Wenn Worte meine Sprache wären…

…singt Tim Bendzko. Ich musste googeln, von wem das Songzitat stammt. Habe ich wohl in irgendeiner TV-Werbung aufgeschnappt. Da es aber eh nicht meine Musik ist, habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt. Ich erinnere mich nur an die sich penetrant wiederholende Werbung.

Darum soll es in diesem Text aber gar nicht gehen. Weder um Herr Bendzko, noch um Musik…sondern um Worte. Nur wenige Sätze würde ich für mich unterschreiben, wie den Titelsatz des Beitrags. Der passt wie die Faust aufs Auge.

Worte sind nämlich nicht meine Sprache, jedenfalls nicht in verbaler Hinsicht. In meinem Kopf sieht es jedoch ganz anders aus. Ein Außenstehender würde es am ehesten als wortfaul, wortkarg bezeichnen. Ich gehe lieber zum Selbstbedienungs-Bäcker als zur „normalen“ Bäckerei, wenn ich die Möglichkeit habe – weil ich dort weniger kommunizieren muss. Kleine Bekleidungsgeschäfte, bei denen man sofort nach dem Betreten des Ladens angequatscht wird, meide ich wie die Pest. Genauso wie das klingelnde Telefon. Und smalltalkende Nachbarn. Man kann so viele Worte verschwenden. Um den heißen Brei herumreden. „Viel Lärm um nichts“ (nach Shakespeare) machen. Ich schweige lieber und sage nur das, was ich für wirklich wichtig halte.

Es gibt durchaus Autisten, die vor Worten nur so sprudeln. Vor allem, wenn es um ihre Spezialinteressen geht. Das kenne ich auch, jedoch nur in schriftlicher Form. Hin und wieder habe ich mir als Kind gewünscht, von Geburt an stumm zu sein. Wie schön wäre es, nicht dem gesellschaftlichen Zwang zu unterliegen, mit Menschen (verbal) zu sprechen, um nicht als verschroben zu gelten. In sozialen Situationen ist immer viel zu wenig Zeit, die richtigen Worte zu formen, die das ausdrücken, was ich wirklich sagen möchte. Und nicht nur so ungefähr. Kommunikation in schriftlicher Form -mit Familie und Freunden- ist für mich jedoch überlebensnotwendig. So wie das Lesen – ich habe schon als Kind Bücher verschlungen.

Wenn ich mir eine Sprache aussuchen könnte, wäre es Musik. Musik ist für mich ein wichtiges Kommunikationsmittel, mit dem ich Gefühle ausdrücken und transportieren kann. Mit Hilfe von Sprache ist es für mich kaum möglich.

Spezialinteressen der Frau Anders

Oh ja, die lieben Spezialinteressen. Die wechseln bei mir irgendwie stetig. Ich arbeite mich solange in ein Thema ein bis ich fast alles weiß und dann wird es mir schrecklich langweilig damit. Um mich mal an frühere  und längst vergessene Spezialinteressen zu erinnern, versuche ich mal ein paar hier aufzuschreiben.

Ich habe schon immer gerne gelesen. Selbst als kleines Kind das noch nicht lesen konnte. Phantasiewelten waren schon immer meine. Ich las gerne Geschichten, Bücher und sog alles Geschriebene was ich in die Finger bekam förmlich auf. Ich bin als kleines Kind trotz Ostzeiten mit Mickey Mouse und Donald Duck sozialisiert worden. Mein Vater war damals Lehrer und mußte den Schülern die heimlich mitgebrachten Hefte abnehmen. Naja und die bekam dann halt ich 😉 Ich hab die Dinger geliebt. Ich weiß wirklich alles über Entenhausen und kenne jedes lustige Taschenbuch bis heute komplett auswendig.

Als kleines Mädchen liebte ich natürlich auch Tiere. Insbesondere liebte ich Hunde und Pferde. Ich lernte schon früh alles über verschiedene Pferderassen, las mich in medizinisches Fachwissen ein und was weiß ich nicht noch alles. Natürlich konnte ich damals auch perfekt Pferde zeichnen, was ich fast täglich machte. Ich machte sämtliche Reitausbildungen in sämtlichen Klassen mit und habe viele Jahre lang intensiv Springreiten betrieben weil mir das am meisten Spaß gemacht hat. Ich gewann die dollsten Turniere, hatte irgendwann ein eigenes Pflegepferd usw. Irgendwann verlor ich dann mein „eigenes“ Pferd und trat notgedrungen in einen neuen Verein ein, in dem ich mit all diesen pferdebegeisterten Mädchen die sich permanent miteinander messen mußten nicht klarkam. Das war die Hölle für mich. Also hörte ich irgendwann komplett mit allem was Pferde angeht auf und saß seither nie wieder auf einem Pferd, was ich bis heute sehr bedaure.

Autos waren auch mal mein Spezialinteresse als kleines Mädchen. Ich kannte wirklich jedes Auto und habe sogar als ganz kleiner Stöpsel mit meinem Vater unter unserem Auto gelegen und geschraubt. Ich habe Matchbox gesammelt, mein Zimmer hing voller Autoposter und ich habe geübt Autos am Geräusch identifizieren zu können. Wer mich heute kennt würde das kaum glauben, denn Autos interessieren mich jetzt nur noch zum fahren und alles was Autos angeht ist inzwischen Spezialsache meines Mannes.

Neben den genannten Sachen ist natürlich auch Fußball meine große Liebe gewesen. Ich sammelte alles von meiner Mannschaft, ging zu jedem Spiel ins Stadion, reiste zu Auswärtsspielen und fing an auch selber irgendwann begeistert Fußball zu spielen. Leider war ich nicht besonders gut und da waren ja wieder all die anderen Mädels in der Mannschaft die nicht so cool waren wie ich es erwartet hätte daß ich auch damit irgendwann frustriert aufhörte. Heute bin ich immer noch für Fußball zu begeistern, ich pflege dieses Hobby allerdings nicht mehr besonders intensiv mangels Zeit.

Was gab es denn da noch? Ich interessierte mich schon immer für Schmetterlinge, Käfer und Vögel. Ständig sah man mich mit meinem Bestimmungsbuch rumrennen. Irgendwann wurden aus den Tieren Pflanzen und auch da war ich als Kind ständig unterwegs irgendwas zu bestimmen.

In meiner Pubertät beschäftigte ich mich dann stark mit Religionen und speziell auch dem Satanismus und dem Wiccakult. Alles okkulte faszinierte mich extrem und auch da verschlang ich alles was ich darüber zu lesen bekam. Ich fühlte mich zwischen allen Weltanschauungen stehend und las wirklich alles vom Paranormalem bis hin zur hexenmäßigen Heilkunde. Ich lernte alles über Rituale, Wildkräuter, Heilkunde usw. Letzteres ging dann zusammen mit meinem bisher angehäuftem Wissen über Pflanzen soweit daß ich sogar ein möglichst schlau aufgebautes Lexikon geschrieben habe über Kräuter und deren Anwendung bei verschiedensten Erkrankungen. Auch heute hege ich noch eine große Liebe zum Thema Medizin und lerne alles was man darüber nur lernen kann. Ich bin nur inzwischen wenig „esoterisch“ drauf und deutlich bodenständiger. Ich wäre glaub ich ein toller Mediziner mit einem umfassenden Wissen geworden. Ich ärgere mich noch heute darüber daß ich mir mein Medizinstudium hab ausreden lassen und heute wär mir ein Studium zuviel unbezahlte Leerlaufzeit mit Dingen die ich eh schon weiß. Arzt wollte ich allerdings arbeitstechnisch eh nie sein. Ich wollte wirklich nur das Wissen anhäufen und für mich nutzen. Insofern geht das schon okay. Das kann man ja auch ohne Studium tun und so das Feld ist so groß, daß ich es auch heute noch fleißig tue.

Musik war eigentlich schon immer meine Leidenschaft. Hören wie auch selber machen. Ich vergötterte damals gewisse Bands, ich lernte alles über die Musik die mir gefiel auswendig und versuchte mich auch immer wieder darin die verschiedensten Instrumente zu spielen. Ich habe ein Faible für außergewöhnliche Instrumente und lernte neben Gitarre, Bass und Geige alles was auch nur ansatzweise irgendwie verrückt klang. Inzwischen kann ich etliche Instrumente grundlegend spielen aber keines so richtig. Ich war einfach zu schlecht oder verlor zu schnell das Interesse sobald ich es einigermaßen konnte. Oft fragte ich mich auch, wozu ich das eigentlich lernen sollte. Wir reden hier übrigens von weit über 20 Instrumenten.  Durch meine Liebe ganz besonders zum Irish Folk versuchte ich irgendwann Gälisch zu lernen.

Damit geht es weiter zum Thema Sprachen. Ich muß sie aufzählen um zu wissen wieviele ich mal beherrschte und mir selber angeeignet habe. Das waren neben Deutsch und als norddeutscher natürlich Plattdütsch die Fremdsprachen Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Italienisch, Schwedisch, Griechisch, Arabisch, Latein und bestimmt noch welche die ich vergessen habe. Das natürlich alles inclusive den verschiedenen Dialekten und so. Inzwischen bringe ich sie durch den mangelnden Abruf im Alltag alle komplett durcheinander und habe daher aufgehört es überhaupt zu probieren außerhalb von Englisch. Aber ich könnte sie sicher schnell wieder abrufbar machen, falls es nötig sein sollte.

Ich kann einfach alles supergut und schnell auswendig lernen. Das fliegt mir förmlich zu ohne daß ich mich besonders anstrengen müßte. Gedichte, Liedtexte, Geschichten oder was auch immer. Oft lernte ich die klassischen und berühmten Balladen gleich mal in meinen ganzen Sprachen weil ich es cool fand es einfach nur zu können. Ich hab mal den kompletten Faust auswendig gelernt. Einfach nur so. Ich glaub den kann ich heute sogar noch abrufen. Aber wehe ich will mich mal an meinen vergessenen Einkaufszettel erinnern. Daran scheitere ich kläglich.

Ich habe mich dann auch schon immer sehr für Kunst und Architektur interessiert. Ich war in der Schule im Kunst Leistungskurs und war dort voll in meinem Element. Ich wollte am liebsten Kunst und Architektur studieren und hab keine Ahnung mehr warum das damals als es soweit war keine Option mehr war. Zeichnen kann ich glaub ich halbwegs gut, aber die theoretischen Dinge sind einfach mehr die meinen gewesen.

Tja, was gibts noch. Jonglage und Zirkus. Ich habe einige Jahre die Sommer in einem Behindertenfreizeitverein gearbeitet, der einen richtigen Zirkus betrieb. Ich wohnte mehrere Sommer in einem Zirkuswagen und lernte vor allem jonglieren. Speziell die Feuerjonglage ist mein geliebtes Steckenpferd. Ich liebe das Zirkusleben, ich liebe Feuer und genausosehr liebe ich Mittelaltermärkte und Co. Ich bin mal einige Jahre mit einem Slawenmarkt mitgezogen. Ich habe viele alte Handwerkstechniken gelernt und habe dort zB. Filzkram und Bändchenweberei angeboten. Ja, Handwerkstechniken sind ein weiteres Interessengebiet von mir. Ich komme ja aus einer Selbermachfamilie. Das wurde zum Glück dann auch in meiner Ausbildung als Ergotherapeutin sehr gefördert. Ich liebe spinnen, weben, töpfern und Körbe flechten und lerne alles was mir noch so in die Finger kommt. Hauptsache es ist außergewöhnlich genug. All das fällt mir einfach so zu. Ich bin unwahrscheinlich kreativ und lerne handwerkliches superschnell. Ich sauge jede noch so neue Handwerkstechnik in mich auf. Auch heute noch. Aktuell arbeite ich mich in das Thema Reetdachdecken, Fachwerk und Lehmofenbau ein. Das kann aber morgen schon wieder ganz anders sein…

Aber ein Spezialinteresse war schon immer da und wird wohl auch auf ewig bleiben: der Mensch mit seinem Innenleben, psychisch wie physisch sowie Interaktion zwischen Menschen.

Kreative Frau Anders

Kreativität ist glaube ich eine meiner allergrößten Stärken. Ich komme aus einer künstlerisch als auch musisch total uninteressierten und unbegabten Familie. Umso mehr wundert es mich daß ich da völlig aus der Art zu schlagen scheine. Ich kann aus allem etwas tolles machen. Ich glaube manchmal, an mir ist wahrhaft irgendein total irrer Künstler verloren gegangen. Welche Sparte? Musik, Kunst, Poesie? Egal. Ich belege sie alle irgendwie und verrückt bin ich eh genug. Ich bin ein unglaublich kreativer Mensch auf vielen Ebenen. Ein Ästhet, ein Schöngeist, ein Dichter und ein Musiker. Mir fällt alles sehr leicht was aus dem kreativen Bereich kommt und alles was ich neues finde interessiert mich auch sofort und muß ausprobiert werden. Wenn ich im alltäglichen Leben schon schnell entflammbar und begeisterbar bin, auf der künstlerisch-musischen Ebene brenne ich in Sekunden lichterloh. Ebenso schnell verliere ich aber auch das Interesse an Dingen, sobald ich sie beherrsche oder zur Genüge getan habe. Manchmal warten aber auch schon viele andere neue Dinge auf mich die ich ausprobieren will. Mein Vater nannte mich mal das wandelnde Strohfeuer. Schnell angezündet, schnell Feuer und Flamme, ich brenne lichterloh und alles nieder und genauso schnell bin ich wieder erloschen und verliere das Interesse. Ich könnte ganze Bücher füllen mit der reinen Aufzählung meiner kreativen Ergüsse. Ich versuche es mal grob zu umreißen.

KUNST:

Ich interessiere mich seit ich denke für Kunst. Ich habe schon immer sehr gerne und anscheinend auch gut gezeichnet, ich welchselte oft und wild die Stilrichtungen von Portrait, Akt, über Landschaftsmalerei, Surrealismus, Kubismus, architektonischen Zeichnungen, lustigen Comics bis hin zu richtig inhaltlich krankem Zeugs. Ich bin sehr gut in bildhauerischen Techniken und liebe heute noch am meisten die Arbeit mit Gips und Ton. Menschen sagen, ich wäre in all dem echt gut. Ich kann sehr spontan tolle Dinge aus allenmöglichen erschaffen. Ich war im Kunst Leistungskurs und wollte früher auch Kunst oder wenigstens Architektur studieren. Ich hatte nur ein Problem. Ich fand mich nie gut genug um meine Werke auch vorzuzeigen zu können. am meisten Probleme hatte ich mit meinen Bildern. Es gibt nur extrem wenige Menschen die jemals ein gezeichnetes Bild von mir gesehen haben und sehen werden. Ich habe mich zu sehr geschämt etwas zu zeigen was in meinen Augen nicht perfekt ist. Dennoch hat es mir immer viel gegeben, so vor mich hin zu zeichnen. Ich betrachte Kunst übrigens genauso gerne wie ich sie selber erschaffe. Allerdings das am liebsten ganz alleine und in Ruhe.

Da ich diese Ruhe in meinem Alltag nicht mehr habe, bleibt es bei kleineren Basteleien für Haus und Hof ein paar Zentangles und schnellen Kritzeleien auf allen zetteln die ich in die Hand bekomme.

MUSIK:

Ähnlich wie bei der Kunst, liebe ich Musik. Hören, machen, spüren… Musik geht bei mir ganz tief und ich könnte mich in ihr stundenlang verlieren. Ich habe strohfeuermäßig in meinem Leben ziemlich viele Instrumente erlernt, beherrsche aber keines so wirklich gut. Vielleicht habe ich „mein“ Instrument noch nicht gefunden. Momentan liebäugel ich ja noch mit Klavier. Ich habe als Kind ganz klassisch in der Schule mit meinem ersten Instrument der Blockflöte angefangen und dabei entdeckt daß ich zwar völlig lernresistent bin was die Notensprache angeht, allerdings ein großartiges Gefühl für Töne habe. Das ist auch noch heute so. Gib mir ein mir wildfremdes Instrument, laß mich kurz rausfinden welcher Ton wie erzeugt wird und los gehts… Ich scheitere meist nur an der mangelnden Motorik, was mich nie wirklich gut werden ließ. Ich habe dann klassische Instrumente wie Geige, Gitarre, Bass, allemöglichen Flöten, Klarinette erlernt. Ich spielte in einer Punkband Bass, machte mit Freunden etwas Straßenmusik, war recht lange in einer Sambatrommelgruppe unterwegs, ich versuchte mich in einer Irish Folk Band und brachte es dort sogar irgendwann zur Gitarristin und Sängerin. Ich behaupte ich kann nicht sonderlich gut singen, aber ich lieeeeebe es zu singen. Grade folkige Sachen singe ich sehr gerne. Ich träume auch heute noch davon, nach erfolgreichem Gesangsunterricht alleine mit meiner Gitarre in einem Irish Pub zu stehen und einfach nur all diese tollen Lieder zu singen.

Ich habe übrigens einen absoluten Faible für verrückte Instrumente wie Maultrommeln, Bodhrán, Didgeridoo, Schalmei, Dudelsack und andere.

Heute mache ich keine Musik mehr, ich habe keine Zeit mehr dafür und der größte Hinderungsgrund ist wohl ähnlich wie bei dem Kunstkram: ich mag es nicht wenn mich jemand beim üben hören könnte. Ich wohne aber nicht mehr alleine und daher ist meist immer jemand anwesend. Ich kann mit meiner Musik nur in die Öffentlichkeit, wenn ich etwas kann und sicher beherrsche. Üben geht nur absolut ungestört in völliger Einsamkeit. Und da ich erstmal wieder üben müßte drehe ich mich oft im Kreis. Also gehöre ich jetzt eher der hörenden Klasse an. Ich sammle Schallplatten und gebe viel für gute Musik von anderen Menschen aus.

SCHREIBKRAM:

Ich schreibe eigentlich immer und überall irgendwas. Heute ist es meist nur noch loses kommunikatives Zeugs im Internet mit doch recht wenig Tiefgang, aber ich kann nicht ohne schreiben leben. Dinge mit mehr Tiefgang schreib ich nur für mich. Auch das war früher mal anders.  Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben. Ich führte sogar ein tolles ausgedachtes Parallelleben in meinen Tagebüchern, weil ich wußte daß sie heimlich von meiner Mutter zur Kontrolle gelesen werden. Also gab ich ihr spannenden Lesestoff der natürlich immer zu meinen Gunsten geschrieben wurde. 😉 Das waren schon richtige Bücher.

HANDWERK

Durch meine Berufsausbildung, habe ich viele alte Handwerkstechniken kennengelernt und ich liebe es generell möglichst viele zu beherrschen und immer wieder neue zu erlernen. (Hauptsache nix mit nähen oder stricken. Damit stehe ich auf dem Kriegsfuß) Ich werfe mal ein paar in den Raum, wobei es noch viele, viele mehr sind: Emaillearbeiten, Korbflechen, Weben, töpfern, spinnen, Bändchenweberei, filzen, Lehmbau, Lederbearbeitung (ich flechte u.a. Bullwhips und verkaufe sie an Händler), ich liebe Holz- ganz besonders Laubsägearbeiten, arbeite gerne alte Möbel auf und, und, und…. Heute so mit altem Bauernhaus mit Hof ist das natürlich etwas das ich täglich gebrauchen kann.

FOTOGRAFIE:

Ich fotografiere eigentlich seit ich denken kann. Ich war als Kind schon in ner Foto AG und die Fotografie begleitet mich ständig und immer im Leben. Ich fotografiere gerne und überall. Manchmal Menschen die sich unbeobachtet fühlen, ständig kleine unbedeutsame Dinge und am allerliebsten klettere ich in alten verlassenen Industrieruinen rum um Endzeitfotos zu machen. Bin halt so ein alter Industrieromantiker.

Wenn ich das so niederschreibe stimmt mich das ganz schön traurig. Wo ist eigentlich heute noch Zeit und Raum in meinem Leben für das was ich am besten kann und was mir so viel zu geben vermag. Ich suche immer nach Dingen die mich ausmachen und habe die wichtigsten ad acta gelegt.

Vielleicht sollte ich da mal etwas wiedererwecken.

Musik

Ich habe relativ spät angefangen, Klavier zu spielen. Jedenfalls viel später, als man es tun sollte, wenn man die Chance nicht verpassen möchte, es beruflich auszuüben (solche Kinder werden dann mit 3 oder 4 Jahren angehalten, mit dem Instrument anzufangen). Damals hatte ich aber noch gar nicht daran gedacht, dass es ein möglicher späterer Beruf werden könnte. Ich muss ungefähr 10 Jahre gewesen sein. Im Fernsehen sah ich gerade einen Bericht über hochbegabte Kinder. Ein Mädchen, etwa in meinem Alter, spielte eine wunderschöne Melodie auf dem Klavier. Es war mir sofort klar, dass ich diesem Instrument auch so wundervolle Klänge entlocken wollte! Glücklicherweise bekam ich ein gebrauchtes Klavier und privaten Unterricht. Es stellte sich heraus, dass ich musikalisch begabt (oder eher hochbegabt) war. Das erklärt, warum ich damals, im Musikunterricht der Grundschule, innerlich immer so empört war, wenn es meine Mitschüler nicht schafften, zu Liedern im Takt zu klatschen. Manche von ihnen waren einfach nicht mit Taktgefühl gesegnet.

Ich hatte unglaubliches Glück, einen Kanal gefunden zu haben, wie ich meinen Gefühlen nonverbal Ausdruck verleihen konnte. Verbal würde ich es niemals in dem Ausmaß können.

Nachdem ich das Klavierspiel für mich entdeckt hatte, übte ich zunächst nur eine halbe Stunde täglich. Schließlich wurde die Zeit des Übens immer länger. Meine Klavierlehrerin veranstaltete Konzerte mit ihren Schülern und an diesen Auftritten musste ich natürlich teilnehmen.

Die öffentlichen Auftritte waren schließlich das, was mich davon abgehalten hat, Berufsmusikerin zu werden. Vor und während der Auftritte hatte ich oft Todesangst. Kein gewöhnliches Lampenfieber. Das grelle Licht auf der Bühne. Die Totenstille, bevor man anfangen sollte, zu spielen. Man musste hübsche Kleidung anziehen, hohe Schuhe. Durfte sich nicht verspielen. Bloß keine Fehler machen. Es war jedes Mal der absolute HORROR und die Nächte vor einem Auftritt waren oft schlaflos und panisch. Meine größte Angst war die Angst vor der Angst. Während des Auftritts „die Noten zu vergessen“, was auch wirklich sehr peinlich geworden wäre, plötzlich nicht mehr weiterzuwissen. Das ist, während der ganzen Auftritte, zum Glück nur ein oder zwei Mal passiert.

Für die „richtigen“ Auftritte muss man als Klavierschüler beim Vorspielen sicher genug sein. Zu diesem Zweck wurden Auftritte in Kirchen oder in Altersheimen organisiert. Ich habe auch mit dem Jugendorchester gespielt und Reisen ins Ausland unternommen, wo wir Auftritte hatten. Ich bin im In- und Ausland (Österreich, Schweiz, Großbritannien, Frankreich) aufgetreten und hatte (zumindest bei Zusammenspiel mit anderen) nicht so eine Todesangst wie bei Soloauftritten.

Etwa sechs Jahre, nachdem ich mit dem Klavierspielen angefangen hatte, nahm ich am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Im Regionalwettbewerb (man trat also gegen andere Jugendliche aus der Region an) erlangte ich den 1. Preis, darauf folgte der Landeswettbewerb (Bundeslandebene), in dem mir auch der 1. Preis zuerkannt wurde. Das bedeutete, dass ich nun im Bundeswettbewerb gegen Jugendliche (aus ganz Deutschland) antreten durfte. Verständlich, dass ich mir davor ganz schön in die Buxen gemacht habe…irgendwie habe ich den Aufritt, ohne vor Angst gestorben zu sein, hinter mich gebracht. Ohne mich groß verspielt zu haben, oder aus dem Konzept gekommen zu sein. Ich habe mich mehr über diesen Umstand gefreut, als über die Tatsache, dass es ein zweiter Platz geworden ist.

Asperger-Autisten können sich Dinge sehr schnell aneignen, wenn sie für etwas „entflammen“ und können sehr schnell sehr gut darin werden. Diese Geschichte ist sicherlich nur eine von vielen Beispielen im Leben von Asperger-Autisten, die herausragende Leistungen auf vielen Gebieten erzielen können.

„Mild autism can give you a genius like Einstein. If you have severe autism, you could remain nonverbal. You don’t want people to be on the severe end of the spectrum. But if you got rid of all the autism genetics, you wouldn’t have science or art. All you would have is a bunch of social ‚yak yaks.'“ Temple Grandin