemeinwohl beiträgt. Ich bin kein Kostenfaktor, ich bin ein Mensch mit Gefühlen und mit Stärken und Schwächen, so wie jeder andere verdammte Mensch auf diesem Planeten auch!

Wo sind die echten Erfolgsgeschichten? Wo sind die Geschichten über behinderte Menschen, die es wirklich geschafft haben? Die dem Kreislauf entkommen konnten? Die ein glückliches Leben führen und sich einrichten konnten? Wo sind diese Geschichten über diese Menschen, die einfach nur zufrieden ihrer Arbeit nachgehen, ein gutes Privatleben haben, so wie sie es sich wünschen und denen es finanziell gut geht? Menschen ohne Existenzängste? Die ihrer Qualifikation entsprechend arbeiten?

Und wenn dann doch mal eine Geschichte über einen solchen Menschen auftaucht, dann sehe ich, was all die anderen angeblichen Erfolgsgeschichten angerichtet haben. Ein glücklicher Autist ist unvorstellbar geworden und es hagelt Bedrohungen, die Diagnose wird aus Fernsicht, ohne persönlichen Kontakt, abgesprochen, es wird beschimpft und beleidigt und die Diskussion um die Modediagnose flammt wieder auf. Dann startet er wieder, der Kontest des Leidens und es wird wütend und polternd ausgelotet, wer der Gewinner sein soll. Alle überschlagen sich in ihren Leidensgeschichten.

Ich habe es so satt!

Vielleicht gehe ich endgültig aus allen Gruppen raus, ich will das nämlich nicht mehr glauben. Ich hab genug.

Weltenwandlerins Beziehungshandbuch

Wenn ich einen potenziellen Partner kennenlernte, machte ich von Anfang an klar, was meine Tabus und Erwartungen in einer Beziehung sind. Mit jeder neuen Erfahrung, wurde dieses „Beziehungshandbuch“ umfangreicher.

Meine Partner machten den Eindruck, dass sie es verstanden hätten und in der Lage wären, meine Bedürfnisse zu akzeptieren. Scheinbar realisierten sie aber die Tragweite nicht. Dass ich alles ernst meinte, was ich sagte. Mittlerweile weiß ich sehr gut, was mir gut tut und was nicht. Ich kenne beide Seiten: nicht funktionierende und eine funktionierende Beziehung.

Ich schreibe wieder über mich und meine Erfahrungen. Einiges davon wird bei anderen Autisten bestimmt auch zutreffen, aber eben nicht alles und auch nicht bei allen, denn jeder ist anders!

1. Mir ist Kommunikation sehr wichtig!

Wenn Probleme oder Missverständnisse aufkommen, muss ich darüber reden und erwarte, dass mein Partner auch redet/ zuhört.

Nur wenn negative Gefühle/ Erlebnisse angesprochen werden, kann ich sie erkennen, auswerten und daran arbeiten. Ich bemerke sehr schnell, wenn „etwas nicht stimmt“. Viel mehr weiß ich dann aber auch nur selten. Deswegen spreche ich es an, versuche herauszufinden, was los ist. Ich leide mit, wenn mein Partner leidet und es steigert sich, wenn ich nicht erfahre, WARUM er leidet. Nur wenn ich es weiß, kann ich daran arbeiten.

2. Mein Partner muss über den eigenen Tellerrand sehen können.

Ich mache/ sage oft Dinge, die für Außenstehende unerklärlich sind. Fragt man mich aber gezielt danach, kann ich es gut erklären und versuche meine Perspektive zu zeigen. Welches Verhalten meinerseits dahinter stand. Leider können nicht sehr viele Menschen komplett „umdenken“ und bleiben lieber bei ihrer Perspektive, die die „einzig wahre“ ist.

3. Ich brauche Nähe UND Distanz

Je mehr ein Partner „klammert“ und mir meine Freiheit „raubt“, weil ich und meine Energie als selbstverständlich angesehen werden, desto mehr ziehe ich mich zurück. Brauche Luft zum atmen.

Ich meine es nicht böse oder verletzend, wenn ich alles um mich herum „ausblende“ und meine Spezialinteressen verfolge. Ich weiß, dass es oft verletzend angesehen wird, aber ich kann darauf nicht verzichten, wenn mein inneres Gleichgewicht nicht aus den Fugen geraten soll.

Das ist meine Methode der „Erdung“ und Energieschöpfung. 24 Stunden reichen dabei oft nicht aus, wenn ich längere Zeit keine Möglichkeit hatte, für ein paar Stunden mal

meinen Hobbies nachzugehen und dabei über mich selbst/ die Welt nachzudenken.

Mindestens zwei Mal im Jahr fahre ich deswegen für ein paar Tage ganz alleine ans Meer. In schlimmeren Phasen können das auch 2 oder 3 Wochen werden. Danach bin ich aber so gestärkt, dass ich für einige Monate Energie habe.

Mein Partner muss damit umgehen können, dass ich „spontan“ für mehrere Tage aus dem gemeinsamen Leben verschwinde, aber immer wieder zurückkomme und es keineswegs ein Zeichen dafür ist, dass die Beziehung „kriselt“.

4. Ich hasse Überraschungen, die meine eigenen Pläne/ Ansichten durchkreuzen.

Ein Ex von mir hatte Konzertkarten gewonnen und hat mich damit überrascht. Schon Tage vorher merkte ich, dass er etwas „im Schilde“ führt. Er sagte mir natürlich nicht, was. Es sollte ja eine Überraschung sein! So wurde ich immer nervöser, weil ich nicht wusste, ob es mir gefallen wird, was er vorhat.

Am Tag des Konzerts sagte er mir, dass ich mich doch schick machen solle, weil wir wegfahren. Er sagte mir nicht wohin oder sonst irgendetwas. Somit stellte ich viele Fragen: „Gehen wir ins Restaurant?“ – „Gehen wir ins Kino?“ usw. Alles wurde nur mit Nein geantwortet… „Wie sind denn die Menschen gekleidet, die dorthin gehen?“ – „Rockig“ Ich freute mich, dass er mit mir in meine Lieblingsdisko ging (ein recht ruhiger und entspannter Laden mit vielen Nebenräumen und Rückzugsmöglichkeiten). Ich machte mich also so zurecht, als würde ich in die Disko fahren. „So willst du gehen?!“ – „Fahren wir nicht ins „XY“?“ – „Nein“

Enttäuschung machte sich breit, weil das wirklich ein schöner Abend geworden wäre.

Er gab mir ein paar „Tipps“ bezüglich der Garderobe. Während ich mich umzug kam er zu mir, sagte mir, dass ich aufhören kann, weil es heute nichts mehr wird. Ich stellte ihm so viele Fragen, bis er mir verriet, wo es hingehen sollte: ein Konzert! Ich war so froh, dass es abgesagt wurde, weil der Tourbus der Band im Schnee steckengeblieben war…. So hatte ich Zeit, mich auf den Ersatztermin vorzubereiten und die Band erstmal „kennenzulernen“. Die Überraschung hätte deutlich nach hinten losgehen können, weil ich extremer Lautstärke und vielen Menschen ausgesetzt wäre. Außerdem war es etwas „Neues“, weil mein bisher einziger Konzertbesuch mit 9 Jahren als Ostergeschenk meiner Eltern war.

Überraschungen sollten also gut durchdacht sein und möglichst wenig „Variablen“ erhalten, was meinen „normalen“ Tagesablauf betrifft. Da sind mir symbolische, kleine Gesten deutlich lieber… ein Brief, ein Foto, kleine Gegenstände, die ein gemeinsames Erlebnis aus der Vergangenheit charakterisieren o.ä.

  1. Ich brauche einen Mann, der romantisch sein kann

Ja, ich bin eine romantische Autistin. Romantik habe ich als frühes Spezialinteresse „inhaliert“. Disney-Filme, Märchen, später Dramen… Ich suchte dabei nicht den „Ritter auf dem weißen Pferd“, sondern einen Mann, der mich so sehr liebt, dass er solche Dinge, wie im Märchen, für mich tun würde. Ich aber ebenso bereit bin, einen hohen Preis für unsere Liebe zu bezahlen. Manche nennen es kitschig, ich nenne es Selbstwert.

In meinen Partnerschaften ging ich in gewisser Weise symbiotische Verbindungen ein. Wenn ich meine Energie dafür nutze, dass es meinem Partner bgut geht, geht es mir auch gut. Nutzt er die „übertragene Energie“ dafür, mir auch welche zu übertragen bzw. mich mit meinen Problemen zu unterstützen, kann uns so schnell nichts trennen, weil wir ausgeglichen sind.

Das wird ziemlich verworren und komplex, wenn mein Partner eben diese „Mühe“ nicht aufbringt und Energie von mir „stielt“, weil es aus seiner Sicht vollkommen normal ist, dass ich seine Aufgaben zusätzlich zu meinen Aufgaben alleine bewältige. Ist dieser Punkt in einer Beziehung erreicht und keine Bereitschaft des „mir-zuhörens“vorhanden ist, rutscht nicht nur meine Stimmung weiter ab, sondern auch die meines Partners. Ich bin zu jeder Zeit bereit, Kompromisse einzugehen und darüber zu reden.

Auch habe ich es in meiner schlimmsten Beziehung mit verschiedenen „Kleinigkeiten“ ausprobiert, ihn „wachzurütteln“ und zu zeigen, dass ich gar nicht so viel verlange. Dass meine „Forderungen“ sehr realistisch und für ihn keinen großen Mehraufwand bedeuten.

Briefe, Gesten des Entgegenkommens, das für mich im Endeffekt nur eine dauerhafte „Mehrbelastung“ bedeutete, weil Dinge, die ich „ausnahmsweise“ übernahm, zur Selbstverständlichkeit wurden.

Wenn mein Partner mir immer wieder zwischendurch zeigen kann, wie viel ich ihn bedeute, habe ich wahnsinnig viel Energie, um das gemeinsame Zusammenleben zu verbessern. An gemeinsamen Träumen und Zielen zu arbeiten… bedingungslos und langfristig.

Meine „Romantik“ zeigt sich in kleinen Gesten. Mein Freund und ich haben einen Haushaltsplan und die Aufgaben etwas verteilt (zumindest die, die ich absolut nicht gerne mache). Dafür mache ich die Dinge, mit denen er Probleme hat. Alles andere machen wir so, wie es gerade anfällt/ wem es auffällt.

Er ist z.B. für den Müll und (freiwillig) die Küche zuständig. Wenn mir von diesen Aufgaben etwas auffällt, was ich erledigen kann, dann mache ich es, um ihm zu zeigen, dass ich ihn unterstütze.

Für „besondere“ Anlässe oder einfach, weil ich gerade Lust dazu habe, überrasche ich ihn mit Dingen, die er gerne macht/ die ihn garantiert glücklich machen.

Dafür muss ich meinen Partner aber gut kennen. Muss „aktiv zuhören“ können und mir eigene Gedanken dazu machen. So zeige ich meinem Partner, dass ich während seiner Abwesenheit an ihn Gedacht habe oder wie gut mir ein besonderes Erlebnis mit ihm gefallen hat.

Je nachdem, wie viel mich gerade beschäftigt, können diese „Aufmerksamkeiten“ geringer werden, weil ich dafür keine Kraft/ Zeit habe. Sie verschwinden aber nie und einem aufmerksamen Beobachter fallen sie auch auf!

Damit mein Partner mich auf ähnliche Weise überraschen kann, muss er mir auch zuhören können und in der Lage sein, meine „komplexe Welt“ richtig auszuwerten.

6. Humor „dosieren“

Ich bin selbst sehr humorvoll. Das erkennen aber meist nur die Menschen, die mich sehr gut kennen. Ich liebe die Selbstironie und Situationskomik. So oft, wie mir schon die verrücktesten Sachen passiert sind, bleibt mir da oft auch gar nichts anderes übrig. 😉

Dabei kann ich auch sarkastisch werden, jedoch ist es bei mir sehr gut zu erkennen, da ich es so „überzogen“ mache, dass es jeder (aus meinem näheren Umfeld) erkennt.

Am besten kann ich mit trockenem sarkastischen Humor umgehen, muss dafür aber eine Person extrem gut kennen, um einzuschätzen, was ernst gemeint ist und was nicht.

Das dauert oft Jahre! Je besser ich jemanden kenne, umso humorvoller werde ich. Weil ich immer mehr Situationen besser einschätzen kann und genau weiß, ob mein Gegenüber das auch lustig finden würde – oder nicht. Erst nach einem sehr lockeren, offenen und verständnisvollen Umgang miteinander, kann ich „lustiger“ werden. Dann aber oft so, dass anwesende Personen nur schwer wieder aus dem Lachen kommen.

Mir ist es bei vielen anderen nicht möglich, Sarkasmus/ Doppeldeutigkeiten zu erkennen, weil sie für mich exakt so wirken, wie die „Wahrheit“, jedoch einen logischen „Haken“ haben. Ich bin dann erst verwirrt und nachdem es mir erklärt wurde und ich es verstanden/ nachvollzogen habe, kann ich lachen. Das ist dann die berühmte „lange Leitung“ oder Resistenz gegenüber des „Schnellmerker-Gens“.

Deswegen ist es wichtig, dass mein Partner seinen Humor auch „dosieren“ kann. Ihn entweder so anwendet, dass selbst ich heraushöre, dass es ein Scherz ist oder so deutliche Situationen wählt, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als es so zu verstehen, wie es gemeint ist.

7. Nur konstruktive Kritik!

Ich habe oft gehört, dass irgendetwas nicht gut war, was ich gemacht habe. Dabei aber nicht erfahren, WARUM es blöd war. Aus meiner Sicht sind es logische Verhaltensweisen, die mich aus unerklärlichen Gründen immer wieder vor Probleme stellten.

„Das kannst du so nicht machen!“ bringt mir nichts, wenn ich nicht weiß, was daran „falsch“ war. „Das kannst du so nicht machen, weil die andere Person/ ich es „so und so“ verstehe/ sehe.“

Kritik mit Begründung und/ oder Verbesserungsvorschlägen mag ich sehr gerne, weil es mir hilft, mich zu „entwickeln“. In der Schule gab es damals auch oft Situationen, in denen ich keine Möglichkeit hatte, es zu erklären und die Lehrer mich mit schlechten Noten „bestraften“. Klassenarbeiten in Aufsatzform waren oft trotz nahezu perfektem Deutsch falsch. „Thema verfehlt!“

Ich verstand dabei nur, DASS es falsch war. Mir wurden aber die Aufgabenstellung und die genauen Erwartungen nicht erklärt.

8. Zärtlichkeiten können phasenweise recht spärlich auftreten.

Manchmal sind meine Gedanken so zahlreich und schwer, dass sich meine Körperwahrnehmung distanziert. Ich bin dann weniger Kontrolle über meine Motorik und bin nicht vollkommen „anwesend“. Es reicht, um alles mitzubekommen und entsprechend meiner Kraft zu reagieren, aber ich teile mir meine „Reserven“ ein. Wenn ich mehr in meinen Gedanken bin, habe ich absolut keine Lust auf Zärtlichkeiten. Ich brauche sie in solchen Phasen nicht, weil es bedeuten würde, dass ich aus meiner „Gedankenwelt“ verschwinden müsste und dabei versuche, sie „zurückzuhalten“, um meine Aufmerksamkeit nicht wieder aus sie zu lenken.

Ich bin auch schnell durch Sinneseinflüsse erschöpft. Mir steht in jeder Wachphase ein gewisses Pensum zur Verfügung, das an ruhigen Tagen schonmal 14 Stunden reicht.

Je anstrengender der Tag war und je mehr unvorhersehbare Dinge geschehen, desto schneller werde ich müde. So kommt es immer wieder vor, das ein Mittagsschlaf zu einer 6-stündigen Schlafphase wird und ich anschließend trotzdem noch die ganze Nacht bis zum Morgen durchschlafen kann.

Wenn ich nicht die Ruhezeiten bekomme, die ich haben müsste, verlängert sich die anschließende „Rehabilitationsphase“ bzw. meine Leistungen fallen bis dahin immer weiter ab.

Wenn ich Lust habe, mache ich es auch irgendwie deutlich.

Solange ich einen Partner habe, der Sex nicht als „Besonderheit“ sieht, sondern nur zur Befriedigung der Triebe, ist die Beziehung schon zum Scheitern verurteilt.

Das Pensum meiner Zärtlichkeiten besteht oft nur aus „im Arm liegen“ oder zwischendurch umarmen. Das bedeutet aber nicht, dass ich meinen Partner unattraktiv finde oder sogar einen anderen habe.

9. Mein Partner muss mit Ehrlichkeit umgehen können

Ich sage oft, was ich denke. Vollkommen ungeschönt und aus meiner Perspektive. Ich kann Verhaltensweisen von Menschen gut einschätzen, wenn ich entweder Informationen darüber gesagt bekomme, oder sie selbst entdecke.

Deswegen kannte ich einige Partner besser, als sie sich selbst. Mein Partner darf sich dadurch nicht verletzt fühlen, sondern sollte es als eine Möglichkeit sehen, GEMEINSAM daran zu arbeiten.

Die meisten meiner Partner sagen es als persönlichen Angriff, wenn ich (konstruktive!) Kritik übte. Auch kann diese Ehrlichkeit (wenn es vergangene Erlebnisse betrifft) andere Menschen sehr stark bewegen und sie depressiv machen. Das habe ich alles schon erlebt!

Ich war niedergeschlagen, weil mich etwas beschäftigte, was mir zugestoßen war, mein damaliger Partner fragte mich, was mich bewegt und ich erzählte es ihm.

Er war danach noch fertiger als ich und schlitterte geradewegs wegen MEINER Erfahrungen in eine Depression. Mein Kummer über die eigentlichen Sorgen wandelte sich um Angst, ob er die schon ausgesprochene Wahrheit verkraften kann.

Ehrlichkeit ist ein Segen, wenn Betroffene damit WIRKLICH umgehen können und in der Lage sind, fremde Sichtweisen von der eigenen Gefühlswelt auf rationaler Ebene „fernzuhalten“. Natürlich kann/ darf man trauern, gemeinsam weinen. Die Ehrlichkeit des Anderen sollte aber nicht so große Macht über die eigene Gefühlswelt haben, dass sie bei einem selbst deutlich mehr Ballast auflädt, als bei der betroffenen Person selbst.

Ich sehe in Ehrlichkeit keine Wertung. Es ist für mich eine Möglichkeit, einen anderen Menschen besser kennenzulernen und ihm auch die Möglichkeit zu geben, mich richtig und nicht nur oberflächlich zu verstehen.

10. Gemeinsame Interessen

Um langfristig eine glückliche Partnerschaft zu führen, ist es wichtig, mindestens ein gemeinsames Interesse zu finden. Ich brauche etwas, woran ich gemeinsam mit meinem Partner arbeiten kann. So habe ich die Möglichkeit, gemeinsam mit ihm ein Spezialinteresse auszuleben und zu vertiefen. Dabei bin ich wirklich begeisterungsfähig und solange mein Partner Spaß daran hat, habe ich selbst auch Spaß daran. So kamen bei mir schon vollkommen neue Interessen auf, die ich vorher überhaupt nicht verfolgt habe. Ich wurde z.B. ein riesen Fußballfan und bin regelmäßig ins Stadion gegangen.