Treffen sich zwei Aspies…

…das Klischee eines autistischen Menschen besagt, dass er sich nur für sich selbst interessiert und nicht für andere. Er würde sich niemals nach Gesellschaft sehnen. Dieses Klischee trifft auf keinen Asperger-Autisten zu, den ich bisher kennengelernt habe. Es ist ein dummes Vorurteil.

Vor kurzem habe ich mich mit einem Asperger-Autisten getroffen, nennen wir ihn S. Es war von meiner Seite aus nicht lange geplant, dass wir uns treffen, das Treffen war recht spontan. S. hatte öfters im Internet geschrieben, dass er sich über Besuch von anderen Autisten sehr freuen würde.

Andere Menschen mit Asperger kannte ich bisher vom (intensiven) Austausch im Internet und von ein paar Treffen, die nur einige Stunden dauerten. Meine (offizielle) Diagnose habe ich erst seit relativ kurzer Zeit und bin immer noch sehr neugierig, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es im Verhalten von Autisten untereinander gibt.

S und ich haben es tatsächlich geschafft, einige Tage miteinander zu verbringen, ohne dass jeder stundenlang alleine in seinem Zimmer gehockt ist, weil ihn die Anwesenheit des anderen so in Stress versetzt hat. Es lag bestimmt an den gleichen Spezialinteressen, dass wir uns auf Anhieb verstanden haben und bei gleichen Themen „Feuer und Flamme“/auf gleicher Wellenlänge waren. S. ist ein aufmerksamer, liebenswürdiger, hochbegabter, humorvoller, musikalischer, emotionaler Mensch. Er hat die Einsamkeit nicht verdient, an der er offensichtlich leidet und ich hoffe, dass er in naher Zukunft einen Partner kennenlernen wird.

Kein Mensch kann die (phasenweise oder lebenslange) Einsamkeit eines autistischen Menschen besser nachvollziehen als ein anderer autistischer Mensch. Man will dazugehören, tut es aber nicht und weiß (bis zur Asperger-Diagnose) nicht, woran das liegt. Schließlich sucht man die Schuld bei sich selbst und meint, man hätte als Mensch sozial versagt.

Ich bin sehr froh, S. kennengelernt zu haben (und bin schon sehr gespannt, weitere Autisten kennenzulernen). Dieses Treffen wird sicherlich nicht das Letzte gewesen sein.

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11 Kommentare

  1. Hi, es gibt ja noch einiges anderes, was auf den ersten Blick wie Autismus aussehen kann (soziale Phobie, schizoide Persönlichkeitsstörung etc.). Was das genau ist, kann nur der Facharzt für Neurologie/Psychiatrie und/oder ein/e Psychotherapeut/in feststellen. Wenn du Leidensdruck hast, wäre es besser, es dort abklären zu lassen. Die Tests können nur einen Hinweis geben. Zwecks Kontakten ist es recht egal, was das für eine Diagnose ist. Vielleicht meldet sich ja hier jemand :). Ansonsten kann man vor allem in sozialen Netzwerken gut Kontakte knüpfen.

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  2. Hallo,
    ich finde mich in einigen Aspekten von Autismus, Asperger… wieder. War auch viel einsam (habe jetzt aber einen lieben Partner, der sehr viel akzeptieren kann an mir und mich sehr unterstützt, wir wohnen sogar zusammen – schlafe aber allein) und habe soziale Probleme, immer noch, aber viel geübt…
    Würde mich auch gerne mit Leuten treffen, wo man den blöden Smalltalk und die Masken, Rollenerwartungen etc. weglassen kann.

    Ich glaube, ich hatte mich vor ein paar Jahren schon mal mit dem Thema beschäftigt und auch einen Test gemacht, wo wohl rauskam, dass ich nicht sehr viel Autismus an mir habe. Weiß es aber nicht mehr genau.

    Jedenfalls hatte und habe ich viele Probleme, und lebe einfach anders als die NTs, und fühle mich (allerdings immer weniger) anders als diese.

    Falls jemand Lust auf Kontakt hat, würde mich sehr freuen.

    Ich lese gerne, Internet, Klavier, Chor (mein soziales Projekt), Handwerkliches…

    VG

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  3. Hallo liebe Menschen! Vergesst bitte allen Kram, den sogenannte Profis (Ärzte, Wissenschaftler und Psychologen) von sich geben. Bitte glaubt an Euch und Euren Weg… auch wenn er noch so steinig ist. Es lohnt sich! Irgendwann verschwimmen die selbsterschaffenen Grenzen (hier meine ich primär Diagnosen und Co.). Was bleibt ist das Mensch sein. Mir persönlich ist es Wurscht welche Überschrift / Diagnose über einem Menschen steht. Was bleibt ist die Zuneigung oder eben nicht. Ich fände es schade ausgegrenzt zu werden, nur weil ich die vermeintlich „falsche“ Überschrift trage. Mir fällt jedoch auf, dass ich mich sehr zu den sogenannten „Aspies“ hingezogen fühle. Ich empfinde eine Art Gleichklang. Was ich bin, dass mag ich für mich nicht betitelt haben. Ich bin. Punkt. Ich freue mich auf weitere Begegnungen.

    Zu der Schottland „Sache“: ich persönlich fände es schade, wenn sich alle Autisten in „Spezial-Dörfer“ verkrümeln würden. Ich würde sie sehr vermissen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir einander brauchen… so bunt und vielfältig wie das Leben ist, so sind es auch die Bewohner. Wir sollen voneinander lernen, offen und neugierig füreinander sein. Kinder machen es uns vor: sie sind immer neugierig und lebensdurstig und fragen nicht nach Diagnosen. 🙂 Sie machen mir Mut und schenken mir Freude. Nur weil manche Erdenbürger nicht verstehen, heißt das noch lange nicht, dass WIR andersartigen das Handtuch werfen müssen und uns selbst ins „Aus“ schießen müssen. Ich bin mir sicher, dass auch Autisten meine bildhafte Sprache verstehen. Das wäre eines der vielen Klischees, was Autisten nicht können. Das allgemeine Bild von und über Autismus ist dermaßen defizitorientiert, dass einem schlecht werden könnte. Wie schaut es denn mit all den facettenreichen Wertschätzen aus? Hier sollte ein Umdenken geschehen. Ich bin bereicht 🙂

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  4. Inzwischen war die Blogverfasserin ein zweites Mal hier. Und gestern abend war noch eine Autistin zu Besuch. Wie „Forscher“ schreibt: Man kann sich oberflächlichen Smalltalk schenken … Ansonsten kenne ich im „real life“ nur eine Handvoll NTs; keinen davon würde ich als „Freund“ bezeichnen. Eher im Gegenteil … Manchmal kann ich auch zynisch und bissig werden. Gestern z.B. wurde ich gefragt, ob ich etwas gegen NTs habe. Meine Antwort: „Ja, Gewehre, Pistolen, Messer …“

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  5. Auch ich kann das absolut nachvollziehen. Die ersten Treffen mit Autisten waren ein ganz neues Lebensgefühl. Sich den unnötigen Smalltalk schenken können, frei reden, offen reden, sich keine Gedanken darum machen, wie man auf den anderen wirkt. Das ist dann gleich mal viel stressfreier. Seitdem hab ich Sehnsucht nach mehr solcher Treffen.

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