Der Entwurf zum Teilhabegesetz mehr Behinderung als Enthinderung — innerwelt

(Reblogged vom „innerwelt“-Blog. Oder wie es tatsächlich für behinderte Menschen finanziell aussieht, wenn man von persönlicher Assistenz abhängig ist.)

„Ich habe lange überlegt ob ich darüber schreiben soll. Zwar ist einiges aus meinen bisherigen Erfahrungen begründet, manches bei mir hypothetisch und nur ein Ergebnis vieler Überlegungen, die ich zu diesem Thema hatte, aber es spukt mir zu sehr im Kopf herum. Allerdings, auch wenn manches hypothetisch ist, so ist eines ganz klar: Ich bin […]

über Der Entwurf zum Teilhabegesetz mehr Behinderung als Enthinderung — innerwelt

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Treffen sich zwei Aspies…

…das Klischee eines autistischen Menschen besagt, dass er sich nur für sich selbst interessiert und nicht für andere. Er würde sich niemals nach Gesellschaft sehnen. Dieses Klischee trifft auf keinen Asperger-Autisten zu, den ich bisher kennengelernt habe. Es ist ein dummes Vorurteil.

Vor kurzem habe ich mich mit einem Asperger-Autisten getroffen, nennen wir ihn S. Es war von meiner Seite aus nicht lange geplant, dass wir uns treffen, das Treffen war recht spontan. S. hatte öfters im Internet geschrieben, dass er sich über Besuch von anderen Autisten sehr freuen würde.

Andere Menschen mit Asperger kannte ich bisher vom (intensiven) Austausch im Internet und von ein paar Treffen, die nur einige Stunden dauerten. Meine (offizielle) Diagnose habe ich erst seit relativ kurzer Zeit und bin immer noch sehr neugierig, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es im Verhalten von Autisten untereinander gibt.

S und ich haben es tatsächlich geschafft, einige Tage miteinander zu verbringen, ohne dass jeder stundenlang alleine in seinem Zimmer gehockt ist, weil ihn die Anwesenheit des anderen so in Stress versetzt hat. Es lag bestimmt an den gleichen Spezialinteressen, dass wir uns auf Anhieb verstanden haben und bei gleichen Themen „Feuer und Flamme“/auf gleicher Wellenlänge waren. S. ist ein aufmerksamer, liebenswürdiger, hochbegabter, humorvoller, musikalischer, emotionaler Mensch. Er hat die Einsamkeit nicht verdient, an der er offensichtlich leidet und ich hoffe, dass er in naher Zukunft einen Partner kennenlernen wird.

Kein Mensch kann die (phasenweise oder lebenslange) Einsamkeit eines autistischen Menschen besser nachvollziehen als ein anderer autistischer Mensch. Man will dazugehören, tut es aber nicht und weiß (bis zur Asperger-Diagnose) nicht, woran das liegt. Schließlich sucht man die Schuld bei sich selbst und meint, man hätte als Mensch sozial versagt.

Ich bin sehr froh, S. kennengelernt zu haben (und bin schon sehr gespannt, weitere Autisten kennenzulernen). Dieses Treffen wird sicherlich nicht das Letzte gewesen sein.

Freundschaften und KlarNetAut

Vor gar nicht langer Zeit habe ich resigniert. Immer, wenn ich irgendwo neu angefangen habe (Schule, Universität, Arbeitsplatz) hatte ich eine große Hoffnung: Ich würde endlich auf Menschen treffen, die mich verstehen und so ticken wie ich. Ich würde Freunde finden. Dieses Mal würde ich mich noch mehr anstrengen, noch mehr auf die Menschen zugehen, mehr reden, mich nicht mehr verkriechen (und, und, und). Der letzte Versuch, Anschluss zu finden, sah folgendermaßen aus: Ich hatte einen Job ergattert und wurde nach der Uni eiskalt in die Berufswelt geschmissen.

Um zu Sozialkontakten zu kommen, hatte ich mir viel vorgenommen. Ich blieb am Ball und habe es nach einiger Zeit tatsächlich geschafft, mich mit ein paar anderen Kollegen auch außerhalb der Arbeit zu treffen. Jedoch habe ich schnell gemerkt, dass es seltsam war. Etwas stimmte nicht, ich passte und gehörte nicht dazu. Die Themen, über die sie beim Mittagessen sprachen, fand ich furchtbar langweilig. Sie dachten anders als ich, sie ließen sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Untereinander konnten sie aber sehr wohl etwas miteinander anfangen. Also war alles wie immer. Ich gehörte nicht dazu, OBWOHL ich mittendrin und dabei war. So habe ich innerlich die „Sozialkontaktsuche“ gekündigt, es war mir mittlerweile auch egal, ob ich an den Aktivitäten teilnahm oder nicht. Es brachte mir nichts, es war nicht meine Welt.

Einige Monate später sollte ich im Internet die Antwort finden – und zwar durch Zufall. Ich bin auf einen Artikel gestoßen, in dem „weiblicher“ Autismus beschrieben wurde. Sowie die Tatsache, dass dieser oft unerkannt bleibt, weil sich Asperger-Frauen von autistischen Männern unterscheiden und weniger auffallen. Mir wurde klar, dass es tatsächlich noch andere Menschen gab, die mir im Denken, Erleben und Verhalten ähnelten! Ich war kein Alien von einem anderen Planeten, mir fehlte kein Gehirnteil. Ich war Asperger-Autistin und ich war damit nicht alleine.

Die Kontakte, die ich mittlerweile geknüpft habe, geben mir sehr viel. Probleme, die andere Menschen gar nicht kennen, werden verstanden. Man muss sich nicht erklären. Und es ist alles andere als langweilig mit meinen Freunden, von denen ich einige auch im „realen Leben“ getroffen habe.

An meine Kleinkindzeit kann ich mich nicht erinnern. Ich soll aber still und sehr schüchtern gewesen sein. Laut der Aussage meines Vaters soll es aber zwei Freundinnen gegeben haben. Während der Grundschulzeit hatte ich eine beste Freundin, mit der ich mich fast jeden Tag getroffen habe. Später, auf dem Gymnasium, hatte ich wieder eine beste Freundin, wobei die Freundschaft ein paar Jahre hielt. Ich denke heute noch ab und zu wehmütig an diese beiden Mädchen, die jetzt, wie ich, erwachsene Frauen sind. Ich frage mich, warum sie sich über die Jahre so verändert haben, während ich „im Kern“ gleich geblieben bin. Heutzutage hätten wir uns nichts mehr zu sagen. In den weiteren Jahren auf dem Gymnasium hatte ich immer mal wieder eine beste Freundin. Auffällig war, dass sie immer nur ein paar Jahre blieben und dann weggezogen, oder auf eine andere Schule gewechselt sind. Ich habe nie einer Clique angehört, war nie Fan einer Band oder einer Stars, das ganze Fan-Getue fand ich lächerlich. Irgendwann war ich in der Oberstufe, ich war ganz allein. Ich habe auch nicht mehr versucht, mich in den Klassenverband zu integrieren. An diesem Punkt habe ich die Brücke hinter mir abgebrochen, der Schule, dem Elternhaus und der Stadt den Rücken gekehrt.

Heutzutage weiß ich immer noch nicht, wie man eine Freundschaft anbahnt und aufrecht erhält. Wann muss man sich beim anderen melden? Ist der/die andere überhaupt auf der Suche nach neuen Freunden? Bei meinen Sozialkontakten hatte ich immer Angst, zu aufdringlich oder übertrieben enthusiastisch zu wirken. Es könnte ja sein, dass der andere gar nichts von mir wissen will und zu allen so nett ist. Also habe ich mich nicht gemeldet, was vermutlich falsch war. Aber das fand ich immer noch besser, als abgelehnt zu werden.

Ich unterscheide sehr deutlich zwischen Bekannten und Freunden. Bekannte habe ich im Moment einige, die ich durch meine Beziehung kennengelernt habe. Bei Freunden (zu denen auch meine Beziehung zählt) muss ich mich nicht verstellen.

Das Klischee des Autisten, der sich nicht nach Kontakten sehnt und sich selbst genügt, trifft weder auf mich, noch auf andere Autisten, die ich kenne, zu.

Freundschaften

Freundschaften

Im Pflegen von Freundschaften bin ich eigentlich eine ziemliche Niete. Früher, als ich noch jung war, habe ich mich immer gewundert, wie andere das hinbekommen sich dauernd zu treffen , sich ständig was zu erzählen und dabei offenbar Spaß zu haben.Irgendwie war mir das immer ein Rätsel.  Eigentlich – wenn man es genau betrachtet-hatte ich immer nur Bekanntschaften…und die sind gekommen und gegangen. Relativ schnell ist dabei immer klar geworden, dass es da keine Basis für eine dauerhafte Verbindung gab. Ich kenne eigentlich im Realleben kaum jemanden, der meine Interessen teilt, und ich von meiner Seite aus habe kein Interesse an den Dingen, über die die meisten Menschen sich so unterhalten.
Aber auch ich habe eine Freundin, und zwar schon seit etlichen Jahren. Und für diese Freundschaft bin ich auch sehr,sehr dankbar. Meine Freundin Klaudi und ich haben vor vielen, vielen Jahren mal zusammen im gleichen Haus gewohnt, uns irgendwann mal zufällig wieder getroffen und daraus hat sich dann eine Freundschaft entwickelt. Diese Freundschaft bedeutet mir unglaublich viel und meine Freundin ist für mich der wichtigste Mensch auf der ganzen Welt und die einzige reale Person, mit der ich dauerhaft in Kontakt bin, da ich auch sämtliche familiären Brücken hinter mir abgebrochen habe. Wir treffen uns in der Regel 1-2 Mal im Monat für eine Zeitdauer von etwa 2-3 Stunden. Dann sprechen wir über das, was uns jeweils bewegt, über das, was wir zur Zeit lesen oder als Hörbücher hören, fahren ins Aldi und kaufen ein und kochen etwas zusammen. Und danach ist das Treffen dann beendet. In der Zwischenzeit bis zum nächsten Treffen schreiben wir uns vielleicht mal eine E- Mail oder eine SMS- das war´s dann aber auch. Ein- oder 2 Mal im Jahr besuchen wir zusammen eine Veranstaltung . Das ist für mich das Äußerste, wozu ich in der Lage bin. Durch meinen Autismus habe ich einfach nicht das Bedürfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Es hat auch schon Zeiten gegeben, in denen ich selbst unsere relativ seltenen Treffen so lange hinausgezögert habe, dass Monate dazwischen lagen. Solche Dinge tuen unserer Freundschaft jedoch keinen Abbruch, Meine Freundin weiß über meinen Asperger Autismus Bescheid und kann damit umgehen. In den ersten Jahren unserer Freundschaft habe ich meine Freundin sicher oft dadurch verletzt, dass ich nicht wie andere Menschen dieses Bedürfnis danach habe, viele gemeinsame Dinge mit-einander zu unternehmen und dass ich auch nur eingeschränkt in der Lage bin, an Dingen, die sie bewegt haben, emotional teilzunehmen. Da sie jedoch ein HSP (high sensitive person) ist, hat sie bald verstanden, dass ich das nicht aus böser Ansicht tue und dass sie mir trotz meiner sozialen Behinderung unwahrscheinlich viel bedeutet. Sie ist im Übrigen auch der einzige Mensch, der einen Schlüssel zu meiner Wohnung besitzt und Vertrauensperson für den Fall, wenn mir mal etwas passiert. Ich weiß, dass ich auf meine Freundin immer zählen kann, wenn es darauf ankommt. Zum Beispiel hatte ich im letzten Jahr eine schwere OP und lag fast einen Monat lang im Krankenhaus. In dieser ganzen Zeit ist meine Freundin jeden Tag zu mir nach Hause gefahren und hat meine 5 Katzen und meinen Hund versorgt. Auch in der ersten Zeit nach der OP, als ich zuhause nur auf der Couch lag und mich nicht bewegen konnte, kam sie jeden Tag, ist mit dem Hund rausgegangen, hat für mich eingekauft und die Tiere und mich versorgt. Und je mehr sie gemerkt hat, dass ich wieder selbst in der Lage war, meine Dinge zu erledigen, umso mehr hat sie sich dann wieder zurückgezogen, da sie genau wusste, dass ich dieses Alleinsein brauche. In der Zeit im Krankenhaus habe ich viel darüber nachgedacht, was meine Freundin alles für mich tut und wie sehr ich ohne sie aufgeschmissen wäre und wie viel sie mir bedeutet und ich habe quasi als „Sozialtraining“ angefangen, ihr von mir aus alle 1- 2 Wochen eine E-mail oder SMS an sie zu schreiben, einfach damit sie weiß, dass ich an sie denke. Ich glaube, dass sie sich darüber freut. Für mich ist das ein großer Schritt gewesen, denn vorher war ich dazu nicht in der Lage. Ich bin jemand, der sich sonst generell nicht bei anderen meldet. Nicht, weil mir alle egal sind, sondern weil ich so sehr in meiner Welt gefangen bin, dass die Drähte einfach nicht bis nach außen reichen. Verabredungen oder Verpflichtungen mit anderen Menschen können für mich zu so einer Belastung werden, dass sie mein komplettes inneres Gleich-gewicht und meinen gewohnten Ablauf so dermaßen durcheinander bringen, dass ich völlig gelähmt werde und gar nichts mehr auf die Reihe bekomme. So bringt mich zum Beispiel eine Verabredung für Freitag schon am Montag völlig aus dem Konzept und kann mich unter Umständen so blockieren, dass die komplette Woche eine völlige Katastrophe wird. Oft genug ist es mir schon passiert, dass der Druck und die Anspannung in den Tagen vor einer Verabredung so groß wurde, dass ich kurz vor dem geplanten Treffen abgesagt habe. Auch war ich eigentlich nie enttäuscht, wenn andere Menschen eine Verabredung mit mir abgesagt haben. Im Gegenteil…zumeist habe ich das als große Erleichterung empfunden. Spontane Treffen sind so eine Sache, die es bei mir überhaupt nicht gibt. Wenn ich irgendwo unterwegs bin, dann ist das immer zielgerichtet (arbeiten, einkaufen, Hund ausführen) und danach bin ich sofort wieder in meiner Wohnung verschwunden. Zufällige Treffen auf der Straße mit irgendwelchen Bekannten sind für mich eher unangenehm, da ich mit Small- Talk absolut nicht anfangen kann und außerdem in der „Matrix“ immer dermaßen reizüberflutet bin, dass ich mich gar nicht auf ein Gespräch konzentrieren kann. In solchen Situationen bekomme ich dann vermehrt Tics, was für mich ziemlich unangenehm und peinlich ist und weshalb ich solche Situationen so gut es geht vermeide.
Ich fühle mich dadurch, dass ich so zurückgezogen lebe, nicht einsam. Und ich denke, wenn man so eine Freundin hat wie meine Klaudi, dann ist man nie allein. Das reicht mir und damit bin ich eigentlich glücklich und zufrieden. Ich glaube, mehr wäre mir schnell zuviel.